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Geschichte und Philosophie

20 Jahre Mauerfall — Studieren im Osten

Autor:

Rubrik:
studium

09.11.2009

Ich war knapp drei Jahre alt – fünf Tage vor meinem Geburtstag fiel die Mauer, jene Mauer, die Ost- und Westdeutschland voneinander trennte. Zu jung, um es mitzubekommen. Dort wo ich herkomme, im Taunus bei Frankfurt am Main, änderte sich auch nicht sehr viel. Die Male, die ich bis zu meinem 19. Geburtstag in der ehemaligen DDR war, kann ich an einer Hand abzählen, einmal davon in Berlin und einmal in Dresden.

Bevor ich zum Studium nach Leipzig kam, wusste ich sehr wenig über die ehemalige DDR. Der Geschichtsunterricht hatte dieses Thema geflissentlich ausgespart und „Good-bye Lenin“ hatte nicht viel mehr zu bieten, als alte Klischees zu bedienen.

Hier in Leipzig lernte ich mit großem Interesse und zum Teil aus erster Hand von der Geschichte der ehemaligen DDR und ihren Bürgern. Erich Mielke wurde mir ein Begriff; auf einem Flohmarkt erzählte mir ein Verkäufer von seiner Arbeit in einer Fabrik und seinen Erfahrungen mit russischen Soldaten; von einer Sportlerin erfuhr ich, wie sie nach 1989 mit dem Gesetz in Konflikt kam, als sie einen Arzt des Doping im Namen der SED beschuldigte und ein Mann, der mich auf der Straße neugierig betrachtete und dann ansprach, schwärmte mir von seiner Zeit als 17-18-Jähriger auf einem großen Segelschiff vor.

Viele haben sich mit dem Wandel, der häufig erst einmal Arbeitslosigkeit bedeutete, noch nicht abgefunden, andere feiern ihn. Es ist eine Frage der Generationen. Kindheit und Jugend sind die prägenden Zeiten. Viele meiner Kommilitonen zählen wie ich zu der Generation, die die Zeit vor der Wende nicht mehr erlebt hat. Spannend und lohnend ist es aber, den Erzählungen der Älteren zu lauschen.

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