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Geschichte und Philosophie

Russisch lernen und eine riesige Kultur erschließen

Ich lerne gerade für Russisch – in vier Tagen ist die Prüfung. Einen Monolog und einen Dialog von je fünf bis zehn Minuten werde ich halten. Das scheint mir eine gute Form der Prüfung einer Fremdsprache – nicht schriftlich, sondern mündlich – kommt es doch aufs Sprechen an. Dazu lerne ich als Übung mit Hilfe von Vokabelkarten kleine Sätze auswendig, wie: „Na ulitze stoit malenki maltzik i platschet“ – „Auf der Straße steht ein kleiner Junge und weint“ oder „Ia wsjegda radujus soltzu, wetru i swabodje“ ­– „Ich freue mich immer auf die Sonne, den Wind und die Freiheit“.

Jeder hat sein System – wichtig ist nur, dass man sich einen kleinen Hort aufbaut, eine kleine Schatzkammer, in die man seine Erkenntnisse hineinsteckt und aus der man sie, ohne lange zu suchen, auch wieder hervorholen kann. Russisch scheint mir so schwer zu erlernen sein wie Latein, nur dass man zu Beginn auch noch die kyrillische Schrift lernen muss.

Einige Russen haben den Kurs besucht – vielleicht haben sie dadurch noch ein wenig Grammatik gelernt, ansonsten ein Heimspiel, bei dem sie für ihren Bachelor ein paar Punkte sammeln konnten. Von Null an, so wie ich, wird ab dem nächsten Semester an der Uni Leipzig keiner Russisch studieren. Ein gewisses Sprachniveau wird dann in der Slawistik schon vorausgesetzt werden. So wie ich als Geschichts- und Philosophiestudent mal nebenbei Russisch belegen, wird dann nicht mehr möglich sein. Mir hat es gefallen, noch innerhalb des Studiums eine Sprache lernen zu dürfen, ja zu sollen. Im Studium der Geschichte ist es vorgesehen, zwei Sprachmodule zu belegen. Die meisten holen dann das Latinum nach, andere bessern ihr Französisch oder Englisch auf, aber das hatte ich jedoch schon in der Schule. Gipfeln soll mein sprachlicher und kultureller Ausflug in einer Reise in die östliche Ukraine, wo man auch Russisch spricht.  

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 16, 2010
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Rubrik: studium
Jul 16, 2010

Studentenleben live

Der letzte Tag im Semester

Die Vorlesungszeit ist vorbei. Als ich heute Morgen mit dem Fahrrad zur Uni fuhr und durch den Park kam, war es noch ein wenig kühl. Kurz darauf am Campus schon gar nicht mehr. Ich überlege immer, wo ich denn mein Fahrrad abstellen soll – in der Fahrradgarage oder irgendwo vor der Uni. Über tausend Räder sind es, die an einem normalen Unitag in und um den Campus stehen. Diesmal entschied ich mich für die Garage, wahrscheinlich weil ich mit ihr eine angenehme Kühle verband.

Dann die letzte Vorlesung bei meinem Prof zu der Frage: Wann beginnt die Neuzeit? Eine letzte Veranstaltung, Seminar oder Vorlesung sollte ein Resümee ziehen – das hat er ansatzweise auch getan. Auf einer Skala von 1 bis 6, wie in der Schule, erhält er von mir die Note 2,7. Nicht schlechter, weil er einen ordentlichen Redefluss hat, weil er ab und an auch lustig ist und natürlich, weil er recht überzeugende Argumente aus sehr vielen verschiedenen Bereichen der Geschichte anführte. Nicht besser jedoch, weil die Rede doch stringenter hätte sein können und weil er seine Worte mehr hätte illustrieren können – richtig gestört hat mich jedoch, dass er die Kontroversen in der Geschichtswissenschaft außen vor gelassen hat.

Zum Mittagessen in der Mensa traf ich mich mit meiner Russischdozentin Tanja vom letzten Semester. Nicht nur an der Uni unterrichtet sie – das würde wahrscheinlich vorne und hinten nicht langen – ebenso gibt sie privat und in Unternehmen Unterricht. Danach hatte auch ich meine letzte Russischveranstaltung – wahrscheinlich für immer. Nächste Woche ist die Prüfung und dann lerne ich nur noch in der Praxis im Land.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 13, 2010
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Jul 13, 2010

Geschichte und Philosophie

WG-Rauswurf

Meine beiden Mitbewohnerinnen wollen mich rausschmeißen. Sie können mich nicht mehr ertragen. Vor einem Jahr, als ich auf WG-Suche war, hatten sie mir noch eine „Liebe“ auf den ersten Blick gestanden und kaum, dass ich ihnen einen ersten Kennenlernbesuch abgestattet hatte, mir in einer Kurznachricht auf dem Handy mitgeteilt, ich sei als ihr neuer Mitbewohner herzlich willkommen. Aber für sie habe ich mich inzwischen als ein anderer entpuppt, den sie damals kennen gelernt haben.

Gestern Abend kam es zum Showdown: Sie hatten mich gebeten, am Abend da zu sein. In einem Gespräch bei feinem grünem Tee hörte ich, dass es zu einer unhaltbaren Situation gekommen sei. Und dann zählten sie alles auf, was sie so stört – dass ich im Flur zwei Bilder von E.L. Kirchner aus einem Kalender aufgehängt habe, ohne sie zu fragen, dass ich meinen heißen Tee am Morgen geräuschvoll schlürfe, dass ich mein im Zimmer gebautes Mountainbike einmal gegen die Garderobe im Flur gelehnt habe, dass ich einen Ratatouilletopf mit dem Finger säuberte und ähnliche Trivialitäten. Ich musste an ein Kabarett denken, in dem es darum ging, dass einer seinen Mitbewohner vor die Tür setzte, weil dieser an einem Morgen die Zahnpasta des anderen benutzt hatte.

In Robert Walsers Geschwister Tanner von 1907 freut sich der junge Protagonist Simon über die Entlassung bei einer großen Schweizer Bank, da sie ihn davor bewahrt, ein kleiner Biedermann zu werden. So sehe ich auch meinen Rauswurf. Die Biederkeit meiner Mitbewohnerinnen war mir schon vorher aufgefallen und zu viele Kompromisse war ich ihretwegen schon eingegangen. Simon sagte schließlich zu dem Bankchef: „Ich bin recht froh, dass es ein Ende hat. Glaubt man vielleicht, dass man mir damit einen Schlag versetzt, dass man meinen Mut knickt, mich vernichtet, oder dergleichen? Im Gegenteil, man erhebt mich, man schmeichelt mir damit, man flößt mir wieder, nach so langer Zeit, einen Tropfen Hoffnung ein…Ich betrage mich mit Vorliebe unter meinen Mitmenschen mit Anstand, bin gern fleißig und gehorche, wo es mein Herz nicht verletzt, mit Leidenschaft. Ich würde mich auch bestimmten Gesetzen unterwerfen, wenn es darauf ankäme, aber es kommt hier seit einiger Zeit nicht mehr darauf an…Ich danke Ihnen, dass Sie die Energie besitzen, mich zu entlassen und bitte Sie, von mir zu denken, wie es Ihnen beliebt.“

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 23, 2010
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Rubrik: studium
Jun 23, 2010