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Geschichte und Philosophie

Mein großer Irrtum

Ein ganz fataler Irrglaube hatte mich blind gemacht. Naiv und mich nicht erst groß umschauend, hatte ich gedacht, die größten Wahrheiten fände ich in der Philosophie und bestand eine Weile darauf, sie als Nebenfach zur Geschichte zu betreiben. Geschichte und ansonsten nur Philosophie – nichts anderes. Dabei blieb ich auch, nachdem ich das erste, das zweite und das dritte Modul in der Philosophie belegt hatte, bis mir dann ein Kommilitone von einem interessanten Seminar in den Kulturwissenschaften (KuWi) erzählte. Ich besorgte mir deren kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das neue Semester und staunte nicht schlecht. Die hier angebotenen Seminare klangen in Titel und Beschreibung hundert Mal besser als die der Philosophie.

Ich bewarb mich sogleich auf zwei Module der KuWi, aber keines wurde mir zugeteilt, nur meine Drittwahl, ein Modul in der Philosophie. Als ich das erfuhr, fing ich an, dieses System des „schlauen Algorithmus“ zu verwünschen: Es weiß nämlich genau,  dass ich schon einmal ein Modul in Philosophie belegt habe und glaubt, mir vielleicht einen „Gefallen“ zu tun, indem es mich wieder Seminare in Philosophie, meinem ordentlichen Nebenfach, ermöglicht.

Ich gab aber nicht auf, besuchte zu Beginn des Semesters die Seminare trotzdem, sprach mit den verantwortlichen Professoren und fiel durch kritische Fragen sowie rege Beteiligung auf, sodass die Dozenten sich für meine nachträgliche Aufnahme in einem der Module einsetzten. Hier hat Mensch noch gegen Maschine, beziehungsweise Maschinerie gesiegt. Ach nein, die Maschine ist ja noch da: Sie hat mich zwar nicht besiegt, sie herrscht aber immer noch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Dec 7, 2010
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Dec 7, 2010

Geschichte und Philosophie

Zwei Jahre Studium — ein paar Gedanken und Metaphern

Zwei Jahre studiere ich nun schon hier. Diese Zeit kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ohne all die Texte, Essays und Briefe, die ich in dieser Zeit geschrieben habe, ohne all die Bilder die ich in dieser Zeit gemalt und photographiert habe, ohne die vielen Bücher, die ich in mein Regal gestellt habe, ohne die vielen Wege, die ich seitdem verinnerlicht habe, müsste ich mich wahrscheinlich wiederum für zwei Jahre in ein Kloster begeben, um mich all dessen zu erinnern – oder wie Camus’ Meursault in ein Gefängnis, aber dann doch lieber in ein Kloster.

Für mich ist es immer noch keine Selbstverständlichkeit, noch kein Normalzustand, Zeit so intensiv zu erleben, sowohl in äußerlicher als auch innerlicher Veränderung, Mutation – Metamorphose. Das liegt nicht nur daran, dass ich mich seit einem Jahr vielleicht auch als mehr oder minder erwachsen bezeichne, sondern auch daran, dass ich mich immer wieder k.o., wie ein auf dem Boden liegender Boxer, oder gestrandet, wie ein über Bord gefallener Matrose, fühlte, dass ich erst wieder Gründe wie Holz sammeln musste, um sie auf übrig gebliebene Glut zu legen, um erneut ein Feuer in mir zu entfachen. Das klingt so selbständig und frei, für manche Mal würde sicher das Bild eines Salamanders, der in kaltes Wasser fällt, besser passen. Er bewegt sich immer langsamer, erstarrt dann fast und wird wieder an Land gespült, wo ihn die Sonne mit ihrer Wärme und Energie belebt.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 25, 2010
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Nov 25, 2010

Geschichte und Philosophie

Ein morgendlicher Weg zur Uni

Die Haustür fällt ins Schloss. Vier mal halte ich mich mit der linken Hand am Geländer fest, um in der Drehung mit der Fliehkraft zu spielen. Ich ergreife mein Fahrrad, steige mit dem linken Fuß auf die Pedale, stoße mich mit dem rechten kräftig ab und schwinge mich so schon die ersten Meter rollend auf den Sattel. Der eisige Wind pfeift mir um die Ohren – der Rest ist gut eingepackt.

Auf meinem kurzen Weg auf der Straße komme ich an vier Bäckereien vorbei. Ich selber halte bei dem Obst- und Gemüseladen einer vietnamesischen Familie und kaufe große weiße Trauben, fast ein Kilogramm wiegen sie. Die kleine Frau lächelt mich an, legt die Tüte auf die Waage, schaut gar nicht hinein. Sie kennt mich und weiß, dass ich in den letzten Wochen jeden Morgen das gleiche in meine Tüte getan habe.

Kurz darauf biege ich in den Park ein. Kleiner, feiner Schotter knirscht und spritzt ab und zu gegen das Schutzblech. Kurz darauf fängt wieder der Asphalt an – die „Stadtautobahn für Fahrradfahrer“. Mein ganzer Weg zur Uni ist eine Parkdurchquerung. Die Ruhe und die Erhabenheit der großen Bäume lässt mich tiefer atmen, je nach Laune genieße ich den Anblick oder ich versinke in Gedanken – und keine Autos, die mich für die damit einhergehende Unaufmerksamkeit strafend überfahren.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 2, 2010
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Nov 2, 2010