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Geschichte und Philosophie

Hausarbeit und Unmensch

Schrecklich, diese Blicke meines Dozenten, als ich ihm erzählte, dass ich mit der Hausarbeit nicht bis zum 31. März fertig werden würde. Als ob dadurch eine Welt zusammen bräche. Das war für ihn vielleicht auch der Fall. Hatte er anscheinend gedacht, dass ich in den zwei Monaten seit Vorlesungsende nichts anderes zu tun hätte, als die eine Hausarbeit zu schreiben. Nein, ganz so schlimm ist es sicherlich nicht. Aber seine harten Worte, was ich ihm für eine Hiobsbotschaft brächte und dass mir das bei einer Bewerbung das Genick bräche, verletzten mich.

Nun, am Dienstag nach Ostern solle ich ihm etwas abliefern. Ich hatte also nach dem Gespräch am Gründonnerstag noch den Nachmittag, um mir Literatur zusammen zu suchen und dann von Karfreitag bis Ostermontag Zeit, um eine Hausarbeit zu verfassen. Ich bin trotzdem zu meinen Eltern gefahren, eben mit zwei Beuteln voller Bücher. Von Ostern und dem Wetter habe ich die Tage nicht viel mitbekommen. Das Lernen und Lesen hat mir Freude bereitet – immer dann, wenn ich das Ticken der Uhr vergaß und den rinnenden Sand nicht sah.

Heute wollte ich mich eigentlich mit einem Freund zum Mittagessen in der Mensa treffen, aber mir war von dem enormen Druck, den ich heute empfand, so warm, dass ich unmöglich etwas hätte essen können. Ich musste ihm absagen. So steckte ich gestern früh schon bei der Zugfahrt die Nase in die Bücher und ackerte bis drei Uhr nachts – natürlich war ich dann schon längst wieder zuhause in Leipzig angekommen. Dann schlief ich sechs Stunden und arbeitete heute von elf bis 17 Uhr durchgehend im Foyer der Bibliothek daran, diese Arbeit abzuschließen. Dann musste sie noch gedruckt werden, gebunden und meinem Dozenten – ich war ganz überrascht, ihn persönlich anzutreffen – in die Hand gedrückt werden.

Morgen gehe ich die tausend Dinge an, die ich die letzten Tage komplett ausgeblendet habe. Insgesamt beeindruckt es mich sehr, was man da in ein paar Tagen zusammen schustern kann und wie sehr ich vieles verdrängte und vergaß. Ich vermied es, die Leute um mich herum anzuschauen, hatte ich doch tausend Gedanken im Kopf, die ich nicht verlieren wollte. Immer wieder musste ich in die Ferne starren. Bloß nichts betrachten oder auf etwas konzentrieren – außer auf meine Gedanken. Auch half es mir, abends ein Bier zu trinken, um mich zu beruhigen. Das gleiche habe ich vorhin getan. Deshalb gehe ich auch gleich schlafen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 8, 2010
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Apr 8, 2010

Geschichte und Philosophie

Kalenderwunder

Endlich habe ich mir einen Kalender zugelegt – und es funktioniert! Ich nehme mir nur noch soviel vor, wie ich auch schaffen kann und zusätzlich habe ich beim Ausstreichen oder Abhaken einer Sache noch ein weiteres kleines Glücksgefühl à la: „Ja, geschafft!“ oder „Gut gemacht!“. Früher habe ich mir immer auf Briefumschlagsrückseiten Listen von zu erledigenden Dingen gemacht. Abends dann konnte ich mich nicht freuen, sondern immer nur ärgern – über all die Dinge, die ich mir so fest vorgenommen, aber dann doch nicht erledigt hatte. Und so wurde die Liste immer länger und mein Ärger immer größer.

Auch habe ich mir nun so eine Geschichte zu Herzen genommen – eine Art Gleichnis darüber, wie man sich am besten organisert: Wenn man erst große Steine, dann kleine Steine, dann Kies und dann Sand in einen Behälter tut, passt immer noch was rein – Wasser. Aber die großen Steine passen nur deshalb rein, weil man sie zu erst rein tut. Der Behälter ist die eigene Zeit, die großen Steine aber stehen für die großen Dinge im Leben, die nur zuerst reinpassen – nicht aber zuletzt, wenn man schon Sand und Kies eingefüllt hat.

Als Student habe ich mich zu Anfang so entwurzelt und orientierungslos gefühlt. Auch jetzt verdamme ich manchmal die Stadt, die mir dann wie ein Meer vorkommt – viel zu groß, um darin Halt zu finden, groß genug aber, um darin unterzugehen. Ob andere besser Schwimmen gelernt haben? Ob sie gar nicht sehen, dass das Meer so groß ist? Oder schwimmen sie vielleicht gar nicht, sondern surfen, segeln, rudern oder fliegen sie darüber? Das Segeln auf diesem Meer stelle ich mir am schönsten vor.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Mar 16, 2010
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Mar 16, 2010

Geschichte und Philosophie

Umsonstladen — so geht's auch

Ich komme gerade vom Umsonstladen zurück. Nicht weit von mir in einem noch recht heruntergekommenen Viertel Leipzigs gibt es in einer alten Fabrik einen Umsonstladen. Man geht dort nicht umsonst hin, aber man kann alles dort kostenlos mitnehmen und auch Sachen, die man selber nicht mehr braucht, abliefern. Ein Hemd, das mir zu groß ist, einen kleinen Taschenrechner und eine Armbanduhr habe ich dorthin gebracht. Ein gutes Gefühl, sich von ungebrauchtem Besitz zu trennen.

Natürlich habe ich die Gelegenheit genutzt, in dem Laden ein wenig zu stöbern. Viele alte Bücher aus den 70er- und 80er-Jahren findet man dort. Auch Porzellan „Made in GDR“ (German Democratic Republic) sowie völlig veraltetes Computerzubehör und Elektronik. Kleider auch, das bessere Zeugs, bleibt natürlich nicht lange in dem Laden. Aber dafür ist er ja auch da, dass Leute, die etwas nicht mehr brauchen, es anderen geben können, die es gebrauchen können – zurück in den Kreislauf!

Hier wird Art. 14 Absatz 2 im Grundgesetz „Eigentum verpflichtet“ zum Motto: Das Ideal, Ressourcen schonend Ungebrauchtes, aber Funktionierendes weiterzugeben an jene, die etwas damit anfangen können. Was macht ein Buch im Regal, nachdem es gelesen wurde? Ja es schmückt, und manche Bücher liest man auch noch einmal, aber wie viele Bücher verstauben nur im Regal?! Und hier in Leipzig, aber sicher auch in anderen Städten, gibt es Leute, die so etwas wirklich gebrauchen können.

Und weil meine Mitbewohner meinten, es fehle uns an kleinen Tellern, habe ich dort gleich ein paar mitgenommen – mit alten Blumenmotiven, wie sie heute keiner mehr kaufen würde, aber uns Studenten ist das ja egal. Auch zwei Bücher habe ich mir mitgenommen: eines ganz schräg – über Urin als Medizin – dann auch ein lustiges Taschenbuch mit Geschichten von Dagobert Duck, dass ich mal wieder was zum lachen habe. Nächstes Mal bringe ich sicher auch ein paar Bücher dorthin.

Umsonstläden gibt es, wie ich festgestellt habe, auch in einigen anderen Städten. Schaut mal nach!

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Mar 10, 2010
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Rubrik: studium
Mar 10, 2010