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Geschichte und Philosophie

Ungesunde Uni

Autor:

Rubrik:
studium

28.04.2010

Wie viel Zeit ich in geschlossenen Räumen verbringe! Bibliothek, Seminarräume, Vorlesungssäle, Mensa, Café, Supermarkt, Küche, Schlafzimmer … Ruhig, windstill und „unterbelichtet“ müssen die Räume sein. Damit man sich konzentrieren kann, so dass die Blätter nicht weggeweht werden und, dass ich alles auf dem Bildschirm meines Laptop lesen kann.

Wenigstens schlafen könnte man doch draußen … Aber auch das scheitert nicht nur daran, dass ich zu spät ins Bett gehe und dann nicht von der inzwischen früh aufgehenden Sonne geweckt werden will.

Deswegen ist es immer ein Hochgenuss, an einem frühen Morgen mit dem Fahrrad durch die nachtfrische Luft zu strampeln. Ich freue mich sogar und genieße es, wenn es mal regnet und ich nicht mit Jacke und Schirm ausgerüstet bin, also nicht wetterfest und „wetterignorant“ sein kann, sondern einfach patschenass werde.

Heute Morgen wollte ich nicht auf den Zufall warten und bin spontan, bevor ich mich zur Uni aufmachte, mit dem Rad zum See gefahren. Zwanzig Minuten hin, zwanzig Minuten am See und zwanzig Minuten zurück, hätte ich mir diese knappe Zeiteinteilung vorgenommen, der Genuss wäre nicht halb so groß gewesen.

Doch was ein Kontrast, wenn ich in einen der vielen Kopierläden um die Uni herum gehe! Was für eine stickige Luft darin! Und nicht nur stickig sondern auch höchst ungesund. Der Lasertoner ist krebserregend und die Ausdünstungen der im Campus neu verlegten Teppiche sind sicher auch nicht besonders zuträglich.

Ein Kommilitone meinte gestern zu mir, er trinke soviel Kaffee, weil mit den anderen mithalten möchte, also er meint, dass er nicht auf den „Wettbewerbsvorteil“ durch Kaffee verzichten zu können. Wir passen uns dem vorgegebenen Stundenplan an, indem wir vorher einen Kaffee trinken und nachher eine Zigarette rauchen – aufputschen und dann beruhigen, aufputschen und wieder beruhigen. Und um dann den ganzen Stress des Tages zu vergessen, schaue ich mir am späten Abend einen Film an und trinke ein Bier oder einen Wein, dann habe ich meinen Körper besiegt, ihm wieder mein Diktat aufgedrückt und er nicht mir seines. Ich kann also wie ein Stein ins Bett fallen und von meinem Wecker zurück in die Wirklichkeit, zurück in den Terror, geholt werden.

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