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Studentenleben live

Nazis gibt's nur im Osten?

Seit mehreren Wochen gibt es in der Uni nur ein Gesprächsthema: Die Nazi-Studentin. Die Autonome Antifa Freiburg hatte Mitte Juli eine Studentin geoutet, die in mehreren rechten Gruppierungen aktiv ist und rassistische, homophobe, antisemitische und einfach menschenverachtende Kommentare in einem Forum gepostet hatte. Außerdem drohte sie damit, gewalttätig zu werden. Auf der Seite linksunten.indymedia wurden Bilder von ihr zum Beispiel auf Nazi-Demos veröffentlicht, aber auch Bilder von ihrem Haus und ihrem Klingelschild.

Wie soll die Studierendenvertretung jetzt aber reagieren? Was soll man als einzelner machen, wenn man mit ihr zum Beispiel ein Seminar besucht? Soll man von der Unileitung ihre Exmatrikulation fordern? Dagegen steht, dass man natürlich niemanden wegen seiner politischen Überzeugung von der Uni ausschließen darf (Gott sei Dank!), die Frage ist aber, ob ein freies und offenes Diskutieren im Kurs möglich ist, wenn man weiß, dass man eine gewaltbereite Neonazistin neben sich sitzen hat. Die Studierendenschaft hat es leider noch nicht geschafft, eine Erklärung herauszugeben, mit der alle zufrieden sind. Einige möchten überhaupt keine Erklärung veröffentlichen, weil man ja niemals die Meinung aller berücksichtigen kann. Das stimmt natürlich, aber jeder Studi hat theoretisch die Möglichkeit, sich einzubringen (was vielfach ja auch geschieht). Und es wir ja nicht diktatorisch irgendein Pamphlet verfasst, sondern verschiedene Entwürfe diskutiert.

Ein anderer großer Streitpunkt war die Frage, ob man in die Erklärung mitaufnimmt, dass man das Vorgehen der Antifa nicht korrekt findet. Schließlich kann es meiner Meinung nach nicht richtig sein, Menschen im Internet mit Namen, Adresse und Bild zu outen. Es erinnert mich fatal an mittelalterliche Pranger, die auf dem Dorfplatz aufgestellt wurden, um Menschen daran bloßzustellen.

Es wird nächstes Semester sicherlich Veranstaltungen zum Thema Rechtsextremismus geben, und vielleicht wird es auch gelingen, mit der Betroffenen selbst ins Gespräch zu kommen. Leider war das bis jetzt noch nicht möglich, da sie sich nicht äußern wollte. Vielleicht wird sie auch zum nächsten Semester die Uni wechseln, wer weiß das schon. Sicher ist aber, dass alle, die geglaubt haben, Nazis gibt's nur im Osten, eines Besseren belehrt wurden.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Aug 29, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
Aug 29, 2012

Studentenleben live

Bibliothekenchaos

Das heiligste aller Institute (zumindest in den Buchwissenschaften) ist die Bibliothek, auch Seminar genannt, was etwas verwirrend ist, weil auch manche Kurse Seminar heißen und auch die Gemeinschaft aller, die ein Fach studieren oder dort arbeiten. Aber aus dem Zusammenhang ist meist klar, was gemeint ist. Die Bibliothek ist in der Regel ein gut besuchter Ort, an dem die Stille und das emsige Lernen sofort eine Atmosphäre von Demut und schlechtem Gewissen hervorrufen. Demut vor den meterlangen Regalen voller Bücher, die man zum großen Teil wahrscheinlich nicht versteht. Ein schlechtes Gewissen, weil man selbst noch hier rumsteht, anstatt sich auch schleunigst ans Werk zu machen.

