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Geschichte und Philosophie

Entwurf eines schönen Studiums

Ich begeistere mich immer wieder für etwas Neues, am liebsten würde ich mich dann von morgens bis abends nur mit einer Sache beschäftigen und am nächsten Morgen genauso daran anknüpfen, mich dann mit Freunden, anderen Begeisterten und gerne auch mit Skeptikern auseinandersetzen. Nach der Lektüre mich mit einem Freund im Café treffen und meine Begeisterung mitteilen. Sie dabei nähren und wachsen lassen, hoffen, dass das Feuer überspringt, dass die Flammen neue, ungewöhnliche und besondere Farben erhalten. Um dann zu schreiben, Gedanken zu formen, zu bannen, Blätter, Stifte und Tastaturen zu bespielen.

Wie gerne würde ich mich manchmal also nur mit einer Sache beschäftigen, wie ein Besessener oder Goldsucher – alle meine Kräfte auf eine Hoffnung, auf eine Karte setzen, in der Konzentration aller Kräfte in eine Sache besonders tief eindringen, besonders eifrig und bedacht schürfen, alle Ströme zusammenballen – tief und tiefer dringen – durchdringen, spüren, wie Gedanken zu Sedimenten des Körpers werden, wie Seele zu Leib wird.

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Aug 26, 2010
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Rubrik: studium
Aug 26, 2010

Geschichte und Philosophie

Bauen, bauen, bauen — herrliche Stadt Leipzig mit (noch) nicht so schöner Uni

Leipzig ist eine herrliche Stadt, im Krieg weniger zerstört als andere vergleichbare Städte wie Frankfurt und Dresden. In der DDR war sie heimliche Hauptstadt mit verfallender architektonischer Pracht. Heute erstrahlt sie dank großzügiger Hilfe, dem Aufbau Ost, in beeindruckendem Glanz. Auch die Universität Leipzig gibt sich große Mühe und baut an allen Ecken und Enden, nicht zuletzt an dem großen Uni-Campus mitten in der Innenstadt.

Dort hatte bis in die fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts ein prächtiger alter Bau gestanden, der der zweitältesten Uni Deutschlands gerecht wurde. Honecker und Co. haben ihn aber sprengen lassen, weil zerstören anscheinend leicht fällt. An dessen Stelle steht jetzt ein hässliches Gebäude der Karl-Marx-Universität mit großem Karl-Marx-Relief.

Das ist nun wieder weg, aber 40 Jahre Dogma und Doktrin haben 600 Jahre Tradition zu einer leeren Hülle werden lassen. Letztes Jahr hat die Uni ihr 600-jähriges Bestehen begangen und damit die großen alten Zeiten gefeiert. In Wirklichkeit ist sie aber nur 20 Jahre alt, da mit der Wende 1989 eine große Zäsur statt fand: Tausende Professoren und Dozenten wurden zum 1. Januar 1990 entlassen und durch solche aus dem Westen ersetzt.

Nun will sich die Uni mit ihrem Baueifer eine schöne Fassade schaffen – so etwas hat ja auch eine gewisse Anziehungskraft. Mit der Zeit wird Leipzig sich sicher noch profilieren können. Was ich hier schreibe, gilt natürlich in besonderem Maße für die Geisteswissenschaften – die Medizin und Naturwissenschaft waren von Dogma und Zensur natürlich nur sehr wenig betroffen. 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Aug 23, 2010
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Rubrik: studium
Aug 23, 2010

Geschichte und Philosophie

Reisevorbereitungen - Ukraine

Ach, was freue ich mich auf diese Reise. So vieles ist ungewiss und ach, was wird das für ein Abenteuer. Aber anders würde es mir auch keine Freude machen. In einer Woche werde ich lostrampen: Von Leipzig über Dresden, durch Polen nach Krakau.

Dort hoffentlich eine Nacht bei einem Couchsurfer (weltweite Organisation, bei der Mitglieder umsonst bei anderen übernachten können) und dann weiter nach L’viv – Lemberg, dann gleich nach Odessa, also erst circa 700 und dann circa 1.000 Kilometer. Gestern habe ich mir eine ADAC Straßenkarte für die Ukraine gekauft und als ich sie einem Freund, der in der DDR aufgewachsen ist, zeigte, war er überrascht, dass ich überhaupt eine Karte bekommen hatte.

Was kommt in meinen Rucksack? Ein Schlafsack, zwei große wasserdichte Bundeswehrponchos, zwei Kälberstricke (kleine Seile), mein Russischlernbuch, eine Blockflöte, zwei Liederbücher, ein paar Kerzen, Klopapier, eine Badehose und ein kleines Handtuch. Dann noch ein Fotoapparat und das Buch „Geschwister Tanner“ von Robert Walser. Auch ein Notizbuch, Füller, Blei- und Zeichenstift. Ein großer Edelstahltrinkbecher und mein Opinel, ein Schweizer Taschenmesser. Ja, und meine Karteikarten ­– die schon beschriebenen und noch einige unbeschriebene sowie mein Vokabelheft. Ein paar Ãðèâíÿ (Grivna – die ukrainische Währung) von einem Freund und für die kurze Zeit in Polen auch ein paar Zloty.

Das ist für mich insgesamt eine Art Ostdebüt. Mit 14 Jahren war ich einmal in Rumänien, aber das zählt nicht. Wie wird man in Polen auf mich reagieren, wie im Westen der Ukraine, wie im Osten, wie auf der Krim? Werde ich ausgeraubt und in Stücken nach Hause geschickt, wie mir manch einer es prophezeit, oder wird man mich herzlich, neugierig, indifferent-geschäftig betrachten? Sprünge ins kalte Wasser tun gut – sie erfrischen, schockieren, wecken auf …

 

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Aug 16, 2010
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Rubrik: studium
Aug 16, 2010