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Studentenleben live

r = 0,86

Autor:
Leon

Rubrik:
studium

21.02.2012

r = 0,86? Ist das ein Schreibfehler? Oder ist da aus Versehen eine kryptische Codierung in die Überschrift gerutscht? Nein und nochmals nein – diese Vermutungen muss ich (leider) als falsch abtun. r = 0,86 beschreibt viel eher jenen Inhalt meines Gedächtnisses, der mich tage-, wenn nicht sogar wochenlang beinahe verrückt werden ließ: „Deskriptiv- und interferenzstatistische Modelle der sozialwissenschaftlichen Datenanalyse“, wie es die humorlosen Initiatoren dieser Materie (auch Dozenten genannt) ganz nüchtern betiteln. Bei mir lief dieser Kurs eher unter dem, wie ich finde, auch sehr schönen Motto: „Hauptsache durchkommen“. Dass mir die Sinnhaftigkeit der Veranstaltung dabei über weite Strecken verborgen blieb, war diesem Vorhaben allerdings ebensowenig zuträglich wie der Ausfall von drei Vorlesungen in Folge.

Dies eiskalt und großzügig ignorierend, machte ich mich schließlich ans Lernen und stopfte mein Gehirn mit vielsagenden Phrasen („wenn r > +/- 0,6, dann liegt eine starke Korrelation vor“), schrägen Begriffen („Somers‘ D“ oder „Eta Quadrat“) und unzähligen Formeln („V = s/arithmetisches Mittel“) bis oben hin voll. Die Korrelation zwischen „Zeitaufwand fürs Lernen“ und „Kaffeetassen auf dem Schreibtisch“ steigerte sich dabei bis zu einem geschätzten Höchstwert von r = 0,86; zusätzlich wurde meine Alltagssprache zunehmend von Floskeln wie „diese Aussage erscheint mir aber nicht trennscharf genug“ unterwandert – es wurde also höchste Zeit für den Showdown, für den „Alles oder nichts“-Tag, für die Klausur!

Um es vorweg zu nehmen: Es lief überraschend gut! An meiner Einstellung zu dieser Veranstaltung wird das allerdings wenig ändern und ich bin froh, nur einen Statistik-Kurs absolvieren zu müssen. Ganz arme Teufel, z.B. Soziologie-Studenten, haben da gleich dreimal die Ehre. Meinen Glückwunsch!

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