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Studentenleben live

Körper, Atem, Stimme

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

22.05.2012

Bei der Lehrerausbildung in Baden-Württemberg wird immer wieder bemängelt, dass doch viel zu viel Fachliches und wenig Pädagogisches und Didaktisches gelehrt wird. So „entsteht" der Typ Lehrer (wer kennt ihn nicht?), der zwar Experte in seinem Fach, mit dem Schulalltag aber völlig überfordert ist. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit einigen Jahren die MPK-Kurse vom ZfS. Die was? MPK steht für „Modul Personale Kompetenz" (Wie entwickle ich persönliche Kompetenz?) und das ZFS ist das „Zentrum für Schlüsselqualifikation" (Wie werde ich ein guter Pädagoge?). Ich habe mich entschlossen den Kurs „Körper, Atem, Stimme" zu besuchen, in dem wir lernen sollen, wie wir den ganzen Tag (laut) vor der Klasse sprechen können, ohne permanent heiser zu sein. Das klingt doch wirklich nach was Praktischem für den zukünftigen Lehrerberuf.

Nach einer sehr kleinen theoretischen Einführung über die Entstehung von stimmlichem Klang ging es sofort an die praktische Arbeit. Körperwahrnehmungsübungen, Massagen (auch gegenseitig, was für ein Luxus!) und Atemübungen in allen möglichen Positionen. Es hatte fast schon etwas von einer Yogastunde und wen wundert’s: Von 20 Teilnehmern sind genau drei Männer. Schade eigentlich, dass man Geschlechterklischees immer wieder bestätigt findet. Leicht fiel es wohl niemandem, mit einem fremden Menschen Hüfte an Hüfte in die Knie zu gehen und „f", „s", „sch" und „lululululu" in den Raum zu rufen. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man aus den Übungen wirklich etwas mitnehmen. Nach diesen Gruppenübungen gab es Einzeltraining. Jeder sollte berichten, wo er oder sie Probleme mit seiner Stimme hat. Die Situation wurde dann nachgespielt und analysiert. Ich musste zum Beispiel, während die anderen sich lautstark unterhielten, mich bemerkbar machen, als wollte ich als Lehrerin vor einer quatschenden Klasse mit dem Unterricht beginnen. Natürlich haben die anderen auch absichtlich nicht aufgehört zu reden, als ich laut „Hallo" gerufen habe, aber es war für mich schon erschreckend, dass mich die meisten bei meinen ersten Versuchen, den Geräuschpegel zu übertönen, wirklich nicht gehört hatten. Nach ein paar mal ging es besser, aber ich konnte verstehen, warum Opernsänger eine jahrelange Ausbildung brauchen, um das Orchester übertönen zu können, ohne am nächsten Tag keine Stimme mehr zu haben.

Da der MPK-Kurs aber kein Selbsthilfekurs ist, sondern eine Univeranstaltung, muss ein bisschen Leistungsabfrage natürlich sein. Daher sollen wir in Gruppen ein Referat zu irgendeinem Thema halten, das mit Stimme zu tun hat. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, es kann etwas rein Wissenschaftliches, aber auch was Kreatives sein. Man spürte deutlich, wie Unmut im Raum aufkam. Und auch ich ertappte mich bei dem Gedanken: „Mensch, kannst du uns nicht einen klaren Arbeitsauftrag geben? Das Thema, die Länge, das Handout bis dann und dann an die und die Adresse schicken?" So weit ist es also schon gekommen, dass man auf klare Anweisungen wartet und sein Hirn nicht mehr selbst anstrengen will, um sich etwas einfallen zu lassen! Die Referate werden bei der nächsten Sitzung kommen. Ich bin gespannt, was meine Kommilitonen erzählen.

Ach ja, und ein Stimmtagebuch müssen wir auch führen. Was das genau sein soll, ist auch nicht vorgeschrieben. Aber meiner Meinung nach ist das nur ein Mittel, uns dafür zu sensibilisieren, wie es unserer Stimme geht und wie wir die Stimmen anderer wahrnehmen. Und auch das will natürlich irgendwie überprüft werden.

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