interaktiv

Geschichte und Philosophie

Sächsisch-Sibirien (Teil 2 von 2)

Blick auf ein verschneites Mausoleum in einem Park

Autor:

Rubrik:
studium

02.02.2010

Bald fanden sich auf dem Universitätshof einige Arbeiter, die Schnee in Container schaufelten. Für den ansonsten der Kälte wegen untätigen Baukran fand man hier guten Nutzen. Die vollen Schneecontainer hob er aus dem Hof. Peu à peu hatten sich aber Eiszapfen gebildet, waren bedrohlich angewachsen zu einem Spalier von Damoklesschwertern. Gehwege wurden abgesperrt, bis Feuerwehrleute die Eiszapfen einen nach dem anderen abgebrochen hatten.

Dann kamen ein paar Tautage, Südwind. Es reichte nicht. Noch immer türmte sich der Schnee am Straßenrand, noch immer war der Park für Fahrradfahrer eine Tortour. Am letzten dieser Tautage schien etwas Sonne und schließlich stießen wir in einer schmalen Schneise auf festen Grund, Fahrradfahren war wieder möglich.

Mit dem freien Himmel kam in der Nacht die Kälte, und sie ist bisher geblieben. Wieder treiben Eisschollen auf dem Fluss. Einige Studenten hat es umgehauen, hustend und schniefend schleppen sie sich in die Uni.

Ich gehe weiterhin joggen, der gefrorene Schnee knirscht so schön unter den schnellen Füßen. Sauna täte auch gut, die ist hier in Leipzig zwar sehr beliebt, doch eher bei der Generation meiner Großeltern. Passend zum Wetter lese ich ein Buch über Sibirien und freue mich, wie es hier im Vergleich zu dort noch fast warm ist, wünsche mir aber auch so einen schönen Mantel aus zotteligem Schaffsfell und eine typisch russische Kopfbedeckung, eine Uschanka.

 

Foto: Privat

Diesen Artikel teilen