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Geschichte und Philosophie

Sächsisch-Sibirien (Teil 1 von 2)

Blick auf eine verschneite Baumallee

Eisig kalt, eisern der Griff, in dem die Kälte Leipzig hält. Tag für Tag hatte es geschneit, jeden Morgen fuhren Räumfahrzeuge und kämmten den Neuschnee auf den Altschnee. Dicke Schollen trieben den Fluss hinunter, und irgendwann war er so zugefroren, dass der in der folgenden Nacht fallende Schnee der Stadt ein neues, weißes Tal bescherte. Ein ungewohnter Anblick.

Das einzige verlässliche Fortbewegungsmittel war in dieser Zeit die Straßenbahn. Umso unangenehmer war es den starr Wartenden. Ich aber lief. Statt wie sonst eine Viertelstunde mit dem Rad brauchte ich nun eine Stunde. Der Weg durch den Park war ein Genuss für die Augen – wie zarte Malerei schienen mir die dem Wind abgewandten und somit von Schnee frei gebliebenen Seiten der Stämme und Äste. Wenn alles andere bedeckt ist und in seiner Weißheit keine Ablenkung erzeugt, tritt das wenige Dunkelbraune und Schwarze umso stärker hervor. An mir vorbei sausten Skiifahrer. Hänge hat es hier keine, aber die Langläufer freuten sich.

Morgens wurde ich von den durchdrehenden Reifen und aufheulenden Motoren Verzweifelter geweckt, abends begleiteten sie meine Arbeit am Computer. Ohne aufgefordert worden zu sein, fanden wir – mir unbekannte Leute und ich – sich hinter einem Auto, das ohnmächtig brauste, ohne vom Fleck zu kommen. Wir gaben ihm einen Schubs und dankend hupte es zaghaft.

Auf dem nachmittäglichen Rückweg kam ich an dem einzigen Hügel der Umgebung vorbei. Hundert Kinder riefen und kreischten entzückt, jedes Mal, wenn sie diese acht Meter Höhe in einem Affenzahn hinabsausten.

 

Foto: Privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jan 29, 2010
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Rubrik: studium
Jan 29, 2010

Geschichte und Philosophie

Unicampus — von der Wiege bis zur Bahre

Der neue Unicampus in Leipzig ist mitten in der Innenstadt gelegen. Letztes Jahr wurde er eingeweiht. Noch ist nicht alles fertig gestellt, aber beeindruckend ist er schon jetzt. Man kann dort den ganzen Tag, ja fast das ganze Leben verbringen: Seminare und Vorlesungen, zwischendrin in die Fütterungsanstalt, Mensa genannt, dann in die rund um die Uhr geöffnete Bibliothek.

Wenn ich müde bin, lege ich mich auf eines der roten Sofas und decke mich mit meiner Jacke zu. Selbst zu Abend kann ich in der Mensa essen. Klos gibt’s natürlich überall. Wenn mir das Geld ausgeht, kann ich zur Sparkassenfiliale im Gebäude gehen. Fehlen eigentlich nur noch Duschen, dann könnte ich mir das passende Shampoo auch in der Drogerie nebenan besorgen. Seminar- und Vorlesungsgebäude sind mit einer Brücke verbunden, die Mensa ist unter den Hörsälen und darunter befindet sich die Fahrradgarage.

Ob ich mal im Selbstversuch eine Woche darin verbringen soll?! Na ja, soll toll ist das Mensa-Essen nun doch nicht und ich würde nicht nur die täglichen Fahrradfahrten sehr vermissen. Beeindruckt bin ich aber schon, dass manche Studenten extra zum Mittagessen zur Uni fahren, wenn sie auch sonst dort keine Veranstaltungen haben.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jan 27, 2010
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Rubrik: studium
Jan 27, 2010

Geschichte und Philosophie

 Woher nehmen, wenn nicht stehlen

Mit Nachhilfe habe ich es versucht – Französisch und Englisch. Erst 20, dann 15 und schließlich 10 Euro pro Stunde. Niemand meldete sich. Dann stolperte ich im Weinhandel an der Ecke über ein Gesuch nach einer Aushilfskraft. Ich unterhielt mich mit dem Besitzer. Ihm gefielen mein Wissen und meine Erfahrung als Weinleser. Bald machte er mir ein Angebot: sieben Euro die Stunde, auf Rechnung.

Also hätte ich ein Gewerbe à la „Promotion“ anmelden müssen und mich dann in die Scheinselbständigkeit begeben. Das gefiel mir nicht.

Beim Bioladen, wo ich selber einkaufe, fragte ich, ob man noch jemanden gebrauchen könne. Die Kassiererin notierte meine Telefonnummer, gemeldet hat sich bisher niemand.

Jetzt aber ist Bewegung in die Sache gekommen. Einer meiner Profs meinte heute zu mir, er suche einen Hiwi (Hilfswissenschaftler) – ob das was für mich wäre? Ja klar! Hiwi ist noch viel besser, als all die anderen Jobs. Da ist der Verdienst eine angenehme Nebenwirkung. Das Beste daran ist – so denke ich mir – ein wenig am universitären Geschehen teilzuhaben, nicht nur auf der studentischen Seite zu stehen, sondern auch auf der der Wissenschaftler und Professoren.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jan 21, 2010
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Rubrik: studium
Jan 21, 2010