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Geschichte und Philosophie

Ungesunde Uni

Wie viel Zeit ich in geschlossenen Räumen verbringe! Bibliothek, Seminarräume, Vorlesungssäle, Mensa, Café, Supermarkt, Küche, Schlafzimmer … Ruhig, windstill und „unterbelichtet“ müssen die Räume sein. Damit man sich konzentrieren kann, so dass die Blätter nicht weggeweht werden und, dass ich alles auf dem Bildschirm meines Laptop lesen kann.

Wenigstens schlafen könnte man doch draußen … Aber auch das scheitert nicht nur daran, dass ich zu spät ins Bett gehe und dann nicht von der inzwischen früh aufgehenden Sonne geweckt werden will.

Deswegen ist es immer ein Hochgenuss, an einem frühen Morgen mit dem Fahrrad durch die nachtfrische Luft zu strampeln. Ich freue mich sogar und genieße es, wenn es mal regnet und ich nicht mit Jacke und Schirm ausgerüstet bin, also nicht wetterfest und „wetterignorant“ sein kann, sondern einfach patschenass werde.

Heute Morgen wollte ich nicht auf den Zufall warten und bin spontan, bevor ich mich zur Uni aufmachte, mit dem Rad zum See gefahren. Zwanzig Minuten hin, zwanzig Minuten am See und zwanzig Minuten zurück, hätte ich mir diese knappe Zeiteinteilung vorgenommen, der Genuss wäre nicht halb so groß gewesen.

Doch was ein Kontrast, wenn ich in einen der vielen Kopierläden um die Uni herum gehe! Was für eine stickige Luft darin! Und nicht nur stickig sondern auch höchst ungesund. Der Lasertoner ist krebserregend und die Ausdünstungen der im Campus neu verlegten Teppiche sind sicher auch nicht besonders zuträglich.

Ein Kommilitone meinte gestern zu mir, er trinke soviel Kaffee, weil mit den anderen mithalten möchte, also er meint, dass er nicht auf den „Wettbewerbsvorteil“ durch Kaffee verzichten zu können. Wir passen uns dem vorgegebenen Stundenplan an, indem wir vorher einen Kaffee trinken und nachher eine Zigarette rauchen – aufputschen und dann beruhigen, aufputschen und wieder beruhigen. Und um dann den ganzen Stress des Tages zu vergessen, schaue ich mir am späten Abend einen Film an und trinke ein Bier oder einen Wein, dann habe ich meinen Körper besiegt, ihm wieder mein Diktat aufgedrückt und er nicht mir seines. Ich kann also wie ein Stein ins Bett fallen und von meinem Wecker zurück in die Wirklichkeit, zurück in den Terror, geholt werden.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 28, 2010
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Apr 28, 2010

Geschichte und Philosophie

Hiwi — Student und Angestellter der Uni

Ich war sehr gespannt, als ich mich gestern zur Uni aufmachte – nicht zu einer Vorlesung oder zu einem Seminar, nein, um meine Stelle als Hiwi, als studentische Hilfskraft, anzutreten. Seit diesem Sommersemester bin ich nun Angestellter der Uni Leipzig, bei meinem Prof am Historischen Seminar. Beim Sekretariat bekam ich einen „Simsalabim“, einen Türöffner, der die Form einer kleinen Muschel hat. Mit dem komme ich in das geisteswissenschaftliche Zentrum, in verschiedene Büros und Seminarräume. Hüten wie meinen Augapfel soll ich diesen Sesam-öffne-dich.

Drei Kollegen habe ich hier, die wie ich Hiwi bei meinem Prof sind. Einen für jeden Arbeitstag meines Professors. Wir teilen uns ein Büro – ich bin der Jüngste und auch der erste, der auf Bachelor studiert. Somit hat das Ganze nicht nur für mich, sondern auch für meinen Prof etwas Neues. Unser Prof hat hohe Erwartungen an uns. Die anderen haben ihn sicher schon von sich überzeugen können und genießen sein Vertrauen. Da ich meine Hausarbeit eine Woche später abgegeben habe, als eigentlich zunächst festgelegt war, war natürlich nicht gerade der beste Einstand.  Trotzdem freue ich mich sehr und hoffe, nicht in allzu viele Fettnäpfchen zu treten. Nun bin ich sehr gespannt auf die nächsten Wochen und Monate, in denen ich die Uni von der anderen Seite kennen lernen werde!

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 14, 2010
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Rubrik: studium
Apr 14, 2010

Geschichte und Philosophie

Hausarbeit und Unmensch

Schrecklich, diese Blicke meines Dozenten, als ich ihm erzählte, dass ich mit der Hausarbeit nicht bis zum 31. März fertig werden würde. Als ob dadurch eine Welt zusammen bräche. Das war für ihn vielleicht auch der Fall. Hatte er anscheinend gedacht, dass ich in den zwei Monaten seit Vorlesungsende nichts anderes zu tun hätte, als die eine Hausarbeit zu schreiben. Nein, ganz so schlimm ist es sicherlich nicht. Aber seine harten Worte, was ich ihm für eine Hiobsbotschaft brächte und dass mir das bei einer Bewerbung das Genick bräche, verletzten mich.

Nun, am Dienstag nach Ostern solle ich ihm etwas abliefern. Ich hatte also nach dem Gespräch am Gründonnerstag noch den Nachmittag, um mir Literatur zusammen zu suchen und dann von Karfreitag bis Ostermontag Zeit, um eine Hausarbeit zu verfassen. Ich bin trotzdem zu meinen Eltern gefahren, eben mit zwei Beuteln voller Bücher. Von Ostern und dem Wetter habe ich die Tage nicht viel mitbekommen. Das Lernen und Lesen hat mir Freude bereitet – immer dann, wenn ich das Ticken der Uhr vergaß und den rinnenden Sand nicht sah.

Heute wollte ich mich eigentlich mit einem Freund zum Mittagessen in der Mensa treffen, aber mir war von dem enormen Druck, den ich heute empfand, so warm, dass ich unmöglich etwas hätte essen können. Ich musste ihm absagen. So steckte ich gestern früh schon bei der Zugfahrt die Nase in die Bücher und ackerte bis drei Uhr nachts – natürlich war ich dann schon längst wieder zuhause in Leipzig angekommen. Dann schlief ich sechs Stunden und arbeitete heute von elf bis 17 Uhr durchgehend im Foyer der Bibliothek daran, diese Arbeit abzuschließen. Dann musste sie noch gedruckt werden, gebunden und meinem Dozenten – ich war ganz überrascht, ihn persönlich anzutreffen – in die Hand gedrückt werden.

Morgen gehe ich die tausend Dinge an, die ich die letzten Tage komplett ausgeblendet habe. Insgesamt beeindruckt es mich sehr, was man da in ein paar Tagen zusammen schustern kann und wie sehr ich vieles verdrängte und vergaß. Ich vermied es, die Leute um mich herum anzuschauen, hatte ich doch tausend Gedanken im Kopf, die ich nicht verlieren wollte. Immer wieder musste ich in die Ferne starren. Bloß nichts betrachten oder auf etwas konzentrieren – außer auf meine Gedanken. Auch half es mir, abends ein Bier zu trinken, um mich zu beruhigen. Das gleiche habe ich vorhin getan. Deshalb gehe ich auch gleich schlafen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 8, 2010
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Apr 8, 2010