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Studentenleben live

Schicksal Leipzig

Leipzig, das ist das neue Berlin – bunt, lebendig, alternativ, kulturell und wohnlich. Überall klagen befreundete Studenten, dass sie keine Wohnung finden. Hier haben wir die Qual der Wahl –Zimmer mit 20 Quadratmetern in einer 5er-WG mit Holzdielen, Wohnküche und Stuck an der Decke kostet beispielsweise etwa 220 Euro warm.

Ich kam nach Leipzig, weil mir die Stadt gefiel, nicht, weil ich von einem tollen Professor dort gehört hatte. Und während mich die Stadt tatsächlich nicht enttäuschte, taten dies die Professoren und Kommilitonen in der Geschichte und Philosophie. Mir schien das ganze ziemlich altbacken beziehungsweise lebensfern und meine Kommilitonen – so mein Eindruck – studierten Geschichte oder Philosophie, weil ihnen halt sonst nichts eingefallen war, und nicht aus Überzeugung oder Begeisterung.

Dann wollte ich wissen, ob es an anderen Unis in Deutschland auch so ist, und habe mich umgeschaut, in Frankfurt am Main, in Köln, Bonn, Berlin, Jena und so weiter und gemerkt, dass es da häufig nicht viel besser ist.

Dann stellte ich mir die Frage, ob ich denn die richtigen Fächer studiere, schaute mich an anderen Instituten um und wurde fündig. Die Kulturwissenschaften. Hier kommen Geschichte, Philosophie und Soziologie zusammen und fragen nach den Bedingungen, Möglichkeiten und Formen des Mit- oder Gegeneinander der Menschen in der Gesellschaft. Das ist viel mehr mein Ding. Jetzt noch vor Weihnachten werde ich mich um einen Masterstudienplatz in den Kulturwissenschaften bewerben und im April hoffentlich anfangen. Dann würde Leipzig nun doch zu meinem Schicksal. Entgegen allen Forderungen nach unendlicher Mobilität habe ich nichts dagegen, mich hier in dieser Stadt voller ungewöhnlicher Leute noch heimischer zu machen.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Dec 18, 2012
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Rubrik: studium
Dec 18, 2012

Studentenleben live

Unter Pudeln auf der Fanmeile

Wir erinnern uns. Vage. Damals, im Sommer 2012, bescherte uns die Fußball-Europameisterschaft der Männer in Polen und der Ukraine Wochen der Glückseligkeit. Und dort, wo diese Glückseligkeit wohl am Ausgiebigsten in Erscheinung trat, gab auch ich mir ein „Stell-dich-ein“. Auf der Berliner Fanmeile – biergetränkter Straßenzug zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule. Nicht etwa aus Jux und Dollerei. Nee, nee. Im Auftrag des investigativen Journalismus‘ setzte ich meine Füße auf die heiligen Kilometer der Fan-Ekstase.

Am Tag des Halbfinal-Spiels gegen den deutschen Angstgegner Italien bekam ich den Auftrag, die Stimmung der deutschen Fans in den Stunden vor dem Anpfiff aufzufangen und per Schalte ins Studio und damit an die Hörer weiterzugeben. Schon am frühen Nachmittag sammelten sich die ersten Verrückten vor den Leinwänden und stimmten (bereits leicht angesäuselt) altbekannte Fan-Lieder an. Selbst tierische Fans gaben sich die Ehre. Ein Pudelclub aus dem wunderschönen Castrop-Rauxel flanierte durch die Menschenmenge. Eine Selbstverständlichkeit, dass ich diese kuriose Truppe interviewte.

Vier Aufsager für die Nachrichten und unzählige Interviews mit angeheiterten Fußballfans aus Ilmenau oder Berchtesgaden später, war es Zeit für mich zu gehen. Der nächste Auftrag (Reporter auf der hauseigenen Spreeradio-Fanmeile) wartete und so ließ ich Pudel und Fans knappe zwei Stunden vor dem Anpfiff zurück. Glücklicherweise also, bevor die Tore der Italiener die Meile der Begeisterung in eine Meile der Tränen verwandelten.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Dec 17, 2012
Autor: Leon
Rubrik: studium
Dec 17, 2012

Studentenleben live

Der Schw*** im Badnerland

Es gibt ein Wort, das man hier in Baden lieber nicht in den Mund nehmen sollte, wenn man sich nicht völlig ins Aus befördern wollen sollte. Das Schw-Wort. Ihr wisst nicht was ich meine? SCHWABEN (hoffentlich wird mein Text jetzt nicht zensiert). Wenn man es verwenden möchte, sollte man genau wissen, wer gerade zuhört. Da ich ja nun schon ein paar Jahre im Konfliktgebiet Baden-Schw*** wohne, bin ich mir dessen eigentlich schon bewusst. Niemals würde ich es wagen, die Menschen hier als Schw*** zu bezeichnen oder gar ihre Mundart als Schw***isch. Vergangenen Sonntag ist es mir dann aber doch passiert. Auf offener Straße habe ich es gewagt meinem Freund davon zu berichten, dass es eine Krimiserie gibt, in der alle Titel mit dem bösen Schw-Wort beginnen: Schwabenwut, Schwabentod und so weiter. Sofort drehte sich ein Passant zu uns um und wies mich zurecht: „Wie sind hier nicht in Schwaben!" Wie bitte? Darf man das Schw-Wort also nicht mal benutzen, wenn es genau um sie geht und nicht um die Badener? Natürlich sollte man nicht von einem seltsamen Passanten auf alle schließen, aber eine latente Abneigung den Schw*** gegenüber scheint doch sehr salonfähig zu sein. Aber nicht nur hier sollte man vorsichtig sein. Schw*** ist auch in Berlin am Prenzlauer Berg ein gefährliches Wort. Vielleicht singen ja bald auch in Berlin aus voller Kehle „Der Schwab‘ muss raus, der Schwab‘ muss raus!“. So wird nämlich gerne das Badnerlied umgedichtet (eigentlich heißt es: Frisch auf, frisch auf).

Zum Teil ist die Feindschaft zwischen den Badnern und Schwaben sicher scherzhaft gemeint, aber manchmal frage ich mich, warum sich der Mensch eigentlich immer von anderen abgrenzen muss, sei der Unterschied auch noch so gering.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Dec 13, 2012
Autor: Rose
Rubrik: studium
Dec 13, 2012