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Geschichte und Philosophie

Einen griechischen Götterhimmel erschaffen

Geschichte ist ein wunderbares Studium. Das merke ich so richtig nach fast zwei Jahren. Denn Geschichte ist nicht eine Zahl von Ereignissen, sondern eine Zahl von Menschen. Eine Chronologie – das sagt mir wenig. Aber sich eine Epoche, das verworrene, verrückte, schöne und faszinierende Leben eines Menschen zu erschließen – das macht Freude. Geschichte, das sind für mich nicht Ereignisse, wie die Landung auf dem Mond und die Wahl eines Präsidenten oder eine gewonnene Schlacht. Das macht noch alles wenig Sinn. Erst zu erfahren, wie ein einzelner oder eine Gruppe von Menschen darin verwickelt war, ihre Gedanken zu diesem und jenem Geschehen, was sie fühlten … das macht das ganze spannend.

Ich bin ein Mensch, wir sind Menschen und es fasziniert mich, zu erfahren, wie andere Menschen in der Vergangenheit gelebt haben. Auf den Spuren eines Menschen. Meine letzte größere Arbeit war zu Jean-Paul Sartre. Viele seiner Briefe und persönlichen Aufzeichnungen sind erhalten geblieben. Dort erhält man einen Einblick in das ganz persönliche Ringen mit sich selbst – Höhen und Tiefen. Geschichte nicht als Chronologie oder Kausalkette, sondern als Epos – Helden und Antipoden, Vorbilder im Guten wie im Schlechten. Sich besinnen auf die geistigen und gesellschaftlichen Ahnen.

Eine Art Götterhimmel erschaffen – nicht reine, makellose Götter, sondern eine Art griechischer Götter mit all ihren menschlichen Eigenschaften, ihren Konflikten und ihr Suchen nach Lösungen, ihr Leid und ihre Freude. Sonst macht Geschichte doch keinen Sinn – wenn wir als Menschen Geschichte losgelöst von Menschen betrachteten! Es gibt so viele Künstler, Schriftsteller, Musiker, deren Werke ich bewundere oder auch verabscheue. Sie alle als ganze Menschen aufzufassen und kennen zu lernen, wird mir sicher eine Freude sein!

 

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 1, 2010
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Rubrik: studium
Jun 1, 2010

Geschichte und Philosophie

Mehr Schein als Sein

Bilder über Bilder …Nicht nur zum Angucken, zum angeguckt werden, zum Warten. Nein, so brav sind sie nicht. Bilder können auch schreien und brüllen, schmerzen und einschüchtern. Aber sie können auch vorgaukeln, täuschen, lügen.

Hier an der Uni Leipzig umgeben mich auch Bilder. Sehen ist wie eine Kamera mit Dauerauslöser. Nur, wenn ich die Augen schließe, strömen fast keine Bilder mehr auf mich ein. Wie hell oder dunkel es ist, nehme ich auch durch die Netzhaut wahr. Und dann kommen natürlich auch die inneren Bilder – Kopfkino.

Universitäten werben um Studenten, um Professoren, Forscher, um Geist und geistiges Potential. Man zeigt sich von seiner besten Seite. Fotos von prächtigen Hörsälen, historischen Gebäuden und modernen Bibliotheken. Amerikanische Unis werben auch gerne mit Fotos fröhlicher Studenten. Hier in Deutschland ist das noch selten. Die Uni Leipzig präsentiert sich gerne mit der erst vor wenigen Jahren aus Ruinen auferstandenen Bibliothek Albertina und mit dem gerade entstehenden Neubau in der Innenstadt.

Aber trotz der dicken Marmorsäulen und der schönen Holzvertäfelung sind die Buchbestände zum Teil erbärmlich. Viele alte, vergilbte Billigdrucke als man noch Karl-Marx-Universität hieß. Dann auch die ein oder andere Spende anderer Bibliotheken oder was andere westdeutsche Unibibliotheken so aussortiert haben. Das ist alles nicht ganz so tragisch, weil man ja auch in der Deutschen Nationalbibliothek an sehr viele Bücher kommt – an alles, was in Deutschland oder über Deutschland gedruckt wird – aber natürlich sehr wenig aus anderen Ländern. Die Universitätsbibliothek kommt natürlich nicht umhin, auch englischsprachige Literatur zu erwerben, aber in Französisch sieht es zum Beispiel ganz schön mau aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, zu schauen, wie gut eine Uni in ihrem Fachbereich aufgestellt ist – nicht nur die Professuren, auch die Bibliotheken. Das ist mir jetzt sonnenklar, aber als ich noch nicht Student war und mich auf der Suche nach einer Uni befand, eben nicht …

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 10, 2010
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Rubrik: studium
May 10, 2010

Geschichte und Philosophie

Als ob die ganze Stadt im Dönerfieber läge

Bärlauch

Als ich nach diesem warmen Tag abends mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wehte er mir schon von weitem entgegen – ein unheimlicher Knoblauchgeruch. Ich hatte zuvor schon Hunger gehabt, und nun lief mir das Wasser erst recht im Mund zusammen. Aber als ich dann in den Wald einbog, war ich doch baff – welch ein Geruch! Obwohl keine Dönerbude in der Nähe sein konnte.

Der Bärlauch – dieses himmlische und teuflische Zeug. Wie eine Pest hat es sich in den letzten Jahren im Grünen Gürtel von Leipzig ausgebreitet und fast alles andere an kleinem Grünzeug zwischen den Bäumen verdrängt. Als er vor ein paar Wochen zu sprießen begann, amüsierte ich mich daran und pflückte auch ein paar Blätter. Ich fügte sie Soßen, Salaten und Pfannekuchen bei. Bei den ersten Frühlingsspaziergängen sah ich noch einige Leute, die sich ein paar Blätter pflückten und immer wieder hörte ich Leute darüber reden: Jaja, der Bärlauch…“ Und Kinder fragten ihre Eltern: „Ist das der Bärlauch?!“ Oder zwei ältere Leute: „Nee, das ist kein Bärlauch…“

Doch jetzt ist er schon richtig ausgewachsen, die Blätter sind ganz „lauchig“ und in den nächsten Monaten kann es nur noch schlimmer werden. Nach jedem warmen Tag wird es hier riechen, als ob eine ganze Fabrik gerade Tsatsiki oder Knoblauchbaguette herstellen würde oder als ob jeder Student einen Döner mit extra viel Knoblauch gegessen hätte. Die Leipziger hören sich schon Vorträge darüber an, wie der Bärlauch wohl in den letzten Jahren hier zur Epedemie geworden ist. Ob ich in nächster Zeit einfach täglich Bärlauch essen sollte – dann rieche ich vielleicht keinen Unterschied mehr und irgendwann bin ich dann immun. Ach was, ich freue mich so sehr, dass endlich Frühling ist und die Sonne scheint und mich wärmt.

Foto: privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 3, 2010
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Rubrik: studium
May 3, 2010