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Studentenleben live

Das Café als besseres Büro

Autor:

Rubrik:
studium

28.03.2011

Als ich nach dem Abitur in den USA war, lernte ich Starbucks kennen. Ein Freund von mir ging dort so regelmäßig hin, wie andere ins Büro. Büro war es auch für ihn. Es hatte alles, was er brauchte: einen kleinen Tisch, eine Steckdose, guten Kaffee, eine Toilette und – ganz wichtig: „activity“ – andere Leute, die plauderten, ihn mal kurz aufhorchen ließen, ablenkten, anregten, aber nie ganz aus der Fassung brachten. Er erzählte mir, dass dies sogar in der Psychologie unter dem Begriff „social stimulation“ erforscht werde. In einem anderen Café war es noch extremer, da saß an einem normalen Morgen unter der Woche ein Dutzend Leute mit Handy, Bluetooth und Laptop an den kleinen runden Tischen. Sie breiteten ihre Patienten- oder Gerichtsakten aus, riefen bei ihrem Börsenmakler an und holten sich ab und an einen „refill“ und einen Muffin.

Inzwischen ist auch hier in Deutschland Starbucks fast jedem ein Begriff und in Leipzig hat direkt im neuen Uni-Gebäude eine Starbucks-Filiale aufgemacht. Hinten in der Ecke ist ein größerer Tisch mit guter Beleuchtung und einigen Steckdosen. Es sind jedoch eher Studenten als Geschäftsleute, die hierher kommen und die, gerade im Winter, aus ihren kalten Altbauwohnungen fliehen und sich über einen passablen bis tollen Ort zum Lernen freuen. Auch ich habe einen gewissen Gefallen daran gefunden. Die Bibliothek schreckt mich immer wieder mit ihrer schlechten Luft und ihrem wohl ewig ausdünstendem Teppich ab. Und die „social stimulation“-Theorie scheint zu stimmen!

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