interaktiv

Studentenleben live

Nazis gibt's nur im Osten?

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

29.08.2012

Seit mehreren Wochen gibt es in der Uni nur ein Gesprächsthema: Die Nazi-Studentin. Die Autonome Antifa Freiburg hatte Mitte Juli eine Studentin geoutet, die in mehreren rechten Gruppierungen aktiv ist und rassistische, homophobe, antisemitische und einfach menschenverachtende Kommentare in einem Forum gepostet hatte. Außerdem drohte sie damit, gewalttätig zu werden. Auf der Seite linksunten.indymedia wurden Bilder von ihr zum Beispiel auf Nazi-Demos veröffentlicht, aber auch Bilder von ihrem Haus und ihrem Klingelschild.

Wie soll die Studierendenvertretung jetzt aber reagieren? Was soll man als einzelner machen, wenn man mit ihr zum Beispiel ein Seminar besucht? Soll man von der Unileitung ihre Exmatrikulation fordern? Dagegen steht, dass man natürlich niemanden wegen seiner politischen Überzeugung von der Uni ausschließen darf (Gott sei Dank!), die Frage ist aber, ob ein freies und offenes Diskutieren im Kurs möglich ist, wenn man weiß, dass man eine gewaltbereite Neonazistin neben sich sitzen hat. Die Studierendenschaft hat es leider noch nicht geschafft, eine Erklärung herauszugeben, mit der alle zufrieden sind. Einige möchten überhaupt keine Erklärung veröffentlichen, weil man ja niemals die Meinung aller berücksichtigen kann. Das stimmt natürlich, aber jeder Studi hat theoretisch die Möglichkeit, sich einzubringen (was vielfach ja auch geschieht). Und es wir ja nicht diktatorisch irgendein Pamphlet verfasst, sondern verschiedene Entwürfe diskutiert.

Ein anderer großer Streitpunkt war die Frage, ob man in die Erklärung mitaufnimmt, dass man das Vorgehen der Antifa nicht korrekt findet. Schließlich kann es meiner Meinung nach nicht richtig sein, Menschen im Internet mit Namen, Adresse und Bild zu outen. Es erinnert mich fatal an mittelalterliche Pranger, die auf dem Dorfplatz aufgestellt wurden, um Menschen daran bloßzustellen.

Es wird nächstes Semester sicherlich Veranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus geben, und vielleicht wird es auch gelingen, mit der Betroffenen selbst ins Gespräch zu kommen. Leider war das bis jetzt noch nicht möglich, da sie sich nicht äußern wollte. Vielleicht wird sie auch zum nächsten Semester die Uni wechseln, wer weiß das schon. Sicher ist aber, dass alle, die geglaubt haben, Nazis gibt's nur im Osten, eines Besseren belehrt wurden.

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