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Studentenleben live

Streit um die WG-Kasse

Autor:

Rubrik:
studium

09.01.2013

Seit einem Monat haben wir eine neue Mitbewohnerin in unserer Fünfer-WG. Sie hat vorgeschlagen, noch mal über unsere WG-Kasse bzw. unser Teilsystem zu reden. Bisher haben wir eine Liste von Dingen gehabt, deren Kosten wir alle teilen wollen etwa. Spülmittel, Toilettenpapier, Öl, Gewürze, Kartoffeln, Nudeln, Butter, Milch. Wer etwas eingekauft hat, was auf der Liste steht, hat es darin eingetragen. Eine Mitbewohnerin hat sich schon herausgenommen, sich nicht an Kaffee, Milch und Eiern zu beteiligen. Ich hatte anfangs auch überlegt, ob ich mich bei Kaffee und Milch beteiligen will, auch wenn ich davon so gut wie nichts nutze, wollte dann aber auch nicht kleinlich sein. Die neue Mitbewohnerin ist aber nur wenig zuhause und isst deshalb auch wenig daheim, sie scheint sich von Milchkaffee zu ernähren, zumindest wenn sie hier ist. Was machen wir nun?

Eben nach dem Essen mit meinen Mitbewohnern erwähnte ich nur kurz das Thema und gleich brannte eine hitzige Diskussion los. Einige haben überhaupt keine Lust auf so ein „Kleinklein“, wo im Kühlschrank fünf Milchflaschen nebeneinander stünden und mindestens eine vor sich hin faule, und fünf Butterstücke und fünf Flaschen Bratöl usw. Andererseits würde unsere neue Mitbewohnerin wahrscheinlich gar nicht mitkriegen, wenn kein Bratöl da wäre, weil sie so gut wie nie selber kocht, weshalb es unsinnig erscheint, sie daran beteiligen zu wollen. Dann gibt es aber auch jene, die sich mal einen Schluck Milch in den Nachmittagskaffee machen und andere, die jeden Tag einen halben Liter konsumieren. Oder die einen, die so gut wie jeden Abend etwas kochen, und die anderen, die sich nur zwei Scheiben Brot schmieren. Hinzu kommen noch verschiedene Geschmäcker, Unverträglichkeiten und Essrhythmen.

Wir haben darüber geredet, ob wir eine Kasse einführen, in die jeder einen ihm angemessenen Betrag zahlt – à la: Wer viel zu Hause kocht oder isst, zahlt mehr ein, als der, der weniger da ist und weniger isst. Das zu ermessen ist allerdings nicht leicht.

Merkwürdig finde ich, dass das System nun vier Jahre lang gehalten hat und schon galt, bevor ich eingezogen bin, und nun wird es – wir werden noch sehen – von einer Neuen, die hier erst vor einem Monat eingezogen ist, umgestoßen. Sie hat zwar schon beim WG-Casting gemeint, dass sie das komisch fände, wollte dann aber doch hier einziehen. Das Ganze scheint eine Systemfrage zu sein, weil Essen auch eine soziale Sache ist, die Küche ist unser einziger gemeinschaftlicher Raum. Die einen sind sozusagen häuslicher und wollen mehr als eine Zweck-WG, und den andern reicht es, sich zu tolerieren und mehr neben- als miteinander zu wohnen.

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