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Gastfreundschaft

Autor:

Rubrik:
studium

29.08.2011

Gegen neun Uhr abends ging ich in ein billiges Restaurant am Hauptbahnhof. Die roten Sofastühle und Sitzbänke mussten aus einem alten Zug stammen. Die Lampenschirme erinnerten mich an Filme aus den 70er Jahren und an den Wänden hingen Fotos von Autos aus der gleichen Zeit.

Am Tisch neben mir saßen zwei Männer und eine Frau. Auf dem Tisch standen zwei Flaschen Krim-Sekt. Als die Frau die zweite Flasche aufmachte, spritzte es zu mir herüber. Die Männer wurden auf mich aufmerksam. Der eine hatte eine ähnliche Statur wie die Frau – eher klein, fast dürr, der andere war das komplette Gegenteil. Er rief einen der Kellner zu sich, ich verstand nicht alles was er sagt, aber dann brachte der Wirt noch ein Glas, schenkte von dem Sekt ein und stellte es mir an meinen Platz. Sie prosteten mir zu, ich erzählte ihnen, dass ich aus Deutschland stamme, sie selber waren aus Kiew. Ich fühlte mich verpflichtet, Kiew als schöne Stadt anzupreisen, und der Mann gewaltigen Umfangs fing an mir zu erzählen, was für eine lange Tradition Kiew und die Ukraine haben und dass hier die russische Kultur mit der Kiewer-Rus ihren Ursprung habe.

Er meinte, dass wir doch alle Brüder seien – auch er und ich. Er hieß Alexandr, ich solle ihn aber bei seinem Kosenamen Sascha rufen. Die beiden Männer machten Armdrücken. Der kleine Hagere hatte natürlich keine Chance. Ob ich nicht auch mal Armdrücken wolle. Das gefiel mir. Der kleine Mann machte mir Platz und ich setzte mich Sascha gegenüber. Seine Arme waren vielleicht drei oder viermal so dick wie meine. Oh ja, Kraft steckte darin. Aber anstrengen musste er sich trotzdem.

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