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Studentenleben live

Der letzte Tag im Semester

Die Vorlesungszeit ist vorbei. Als ich heute Morgen mit dem Fahrrad zur Uni fuhr und durch den Park kam, war es noch ein wenig kühl. Kurz darauf am Campus schon gar nicht mehr. Ich überlege immer, wo ich denn mein Fahrrad abstellen soll – in der Fahrradgarage oder irgendwo vor der Uni. Über tausend Räder sind es, die an einem normalen Unitag in und um den Campus stehen. Diesmal entschied ich mich für die Garage, wahrscheinlich weil ich mit ihr eine angenehme Kühle verband.

Dann die letzte Vorlesung bei meinem Prof zu der Frage: Wann beginnt die Neuzeit? Eine letzte Veranstaltung, Seminar oder Vorlesung sollte ein Resümee ziehen – das hat er ansatzweise auch getan. Auf einer Skala von 1 bis 6, wie in der Schule, erhält er von mir die Note 2,7. Nicht schlechter, weil er einen ordentlichen Redefluss hat, weil er ab und an auch lustig ist und natürlich, weil er recht überzeugende Argumente aus sehr vielen verschiedenen Bereichen der Geschichte anführte. Nicht besser jedoch, weil die Rede doch stringenter hätte sein können und weil er seine Worte mehr hätte illustrieren können – richtig gestört hat mich jedoch, dass er die Kontroversen in der Geschichtswissenschaft außen vor gelassen hat.

Zum Mittagessen in der Mensa traf ich mich mit meiner Russischdozentin Tanja vom letzten Semester. Nicht nur an der Uni unterrichtet sie – das würde wahrscheinlich vorne und hinten nicht langen – ebenso gibt sie privat und in Unternehmen Unterricht. Danach hatte auch ich meine letzte Russischveranstaltung – wahrscheinlich für immer. Nächste Woche ist die Prüfung und dann lerne ich nur noch in der Praxis im Land.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jul 13, 2010
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Rubrik: studium
Jul 13, 2010

Geschichte und Philosophie

WG-Rauswurf

Meine beiden Mitbewohnerinnen wollen mich rausschmeißen. Sie können mich nicht mehr ertragen. Vor einem Jahr, als ich auf WG-Suche war, hatten sie mir noch eine „Liebe“ auf den ersten Blick gestanden und kaum, dass ich ihnen einen ersten Kennenlernbesuch abgestattet hatte, mir in einer Kurznachricht auf dem Handy mitgeteilt, ich sei als ihr neuer Mitbewohner herzlich willkommen. Aber für sie habe ich mich inzwischen als ein anderer entpuppt, den sie damals kennen gelernt haben.

Gestern Abend kam es zum Showdown: Sie hatten mich gebeten, am Abend da zu sein. In einem Gespräch bei feinem grünem Tee hörte ich, dass es zu einer unhaltbaren Situation gekommen sei. Und dann zählten sie alles auf, was sie so stört – dass ich im Flur zwei Bilder von E.L. Kirchner aus einem Kalender aufgehängt habe, ohne sie zu fragen, dass ich meinen heißen Tee am Morgen geräuschvoll schlürfe, dass ich mein im Zimmer gebautes Mountainbike einmal gegen die Garderobe im Flur gelehnt habe, dass ich einen Ratatouilletopf mit dem Finger säuberte und ähnliche Trivialitäten. Ich musste an ein Kabarett denken, in dem es darum ging, dass einer seinen Mitbewohner vor die Tür setzte, weil dieser an einem Morgen die Zahnpasta des anderen benutzt hatte.

