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Studentenleben live

Hinterfrage immer die Subjektivität der eigenen Meinung

Autor:
Leon

Rubrik:
studium

26.03.2013

„Och nö. Jetzt wird er aber a bissl zu philosophisch“, haben mit Sicherheit einige beim Lesen der Überschrift gedacht. Ich kann euch beruhigen, Leute, so philosophisch mein ich das gar nicht ;-) Vielmehr hat mir dieses Semester, insbesondere ein Geschichtsseminar, gezeigt, dass man seine vorgefertigte Meinung ab und zu auch mal ändern muss.

Thema des Seminars war die DDR-Staatssicherheit, der Dozent eine Koryphäe auf dem Gebiet. Jens Gieseke, Anfang der 1990er Jahren bereits als Wissenschaftler bei der Stasi-Unterlagenbehörde tätig und nun leitender Forscher am ZZF (Zentrum für Zeithistorische Forschung) in Potsdam, ist einer der Stasi-Wissenschaftler in der Bundesrepublik. Dementsprechend gut besucht war das Seminar dann auch: wir waren um die 50 Leute. Mal abgesehen von der ohnehin spannenden Thematik hat mir der Kurs vor allem eins gebracht: Sensibilität im Umgang mit Quellen. Denn Gieseke schaffte es mit seinen differenzierten Darstellungen ein ums andere Mal, zum Nachdenken anzuregen. Natürlich möchte man gerne vorbehaltlos glauben, was ein ehemaliger Gefängnishäftling aus dem Stasi-Knast in Hohenschönhausen in seinen Erinnerungen schreibt – aber kann man das auch wirklich tun? Wie gefärbt sind seine Erinnerungen? Was lässt er aus, was betont er zu stark?

Diese kritische Lesart der Quellen ist uns zwar auch schon von anderen Dozenten gepredigt worden, aber Gieseke hat es geschafft, das alles sehr plausibel und anschaulich zu vermitteln. Ganz nebenbei habe ich auch viele neue Facetten über die DDR-Diktatur und das Wirken der Stasi in ihr mitgenommen, sodass mein rein subjektives Fazit für dieses Seminar nur lauten kann: Gute Wahl, Leon!

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