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Geschichte und Philosophie

Mehr Schein als Sein

Bilder über Bilder …Nicht nur zum Angucken, zum angeguckt werden, zum Warten. Nein, so brav sind sie nicht. Bilder können auch schreien und brüllen, schmerzen und einschüchtern. Aber sie können auch vorgaukeln, täuschen, lügen.

Hier an der Uni Leipzig umgeben mich auch Bilder. Sehen ist wie eine Kamera mit Dauerauslöser. Nur, wenn ich die Augen schließe, strömen fast keine Bilder mehr auf mich ein. Wie hell oder dunkel es ist, nehme ich auch durch die Netzhaut wahr. Und dann kommen natürlich auch die inneren Bilder – Kopfkino.

Universitäten werben um Studenten, um Professoren, Forscher, um Geist und geistiges Potential. Man zeigt sich von seiner besten Seite. Fotos von prächtigen Hörsälen, historischen Gebäuden und modernen Bibliotheken. Amerikanische Unis werben auch gerne mit Fotos fröhlicher Studenten. Hier in Deutschland ist das noch selten. Die Uni Leipzig präsentiert sich gerne mit der erst vor wenigen Jahren aus Ruinen auferstandenen Bibliothek Albertina und mit dem gerade entstehenden Neubau in der Innenstadt.

Aber trotz der dicken Marmorsäulen und der schönen Holzvertäfelung sind die Buchbestände zum Teil erbärmlich. Viele alte, vergilbte Billigdrucke als man noch Karl-Marx-Universität hieß. Dann auch die ein oder andere Spende anderer Bibliotheken oder was andere westdeutsche Unibibliotheken so aussortiert haben. Das ist alles nicht ganz so tragisch, weil man ja auch in der Deutschen Nationalbibliothek an sehr viele Bücher kommt – an alles, was in Deutschland oder über Deutschland gedruckt wird – aber natürlich sehr wenig aus anderen Ländern. Die Universitätsbibliothek kommt natürlich nicht umhin, auch englischsprachige Literatur zu erwerben, aber in Französisch sieht es zum Beispiel ganz schön mau aus. Es lohnt sich auf jeden Fall, zu schauen, wie gut eine Uni in ihrem Fachbereich aufgestellt ist – nicht nur die Professuren, auch die Bibliotheken. Das ist mir jetzt sonnenklar, aber als ich noch nicht Student war und mich auf der Suche nach einer Uni befand, eben nicht …

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 10, 2010
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Rubrik: studium
May 10, 2010

Geschichte und Philosophie

Als ob die ganze Stadt im Dönerfieber läge

Bärlauch

Als ich nach diesem warmen Tag abends mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wehte er mir schon von weitem entgegen – ein unheimlicher Knoblauchgeruch. Ich hatte zuvor schon Hunger gehabt, und nun lief mir das Wasser erst recht im Mund zusammen. Aber als ich dann in den Wald einbog, war ich doch baff – welch ein Geruch! Obwohl keine Dönerbude in der Nähe sein konnte.

Der Bärlauch – dieses himmlische und teuflische Zeug. Wie eine Pest hat es sich in den letzten Jahren im Grünen Gürtel von Leipzig ausgebreitet und fast alles andere an kleinem Grünzeug zwischen den Bäumen verdrängt. Als er vor ein paar Wochen zu sprießen begann, amüsierte ich mich daran und pflückte auch ein paar Blätter. Ich fügte sie Soßen, Salaten und Pfannekuchen bei. Bei den ersten Frühlingsspaziergängen sah ich noch einige Leute, die sich ein paar Blätter pflückten und immer wieder hörte ich Leute darüber reden: Jaja, der Bärlauch…“ Und Kinder fragten ihre Eltern: „Ist das der Bärlauch?!“ Oder zwei ältere Leute: „Nee, das ist kein Bärlauch…“

Doch jetzt ist er schon richtig ausgewachsen, die Blätter sind ganz „lauchig“ und in den nächsten Monaten kann es nur noch schlimmer werden. Nach jedem warmen Tag wird es hier riechen, als ob eine ganze Fabrik gerade Tsatsiki oder Knoblauchbaguette herstellen würde oder als ob jeder Student einen Döner mit extra viel Knoblauch gegessen hätte. Die Leipziger hören sich schon Vorträge darüber an, wie der Bärlauch wohl in den letzten Jahren hier zur Epedemie geworden ist. Ob ich in nächster Zeit einfach täglich Bärlauch essen sollte – dann rieche ich vielleicht keinen Unterschied mehr und irgendwann bin ich dann immun. Ach was, ich freue mich so sehr, dass endlich Frühling ist und die Sonne scheint und mich wärmt.

Foto: privat

Autor:   |  Rubrik: studium  |  May 3, 2010
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May 3, 2010

Geschichte und Philosophie

Ungesunde Uni

Wie viel Zeit ich in geschlossenen Räumen verbringe! Bibliothek, Seminarräume, Vorlesungssäle, Mensa, Café, Supermarkt, Küche, Schlafzimmer … Ruhig, windstill und „unterbelichtet“ müssen die Räume sein. Damit man sich konzentrieren kann, so dass die Blätter nicht weggeweht werden und, dass ich alles auf dem Bildschirm meines Laptop lesen kann.

Wenigstens schlafen könnte man doch draußen … Aber auch das scheitert nicht nur daran, dass ich zu spät ins Bett gehe und dann nicht von der inzwischen früh aufgehenden Sonne geweckt werden will.

Deswegen ist es immer ein Hochgenuss, an einem frühen Morgen mit dem Fahrrad durch die nachtfrische Luft zu strampeln. Ich freue mich sogar und genieße es, wenn es mal regnet und ich nicht mit Jacke und Schirm ausgerüstet bin, also nicht wetterfest und „wetterignorant“ sein kann, sondern einfach patschenass werde.

Heute Morgen wollte ich nicht auf den Zufall warten und bin spontan, bevor ich mich zur Uni aufmachte, mit dem Rad zum See gefahren. Zwanzig Minuten hin, zwanzig Minuten am See und zwanzig Minuten zurück, hätte ich mir diese knappe Zeiteinteilung vorgenommen, der Genuss wäre nicht halb so groß gewesen.

Doch was ein Kontrast, wenn ich in einen der vielen Kopierläden um die Uni herum gehe! Was für eine stickige Luft darin! Und nicht nur stickig sondern auch höchst ungesund. Der Lasertoner ist krebserregend und die Ausdünstungen der im Campus neu verlegten Teppiche sind sicher auch nicht besonders zuträglich.

Ein Kommilitone meinte gestern zu mir, er trinke soviel Kaffee, weil mit den anderen mithalten möchte, also er meint, dass er nicht auf den „Wettbewerbsvorteil“ durch Kaffee verzichten zu können. Wir passen uns dem vorgegebenen Stundenplan an, indem wir vorher einen Kaffee trinken und nachher eine Zigarette rauchen – aufputschen und dann beruhigen, aufputschen und wieder beruhigen. Und um dann den ganzen Stress des Tages zu vergessen, schaue ich mir am späten Abend einen Film an und trinke ein Bier oder einen Wein, dann habe ich meinen Körper besiegt, ihm wieder mein Diktat aufgedrückt und er nicht mir seines. Ich kann also wie ein Stein ins Bett fallen und von meinem Wecker zurück in die Wirklichkeit, zurück in den Terror, geholt werden.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 28, 2010
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Rubrik: studium
Apr 28, 2010