Gestern habe ich mir mal wieder vorgenommen, etwas zu arbeiten. Mein Weg führte mich hierzu in drei fremde Bibliotheken. Die erste war die der Theologie. Ungefähr dreimal so groß wie die der klassischen Philologie, erstreckt sie sich über ein halbes Stockwerk. Drinnen hängen große Ölgemälde von wichtigen Menschen. Das Buch, das ich suchte, war aber leider nicht dort, sondern in der christlichen Archäologie. Dafür musste ich vom dritten Stock noch eine kleine Wendeltreppe hinaufsteigen (da das Gebäude aus den 60er- oder 70er-Jahren stammt, kam leider kein „Dornröschenfeeling“ auf), die ich vorher noch nie gesehen hatte. Leider hat diese Abteilung den gesamten August geschlossen. Schade. Und ich dachte schon, unsere Bibliotheksöffnungszeiten wären schlecht (Montag bis Freitag von acht bis 22 Uhr). Es half nichts, ich musste noch weiter, in die Bibliothek der Alten Geschichte.

Dort, so stand es im Online-Katalog, könne man das Buch auf Nachfrage ansehen. Als ich die HiWis nach dem Buch fragte, wurde mir gesagt, dass ich auf keinen Fall etwas daraus kopieren und es erst recht nicht ausleihen dürfe. Gespannt wartete ich auf den Schatz, der so empfindlich ist, dass er den Kopierer vielleicht nicht überleben würde. Wie enttäuscht war ich, als der HiWi mit einem kleinen gebundenen Büchlein zurückkam, das circa 20 Jahre alt war. Und warum darf man jetzt daraus nichts kopieren? Ganz einfach: Es handelt sich um den Nachlass eines ehemaligen Professors, der das testamentarisch so verfügt hat. Wahrscheinlich wollte er Generationen von Studis ärgern und so immer präsent bleiben. Immortalitas quasi. Im Endeffekt fand ich das Buch nicht einmal brauchbar. Aber ich hatte mal die Bibliotheken unserer Nachbardisziplinen kennengelernt. Und erkannt, dass einen auch bereits verstorbene Menschen ärgern können.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Aug 20, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
Aug 20, 2012

Studentenleben live

Meien erste PK

Von wegen langsam anfangen: An meinen ersten Praktikumstagen beim Radio jagte eine Veranstaltung jagte die nächste. Am dritten Tag stand die erste Pressekonferenz an, im Journalistenjargon liebevoll PK genannt. Verbraucherschutzsenator Mario Czaja sollte die neuen Mietsätze für Sozialhilfeempfänger vorstellen. Ort des Geschehens war, wie bei Pressekonferenzen des Senats üblich, das Rote Rathaus in Berlin.

Zusammen mit meiner Kollegin fuhr ich gespannt zum Alexanderplatz – Laptop, Mikrofon und Kabel im Schlepptau. Dort angekommen mussten wir zunächst unsere journalistische Tätigkeit nachweisen, erst dann ging es in den Pressesaal des Rathauses. Im hinteren Bereich des nüchtern eingerichteten Raumes stand eine Verteilerbox, an der wir das Mikrofon anschlossen. So konnten wir den Ton, also das was Senator und Co. von sich gaben, aufzeichnen, ohne unser Mikro auf dem Podium zu platzieren. Dann ging´s auch schon los: Die Protagonisten betraten den Raum. Mein Kugelschreiber jagte über den Notizblock und notierte jede Aussage der Redner. Parallel ließ ich die Stoppuhr meines Handys mitlaufen und notierte die Zeit, um später beim Schneiden die gewünschten Aussagen schneller zu finden.

Zig Phrasen über Mietobergrenzen und unzählige Berechnungsätze später war alles gefragt und gesagt worden. Den Kopf zugedröhnt mit Zahlen, ging es zurück in die Redaktion. Hier begann die Arbeit erst richtig: Ich wühlte mich durch das Material und zerlegte die knapp halbstündige Tonspur in ihre Einzelteile – eine ganz schöne Puzzle-Aufgabe. Aber ich konnte stolz sein: Einer der geschnittenen Töne lief anschließend in den Nachrichten. Der Aufwand hatte sich also definitiv gelohnt!

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Aug 15, 2012
Autor: Leon
Rubrik: studium
Aug 15, 2012