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Geschichte und Philosophie

Bauen, bauen, bauen — herrliche Stadt Leipzig mit (noch) nicht so schöner Uni

Autor:

Rubrik:
studium

23.08.2010

Leipzig ist eine herrliche Stadt, im Krieg weniger zerstört als andere vergleichbare Städte wie Frankfurt und Dresden. In der DDR war sie heimliche Hauptstadt mit verfallender architektonischer Pracht. Heute erstrahlt sie dank großzügiger Hilfe, dem Aufbau Ost, in beeindruckendem Glanz. Auch die Universität Leipzig gibt sich große Mühe und baut an allen Ecken und Enden, nicht zuletzt an dem großen Uni-Campus mitten in der Innenstadt.

Dort hatte bis in die fünfziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts ein prächtiger alter Bau gestanden, der der zweitältesten Uni Deutschlands gerecht wurde. Honecker und Co. haben ihn aber sprengen lassen, weil zerstören anscheinend leicht fällt. An dessen Stelle steht jetzt ein hässliches Gebäude der Karl-Marx-Universität mit großem Karl-Marx-Relief.

Das ist nun wieder weg, aber 40 Jahre Dogma und Doktrin haben 600 Jahre Tradition zu einer leeren Hülle werden lassen. Letztes Jahr hat die Uni ihr 600-jähriges Bestehen begangen und damit die großen alten Zeiten gefeiert. In Wirklichkeit ist sie aber nur 20 Jahre alt, da mit der Wende 1989 eine große Zäsur statt fand: Tausende Professoren und Dozenten wurden zum 1. Januar 1990 entlassen und durch solche aus dem Westen ersetzt.

Nun will sich die Uni mit ihrem Baueifer eine schöne Fassade schaffen – so etwas hat ja auch eine gewisse Anziehungskraft. Mit der Zeit wird Leipzig sich sicher noch profilieren können. Was ich hier schreibe, gilt natürlich in besonderem Maße für die Geisteswissenschaften – die Medizin und Naturwissenschaft waren von Dogma und Zensur natürlich nur sehr wenig betroffen. 

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