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Geschichte und Philosophie

Rentner schlagen Studenten

Autor:

Rubrik:
studium

02.02.2011

Jeden Freitag Morgen habe ich eine Geschichtsvorlesung. Zu zweihundert sitzen wir dicht gedrängt auf den schmalen Klappsitzen, manchmal reichen sie nicht aus und einige Studenten müssen auf der Treppe Platz nehmen. Das liegt aber nicht etwa daran, dass der Prof vielleicht ein Genie wäre, dass er Unerhörtes berichtete oder, dass er eine Autorität auf seinem Gebiet wäre. Von den vielleicht hundert Studenten, die sich für das Modul angemeldet haben, kommen bestenfalls fünfzig, also die Hälfte.

Dafür kommt mit eiserner Beständigkeit, teilweise schon seit mehreren Jahren, kontinuierlich eine immer größer werdende Zahl von so genannten Seniorenstudenten. 65 plus. Sie haben in ihren Berufen alles mögliche gemacht – waren Deutschlehrer, Kaufleute und Wirtschaftsprüfer. Jetzt im Alter wollen sie noch mal „etwas lernen“! Geschichte fanden sie schon immer spannend – hat sie schon immer interessiert und nun, da sie Zeit haben, besuchen sie diese Vorlesung zur Frühen Neuzeit. Der Prof ist nicht zu anspruchsvoll, ganz unterhaltsam, weist auf kulturelle Veranstaltungen hin und „ein ganz Lieber“. Der volle Hörsaal ist dem Prof ganz angenehm – es täuscht darüber hinweg, dass er die Studenten schon lange nicht mehr begeistern kann.

Für die Senioren jedoch ist es ein „Event“. Sie besetzen schon eine halbe Stunde vor Beginn der Vorlesung die besten Plätze, packen Leipziger Volkszeitung, Thermoskanne und Notizblock aus und freuen sich auf den Plausch und das gemütliche Miteinander während und nach der Vorlesung.

 

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