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Geschichte und Philosophie

Ein frühes Abendessen — Wann habe ich gelacht ...

Ein frühes Abendessen, dann habe ich danach noch Zeit, mich zu entspannen. Entspannen auf eine ganz besondere Art und Weise!

Der Tag war voller Erlebnisse, Erfolge und Niederlagen, Erreichtem und Verfehltem. Mehrere Fahrradfahrten, Mahlzeiten, Unterhaltungen und Lektüren. Bekanntes und Unbekanntes, Schönes und Hässliches – und immer wieder tausend Gesichter.

Was mache ich aus diesem Tag? Wo lege ich ihn ab – wo lege ich ihn hin – wo sortiere ich ihn ein? Was folgt aus dem Erlebten, was kann ich weiter so tun, was sollte ich ändern? Wo habe ich mich geirrt, wo gefehlt – meinen Ansprüchen nicht genügt. Welche Erkenntnisse habe ich gewonnen? Wann habe ich gelacht, wann mich gelangweilt, wann habe ich mich geärgert, wann war ich traurig? Wie fühle ich mich nun? Wo komme ich hin, wenn ich so fortfahre – die nächsten Tage, Wochen, Jahre?

Eine Reise in Gedanken, ein Spiel, aussagefähig, aber nicht absolut – zu viele Unbekannte.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Feb 5, 2010
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Rubrik: studium
Feb 5, 2010

Geschichte und Philosophie

Sächsisch-Sibirien (Teil 2 von 2)

Blick auf ein verschneites Mausoleum in einem Park

Bald fanden sich auf dem Universitätshof einige Arbeiter, die Schnee in Container schaufelten. Für den ansonsten der Kälte wegen untätigen Baukran fand man hier guten Nutzen. Die vollen Schneecontainer hob er aus dem Hof. Peu à peu hatten sich aber Eiszapfen gebildet, waren bedrohlich angewachsen zu einem Spalier von Damoklesschwertern. Gehwege wurden abgesperrt, bis Feuerwehrleute die Eiszapfen einen nach dem anderen abgebrochen hatten.

Dann kamen ein paar Tautage, Südwind. Es reichte nicht. Noch immer türmte sich der Schnee am Straßenrand, noch immer war der Park für Fahrradfahrer eine Tortour. Am letzten dieser Tautage schien etwas Sonne und schließlich stießen wir in einer schmalen Schneise auf festen Grund, Fahrradfahren war wieder möglich.

Mit dem freien Himmel kam in der Nacht die Kälte, und sie ist bisher geblieben. Wieder treiben Eisschollen auf dem Fluss. Einige Studenten hat es umgehauen, hustend und schniefend schleppen sie sich in die Uni.

Ich gehe weiterhin joggen, der gefrorene Schnee knirscht so schön unter den schnellen Füßen. Sauna täte auch gut, die ist hier in Leipzig zwar sehr beliebt, doch eher bei der Generation meiner Großeltern. Passend zum Wetter lese ich ein Buch über Sibirien und freue mich, wie es hier im Vergleich zu dort noch fast warm ist, wünsche mir aber auch so einen schönen Mantel aus zotteligem Schaffsfell und eine typisch russische Kopfbedeckung, eine Uschanka.

 

Foto: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Feb 2, 2010
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Rubrik: studium
Feb 2, 2010

Geschichte und Philosophie

Sächsisch-Sibirien (Teil 1 von 2)

Blick auf eine verschneite Baumallee

Eisig kalt, eisern der Griff, in dem die Kälte Leipzig hält. Tag für Tag hatte es geschneit, jeden Morgen fuhren Räumfahrzeuge und kämmten den Neuschnee auf den Altschnee. Dicke Schollen trieben den Fluss hinunter, und irgendwann war er so zugefroren, dass der in der folgenden Nacht fallende Schnee der Stadt ein neues, weißes Tal bescherte. Ein ungewohnter Anblick.

Das einzige verlässliche Fortbewegungsmittel war in dieser Zeit die Straßenbahn. Umso unangenehmer war es den starr Wartenden. Ich aber lief. Statt wie sonst eine Viertelstunde mit dem Rad brauchte ich nun eine Stunde. Der Weg durch den Park war ein Genuss für die Augen – wie zarte Malerei schienen mir die dem Wind abgewandten und somit von Schnee frei gebliebenen Seiten der Stämme und Äste. Wenn alles andere bedeckt ist und in seiner Weißheit keine Ablenkung erzeugt, tritt das wenige Dunkelbraune und Schwarze umso stärker hervor. An mir vorbei sausten Skiifahrer. Hänge hat es hier keine, aber die Langläufer freuten sich.

Morgens wurde ich von den durchdrehenden Reifen und aufheulenden Motoren Verzweifelter geweckt, abends begleiteten sie meine Arbeit am Computer. Ohne aufgefordert worden zu sein, fanden wir – mir unbekannte Leute und ich – sich hinter einem Auto, das ohnmächtig brauste, ohne vom Fleck zu kommen. Wir gaben ihm einen Schubs und dankend hupte es zaghaft.

Auf dem nachmittäglichen Rückweg kam ich an dem einzigen Hügel der Umgebung vorbei. Hundert Kinder riefen und kreischten entzückt, jedes Mal, wenn sie diese acht Meter Höhe in einem Affenzahn hinabsausten.

 

Foto: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jan 29, 2010
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Rubrik: studium
Jan 29, 2010