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Geschichte und Philosophie

Mein großer Irrtum

Autor:

Rubrik:
studium

07.12.2010

Ein ganz fataler Irrglaube hatte mich blind gemacht. Naiv und mich nicht erst groß umschauend, hatte ich gedacht, die größten Wahrheiten fände ich in der Philosophie und bestand eine Weile darauf, sie als Nebenfach zur Geschichte zu betreiben. Geschichte und ansonsten nur Philosophie – nichts anderes. Dabei blieb ich auch, nachdem ich das erste, das zweite und das dritte Modul in der Philosophie belegt hatte, bis mir dann ein Kommilitone von einem interessanten Seminar in den Kulturwissenschaften (KuWi) erzählte. Ich besorgte mir deren kommentiertes Vorlesungsverzeichnis für das neue Semester und staunte nicht schlecht. Die hier angebotenen Seminare klangen in Titel und Beschreibung hundert Mal besser als die der Philosophie.

Ich bewarb mich sogleich auf zwei Module der KuWi, aber keines wurde mir zugeteilt, nur meine Drittwahl, ein Modul in der Philosophie. Als ich das erfuhr, fing ich an, dieses System des „schlauen Algorithmus“ zu verwünschen: Es weiß nämlich genau,  dass ich schon einmal ein Modul in Philosophie belegt habe und glaubt, mir vielleicht einen „Gefallen“ zu tun, indem es mich wieder Seminare in Philosophie, meinem ordentlichen Nebenfach, ermöglicht.

Ich gab aber nicht auf, besuchte zu Beginn des Semesters die Seminare trotzdem, sprach mit den verantwortlichen Professoren und fiel durch kritische Fragen sowie rege Beteiligung auf, sodass die Dozenten sich für meine nachträgliche Aufnahme in einem der Module einsetzten. Hier hat Mensch noch gegen Maschine, beziehungsweise Maschinerie gesiegt. Ach nein, die Maschine ist ja noch da: Sie hat mich zwar nicht besiegt, sie herrscht aber immer noch.

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