interaktiv

Studentenleben live

Schnitzel, Pommes, Soja

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

05.06.2012

Egal, mit wem man in die Mensa geht, spätestens bei der Essensausgabe kommt man auf das Thema Vegetarismus zu sprechen. "Wie hältst du es mit dem Fleisch?" scheint die neue Gretchenfrage zu sein. Und jeder hat seine eigene, manchmal etwas komplizierte Antwort: Von „Immer-Fleischesser", „Nur-Weißes-Fleischesser", „Nur-Fischesser", „Kein-Fleischesser" und „Keine-tierischen-Produkte-Esser" bis zu „Was-die-anderen-so-essen-Esser".

Welche der Entwürfe nun übertrieben oder gar inkonsequent sind, das ist dann der Streitpunkt. Fleisch essen? Hast du noch nie was von Massentierhaltung und Klimabilanz gehört? Nur Fisch? Sind Fische denn keine Tiere? Eier? Das hätten doch auch Hühner werden können. Milch? Du unterstützt die Misshandlung der Tiere! Honig? Auch das ist ein tierisches Produkt! Und warum hast du überhaupt Lederschuhe an? War das etwa kein Tier?

Man muss nur lange genug warten, dann kommt das Extrembeispiel, die Fructarier, ins Spiel. Das sind Menschen, die angeblich kein Gemüse essen, sondern nur Obst, das ohne Fremdeinwirkung vom Baum gefallen ist. Ohne also den Baum zu verletzen. Ob es diese Bewegung wirklich gibt, ist mir schleierhaft, getroffen habe ich noch keinen, aber bekanntlich gibt es ja nichts, was es nicht gibt.

Große Debatten löst im Studentenleben allsemesterlich der Veggieday aus. Mit der Initiative „Donnerstag ist Veggie-Tag" wollen mehrere Verbände auf die Folgen des maßlosen Fleischkonsums aufmerksam machen und zeigen, dass man ohne Fleisch auch satt werden kann. Das Studentenwerk Freiburg hat sich (neben vielen anderen Unis) dazu entschieden, an einem Donnerstag im Semester nur fleischloses Essen anzubieten. Wohlgemerkt: ein Tag im Semester. Und trotzdem sind die Aufschreie nicht zu überhören. Von Diskriminierung der Fleischesser ist die Rede (als könnten Fleischesser kein Gemüse essen), manchmal sogar von der Einschränkung der Grundrechte. So warb der RCDS (Ring christlich-demokratischer Studenten) bei den letzten Uniwahlen für die Abschaffung des „Veggidays" mit dem Slogan „Fleisch statt Sozialismus". Angespielt wurde dabei auf die Parole der CDU bei den Bundestagswahlen 1976: "Freiheit statt Sozialismus". Ich hoffe, dass ihnen diese Aktion im Nachhinein peinlich war.

Der AK „Veganes Essen" kämpft derzeit, wie der Name erahnen lässt, für ein veganes Gericht täglich. Wenn jemand diskriminiert wird in der Mensa, dann wohl wirklich Veganer, für die es im Moment außer der Salatbar gar kein Angebot gibt.

Wer auch immer sich durchsetzen wird, die Frage „Wie hältst du es mit dem Fleisch?" bleibt brisant.

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