In Robert Walsers Geschwister Tanner von 1907 freut sich der junge Protagonist Simon über die Entlassung bei einer großen Schweizer Bank, da sie ihn davor bewahrt, ein kleiner Biedermann zu werden. So sehe ich auch meinen Rauswurf. Die Biederkeit meiner Mitbewohnerinnen war mir schon vorher aufgefallen und zu viele Kompromisse war ich ihretwegen schon eingegangen. Simon sagte schließlich zu dem Bankchef: „Ich bin recht froh, dass es ein Ende hat. Glaubt man vielleicht, dass man mir damit einen Schlag versetzt, dass man meinen Mut knickt, mich vernichtet, oder dergleichen? Im Gegenteil, man erhebt mich, man schmeichelt mir damit, man flößt mir wieder, nach so langer Zeit, einen Tropfen Hoffnung ein…Ich betrage mich mit Vorliebe unter meinen Mitmenschen mit Anstand, bin gern fleißig und gehorche, wo es mein Herz nicht verletzt, mit Leidenschaft. Ich würde mich auch bestimmten Gesetzen unterwerfen, wenn es darauf ankäme, aber es kommt hier seit einiger Zeit nicht mehr darauf an…Ich danke Ihnen, dass Sie die Energie besitzen, mich zu entlassen und bitte Sie, von mir zu denken, wie es Ihnen beliebt.“

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 23, 2010
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Rubrik: studium
Jun 23, 2010

Geschichte und Philosophie

Trampen noch möglich

Ja, Trampen ist noch möglich – dieses Wochenende habe ich es wieder festgestellt! Am Freitag startete ich an der Auffahrt Leipzig Süd und fuhr, erst in kleinen, dann in größeren Stücken, in den Taunus. Für ca. 400 Kilometer benötigte ich etwas mehr als fünf Stunden. Mit dem Zug hätte es fast genauso lang gedauert, nur hätte dieser nun so gar nicht in mein studentisches Budget gepasst.

An der Auffahrt hatte es einen Augenblick gedauert, dann gelangte ich von Raststätte zu Raststätte. Am Eingang der Tankstellenläden sprach ich die Leute höflich an: „Verzeihung, fahren Sie in Richtung Erfurt? Entschuldigen Sie bitte, biegen Sie auf die A4 ab?“ Vierzig oder mehr Male stellte ich diese Fragen, aber irgendwann fand sich jemand, der bereit war, einen freundlich fragenden jungen Mann auf seiner Fahrt mitzunehmen. Männer und Frauen, Jüngere und Ältere, Familien, Paare und Geschäftsreisende. Viele reagierten etwas verstört auf meine Frage, manche dachten, ich wolle nur den Weg wissen und sei selber mit dem Auto unterwegs, andere winkten gleich ab oder antworteten, ohne mich aussprechen zu lassen einsilbig: „Nee“, „Nein“, „Weg“, „Eile“, auch die Varianten „keine Zeit!“ und „ja, aber ich reise alleine“, gab es.

Die letzten fünfzig Kilometer führten über eine Landstraße, kleine Städte und Käffer – doch obwohl es schon dämmerte, ja bald richtig dunkel wurde, fanden sich noch zwei Leute, die anhielten, mich mitnahmen und sogar einen kleinen Schlenker zu machen bereit waren, um mich meinem Ziel zu schon später Stunde näher zu bringen. Am Ende hätte ich nur noch zwei Kilometer auf einsamer Straße laufen müssen, doch nach hundert Metern fand sich noch ein netter Mensch, der mich auch das letzte Stück mitnahm und in das Zehn-Seelen-Dorf brachte. „Auf dem Land ist man halt ohne Auto aufgeschmissen“, meinte er zu mir, als ich mich zwar sehr freute, aber auch ein wenig wunderte, dass er, der erste, der vorbeifuhr, gleich angehalten hatte und mich mitnahm. Ein herrliches Gefühl, sich vorzustellen, in diesem Strom von Autos, der kreuz und quer durch und über das ganze Land fährt, mitzureisen.

 

Anm. d. Redaktion: Eine gute Alternative, die ebenfalls den studentischen Geldbeutel schont, sind Mitfahrzentralen, die vor allem auch für Frauen ungefährlicher sind.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 16, 2010
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Rubrik: studium
Jun 16, 2010