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Geschichte und Philosophie

Weihnachten im Osten

Leipzig

Autor:

Rubrik:
studium

04.01.2011

 

Eisig kalt ist es im Osten – in Leipzig. Ich bin über Weihnachten nicht nach Hause gefahren, sondern habe meine Familie hierher eingeladen. So konnte ich die Stadt, in der ich studiere auch zu einer mir noch unbekannten Zeit kennen lernen – Weihnachten eben. Von meinen Freunden waren alle ausgeflogen, um Weihnachten bei ihren Familien zu verbringen. Aber zu meinem Bestreben, die Stadt, in der ich wohne, auch wirklich kennen zu lernen – so weit es mir in diesen paar Jahren, die ich hier bin, möglich ist, passte es nun sehr gut, mit dem Ende der Vorlesungen ihr nicht gleich den Rücken zu kehren.

So konnte ich den berühmten Weihnachtsgottesdienst mit dem Thomanerchor in der Thomaskirche erleben. Der Chor, den auch schon J. S. Bach als Kantor führte, wird bald 800 Jahre alt sein. Um ihn schon einmal zu erleben, war ich auch am vierten Advent in der Thomaskirche. Wie war ich da überrascht, dass diese große und bedeutende Kirche mit diesem wunderbaren Knabenchor am vierten Advent eine lächerliche Zahl von vielleicht nur 120 Besuchern angezogen hatte. War ich doch aus Furcht, gar keinen Platz mehr zu bekommen, extra früher gekommen!

Nicht so an Heiligabend. Die Zeitung hatte schon angekündigt, dass in Deutschland ungefähr jeder zweite an diesem Tag zum Gottesdienst gehen wolle – in den alten Bundesländern über die Hälfte, in den neuen Bundesländern jeder dritte. Nun kam ich mit meiner Familie eine gute Stunde vor Beginn des Gottesdienstes und wir konnten keinen der besseren Plätze mehr ergattern, viele der nachfolgenden Leute konnten nur noch stehen. Welch andere Stimmung aufkommt, wenn eine Kirche wirklich voll ist! Was, wenn nun all die Leute auch die Lieder gekannt hätten und sie hätten singen können! Aber dafür gab es ja noch den Thomanerchor. Ein Freund aus Paris schrieb mir, dass er, wenn es dort auch so einen guten und bewegenden Chor gäbe, vielleicht auch Christ geblieben wäre.

 

Foto: privat

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