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Geschichte und Philosophie

Zu viele Bücher für ein Leben

Autor:

Rubrik:
studium

25.02.2010

Vor lauter Büchern sehe ich die Bibliothek nicht mehr. Millionen von Bücher, also vielleicht eine Milliarde Seiten, hat es hier in der Universitätsbibliothek Leipzig. Wie viele Tage habe ich noch im Leben? Vielleicht noch 60 mal 365, also gut 20.000. Ich könnte also bei durchschnittlich 10 Seiten pro Tag in meinem ganzen restlichen Leben 0,2 Promille der Bücher in der UB lesen. Wobei in 60 Jahren bestimmt noch eine Milliarde Seiten hinzugekommen sein werden. Was für eine abstruse Vorstellung, eine Rechnung, die ich besser wieder vergesse. Verschwindend gering ein Leben in einer Bibliothek. Diese Bücher als Extrakte abertausender Leben – scheinbar! Da nur Facette, nur Teil.

Auch wenn so vieles interessant ist – auf dem Weg zu einem Buch erblicke ich immer zehn andere Bücher mit interessanten und viel versprechenden Titeln. Es kann nur ein Teil des Lebens sein, nie das Ganze. Mich dafür blind zu stellen, fällt mir immer wieder schwer. Aber auch das, was ich schlussendlich lese, reicht schon aus, dass ich mir damit ein Gedankenschloss baue mit hundert Räumen, Sälen, Fluren, Kammern, Stuben und Gemächern. Darin tausende Bilder, Begriffe, Namen, Farben und Formen.

Manchmal überwiegt die Angst, manchmal die Faszination – die Welt erobern oder in ihr versinken, untergehen. Die Balance will ich halten – eintauchen und wieder Luft schnappen. Nie eines vergessen, sonst werde ich mich in dem anderen verlieren.

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