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Geschichte und Philosophie

Als ob die ganze Stadt im Dönerfieber läge

Autor:

Rubrik:
studium

03.05.2010

Als ich nach diesem warmen Tag abends mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wehte er mir schon von weitem entgegen – ein unheimlicher Knoblauchgeruch. Ich hatte zuvor schon Hunger gehabt, und nun lief mir das Wasser erst recht im Mund zusammen. Aber als ich dann in den Wald einbog, war ich doch baff – welch ein Geruch! Obwohl keine Dönerbude in der Nähe sein konnte.

Der Bärlauch – dieses himmlische und teuflische Zeug. Wie eine Pest hat es sich in den letzten Jahren im Grünen Gürtel von Leipzig ausgebreitet und fast alles andere an kleinem Grünzeug zwischen den Bäumen verdrängt. Als er vor ein paar Wochen zu sprießen begann, amüsierte ich mich daran und pflückte auch ein paar Blätter. Ich fügte sie Soßen, Salaten und Pfannekuchen bei. Bei den ersten Frühlingsspaziergängen sah ich noch einige Leute, die sich ein paar Blätter pflückten und immer wieder hörte ich Leute darüber reden: Jaja, der Bärlauch…“ Und Kinder fragten ihre Eltern: „Ist das der Bärlauch?!“ Oder zwei ältere Leute: „Nee, das ist kein Bärlauch…“

Doch jetzt ist er schon richtig ausgewachsen, die Blätter sind ganz „lauchig“ und in den nächsten Monaten kann es nur noch schlimmer werden. Nach jedem warmen Tag wird es hier riechen, als ob eine ganze Fabrik gerade Tsatsiki oder Knoblauchbaguette herstellen würde oder als ob jeder Student einen Döner mit extra viel Knoblauch gegessen hätte. Die Leipziger hören sich schon Vorträge darüber an, wie der Bärlauch wohl in den letzten Jahren hier zur Epedemie geworden ist. Ob ich in nächster Zeit einfach täglich Bärlauch essen sollte – dann rieche ich vielleicht keinen Unterschied mehr und irgendwann bin ich dann immun. Ach was, ich freue mich so sehr, dass endlich Frühling ist und die Sonne scheint und mich wärmt.

Foto: privat

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