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Studentenleben live

Das Phänomen Multiple Choice

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

22.02.2013

Ich befinde mich nun endlich in den wohlverdienten Semesterferien, die sich irgendwie nicht ganz wie Ferien anfühlen – aber das ist ein anderes Thema. Die letzten drei Tage an der Hochschule habe ich jeweils eine Klausur geschrieben, was mich ziemlich gestresst hat. Aber damit hatte ich es noch ganz gut getroffen. Andere hatten samstags Klausuren oder drei an einem Tag. Mit denen wollte ich nun wirklich nicht tauschen und meine Klausuren waren ja auch gar nicht so schlimm. Dachte ich...

Am Donnerstag stand Pädagogik an: Multiple Choice, 24 Fragen mit jeweils fünf Auswahlmöglichkeiten und der ausdrückliche Hinweis des Dozenten: „Ich habe die Klausur sehr human, wirklich einfach gestaltet. Sie brauchen keine Angst haben, das schaffen Sie alle!“ Wir hatten uns also keinen Stress gemacht, die Texte im Reader alle noch einmal zusammengefasst und schließlich die Hauptaussagen der Autoren sowie ein paar interessante Fakten aus deren Biografien gelernt. Ich muss zugeben – wir haben damit sehr spät begonnen und ich habe auch kurz vor der Klausur immer noch ein paar Autoren verwechselt, habe aber immer schnell wieder reingefunden, wenn mir jemand eine Aussage als Ausgangspunkt gegeben hat.

Vorlesungssaal 1.301, deutlich überfüllt. Wir haben das unwahrscheinliche Glück in der ersten Reihe zu sitzen, direkt vor dem Dozenten mit seinem dicken Stapel Blätter in der Hand. Diese werden verteilt, Vorhang auf für... das Desaster! Es sind schätzungsweise zwei oder drei Fragen, bei denen ich mir sicher bin, bei den restlichen muss ich immer wieder raten. „Hier noch ein Kreuzchen! Und hey, da sieht es auch noch so leer aus!“ Kein gutes Motto für eine akademische Prüfung.

Ich kann nicht sagen, zu wieviel Prozent ich mir das selbst zuzuschreiben habe. Natürlich hätte ich besser vorbereitet sein können, aber ich lerne eben nicht auswendig, wo Comenius studiert hat, Buber geboren wurde und wieviel Prozent der 20-Jährigen im Jahr 1994 zur Schule gingen. Und was das mit Pädagogik zu tun hat, weiß ich auch nicht wirklich.

Nachdem ich mich auf- und den Klausurbogen abgegeben habe, kommt der Dozent zu mir, sagt mir, ich könne ruhig über den Tisch klettern und schon nach Hause gehen, und fragt, wie ich die Klausur fand. Ich sage irgendetwas Neutrales, weil ich nicht darauf aufmerksam machen will, dass ich nicht so viel gelernt habe, und dass ich lieber noch warte – fürs Klettern war mir der Rock zu kurz und das Vertrauen in meine Eleganz zu gering.

Später fanden auf Facebook hitzige Diskussionen statt. Einige Leute aus dem Kurs schrieben sogar eine Mail an den Dozenten, in der sie ihn baten, nicht so viele Studenten durchfallen zu lassen. Ich bezweifle noch stark, dass man damit einen Hochschuldozenten erreichen kann, bin aber sehr gespannt auf seine Antwort. Und natürlich auf die Klausurergebnisse – dank Multiple Choice ist ja noch alles offen...

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