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Studentenleben live

Abschluss mit Schulden

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Rubrik:
studium

21.02.2013

Ich bin gerade in Philadelphia in den USA, um einen Freund zu besuchen. Als er vor einigen Jahren mit dem Studium fertig war, hatte er etwa 20.000 Dollar Schulden. Im Vergleich zu den Beträgen, die andere Freunde mit nannten, scheint das nicht besonders viel. Er fand eine gut bezahlte Anstellung und hatte die Schulden nach vier Jahren abbezahlt. Gestern traf ich ein paar College-Studenten im dritten Bachelorjahr. Einer hat jetzt schon 60.000 Dollar Schulden und eine andere sogar 80.000. Studienkredite sind hier normal – keinen Kredit aufzunehmen ist die eher Ausnahme. Sie erzählte mir aber, dass gerade in den letzten Jahren die Studiengebühren in den USA stark gestiegen sind. Der günstigste Studiengang in den Geisteswissenschaften kostet hier in Philadelphia an einer durchschnittlichen staatlichen Universität pro Jahr knapp 23.000 Dollar, einige andere kosten bis zu 30.000, Zahnmedizin sogar 54.000 und der Master in Business Administration 74.000 Dollar pro Jahr! Wenn ich ihnen erzähle, was ich in Deutschland an Studiengebühren bezahle, können sie nur lachen.

Dummerweise garantiert ein solches Studium einem noch lange keine Anstellung, und wer im zweiten oder dritten Studienjahr durch eine Prüfung fällt, krank wird, oder merkt, dass ihm das Fach doch nicht so liegt, hat ziemliche Probleme. Solche Studienkredite werden dann „sub-prime“ genannt (was so viel bedeutet wie „nicht-erstklassig“). So wie bei der Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt vor fünf Jahren – da wurden jene Hausbesitzer als „sub-prime“ eingestuft, von denen die Banken annahmen, dass sie ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Die Banken haben dann ihre Kredite an Unternehmen weiterverkauft und plötzlich standen die dann vor dieser Leute Haustüren. Die „sub-prime“-Studenten müssen nun entweder neu aushandeln, wie sie einen Teil ihrer Schulden zurückzahlen können, oder Privatinsolvenz anmelden...

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