interaktiv

Studentenleben live

Stöhnen für Anfänger

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

25.04.2013

Es war ein ganz gewöhnlicher Montag, abgesehen davon, dass die Sonne zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder auf unseren Betonklotz von Hochschule knallte, Menschen nach Eis verlangen ließ und noch ungebräunte Körper in Tops und kurze Hosen zwängte. Was war der Tag, an dem der Campus randvoll war, nachdem zwei Monate lang nur vereinzelt Gestalten die Bildungsstätte aufsuchten, etwa um Klausurergebnisse zu erfragen, ihren Studentenausweis zu validieren oder weil sie das Essen in der Kantine so sehr vermissten. Und es war der Tag, an dem sich „Hannah Handball“ und „Sarah Suppe“ von der Studentenbühne schlichen, als sie bemerkten, dass sie bei ihren Schauspielversuchen entweder lächerlich theatralisch oder zu sehr nach unterbelichteten Talkshowmoderatorinnen aussahen.

Es war also zunächst ein ganz gewöhnlicher Montag: Mathe-Vorlesung, Chinabox-Mittagessen, Deutsch-Vorlesung, obligatorischer Mensagang. Man hört seinen Namen, sieht die übliche Clique dort sitzen, gesellt sich dazu, redet. Wird vollgeredet und überredet. „Du brauchst doch auch ‚Grundlagen des Sprechens' und dein Stundenplan ist noch so leer. Komm doch mit zur Studentenbühne! Montags, 18 bis 21 Uhr. Da macht man Atem- und Stimmübungen und dreht einen Werbefilm oder so...“ Und dann geht man eben mal mit. Und erfährt, dass man für „Grundlagen des Sprechens“ auch weniger aufwendige Veranstaltungen wählen kann, in denen kein Theaterstück mit drei anschließenden Aufführungen geprobt wird, kein Wochenende zusätzlich zu den drei Stunden in der Woche zum Proben geopfert werden muss und so weiter. Vielleicht war das der Moment, in dem ich hätte gehen sollen, aber ich wollte nicht unhöflich sein und dachte mir, es könnte ja ganz lustig werden.

Es ging also los: Aufwärmübungen auf der Bühne, wir üben stöhnen („Das könnt ihr ja sicher alle!“) und seufzen und gurren und ich frage mich, ob Schwangerschaftsatemübungen ähnlich ablaufen. Es folgt die klischeehafte Namensspielrunde, in der jeder einen Begriff mit seinem Anfangsbuchstaben suchen muss. Dabei wird sich reihum ein Sockenpaar zugeworfen. Ich beneide „Tobi Tollpatsch“, weil er sich nicht so sehr beim Fangen bemühen muss wie ich als „Hannah Handball“ und bin froh, als es vorbei ist. Wie so oft frage ich mich, ob ich später auch solche Methoden in meiner Zeit als Lehrerin verwenden werde. Wie so oft komme ich zu keiner Antwort. Bis hierhin... merkwürdig, aber akzeptabel.

Als wir dann allerdings Zettel mit einem Text bekamen, den wir auswendig allein auf der Bühne zu einer bestimmten Gefühlslage darstellen sollten, war es wirklich vorbei. Ich habe nichts gegen Theater, ehrlich nicht. Aber es ist ein Unterschied, ob ich eine Rolle habe, ein Kostüm, weitere Rollen neben mir, die in dem geschriebenen Stück mitspielen, mit mir zusammen auf der Bühne interagieren, oder ob ich allein dort stehe, unverkleidet, mit einem Text, den ich seit fünf Minuten kenne und zu dem ich spontan mit meiner mickrigen schauspielerischen Fähigkeit eine Darstellung improvisiere, während alle anderen mich unentwegt anstarren. Nein, danke. Das musste dann echt nicht sein...

Und so blieb mein einziger filmreifer Auftritt letztlich das fluchtartige Verlassen der Aula mit der ebenfalls abgeschreckten Komplizin „Sarah Suppe“ und dem immer noch halbleeren Stundenplan.

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