interaktiv

Studentenleben live

Do you wanna be Hungarian?

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

20.03.2013

Als mir meine beste Freundin aus dem FSJ in Serbien vom neusten Trend in Novi Sad erzählte, klappte mir erstmal die Kinnlade runter. Es ging nicht um irgendeinen neuen Kleidungsstil oder irgendeine Musikrichtung. Der neueste Trend ist es, Ungarin oder Ungar zu werden. Ich hab nichts gegen Ungarn, aber warum genau sollte man jetzt die Staatsbürgerschaft annehmen wollen, wenn man mit Land und Leuten eigentlich nichts zu tun hat? Serbien grenzt natürlich an Ungarn und es gibt auch eine relativ große ungarische Minderheit dort, aber der Trend ist bestimmt nicht eine Liebeserklärung an das Nachbarland.

Die Vorteile liegen für viele Serbinnen und Serben auf der Hand. Ungarn ist in der EU und Serbien nicht. Und das wird sich auch so schnell nicht ändern (außer in Serbien geschehen Wunder und Viktor Orbán, der Premierminister von Ungarn, vermasselt es richtig). Also warum nicht eine doppelte Staatsbürgerschaft annehmen, wenn man dann leichter reisen und ohne Probleme im EU-Ausland arbeiten könnte? Außerdem müsste man innerhalb der EU keine Studiengebühren zahlen.

Inzwischen haben auch Geschäftstüchtige die Gelegenheit erkannt und bieten Coachings zum Ungar-Werden an. Und das geht so. Wer Verwandte nachweisen kann, die in Ungarn gelebt haben, ist prädestiniert, die Staatsbürgerschaft zu beantragen. Da der Norden Serbiens bis 1918 zu Ungarn, beziehungsweise Österreich-Ungarn gehörte, können viele Menschen in Novi Sad solche Familienmitglieder vorweisen. Dass diese Vorfahren sich vielleicht nicht als Ungarn bezeichnet hätten, sondern wohl eher als Serben, spielt dabei keine Rolle.

Hat man eine solche Familiengeschichte, muss man nur noch etwas Ungarisch können. Da kommen dann die Coaches ins Spiel, die einem so viel Small-Talk-Ungarisch beibringen, wie man für das Aufnahmegespräch braucht. Beim zweiten Gespräch muss man dann die Nationalhymne singen. Das ist kein Witz.

Meine Freundin paukt jetzt also auch fleißig Ungarisch. Ich drücke ihr die Daumen. Und zur bestandenen Prüfung gibt es dann von mir eine ungarische Salami.

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