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Studentenleben live

Stöhnen für Anfänger

Es war ein ganz gewöhnlicher Montag, abgesehen davon, dass die Sonne zum ersten Mal seit Ewigkeiten wieder auf unseren Betonklotz von Hochschule knallte, Menschen nach Eis verlangen ließ und noch ungebräunte Körper in Tops und kurze Hosen zwängte. Was war der Tag, an dem der Campus randvoll war, nachdem zwei Monate lang nur vereinzelt Gestalten die Bildungsstätte aufsuchten, etwa um Klausurergebnisse zu erfragen, ihren Studentenausweis zu validieren oder weil sie das Essen in der Kantine so sehr vermissten. Und es war der Tag, an dem sich „Hannah Handball“ und „Sarah Suppe“ von der Studentenbühne schlichen, als sie bemerkten, dass sie bei ihren Schauspielversuchen entweder lächerlich theatralisch oder zu sehr nach unterbelichteten Talkshowmoderatorinnen aussahen.

Es war also zunächst ein ganz gewöhnlicher Montag: Mathe-Vorlesung, Chinabox-Mittagessen, Deutsch-Vorlesung, obligatorischer Mensagang. Man hört seinen Namen, sieht die übliche Clique dort sitzen, gesellt sich dazu, redet. Wird vollgeredet und überredet. „Du brauchst doch auch ‚Grundlagen des Sprechens' und dein Stundenplan ist noch so leer. Komm doch mit zur Studentenbühne! Montags, 18 bis 21 Uhr. Da macht man Atem- und Stimmübungen und dreht einen Werbefilm oder so...“ Und dann geht man eben mal mit. Und erfährt, dass man für „Grundlagen des Sprechens“ auch weniger aufwendige Veranstaltungen wählen kann, in denen kein Theaterstück mit drei anschließenden Aufführungen geprobt wird, kein Wochenende zusätzlich zu den drei Stunden in der Woche zum Proben geopfert werden muss und so weiter. Vielleicht war das der Moment, in dem ich hätte gehen sollen, aber ich wollte nicht unhöflich sein und dachte mir, es könnte ja ganz lustig werden.

Es ging also los: Aufwärmübungen auf der Bühne, wir üben stöhnen („Das könnt ihr ja sicher alle!“) und seufzen und gurren und ich frage mich, ob Schwangerschaftsatemübungen ähnlich ablaufen. Es folgt die klischeehafte Namensspielrunde, in der jeder einen Begriff mit seinem Anfangsbuchstaben suchen muss. Dabei wird sich reihum ein Sockenpaar zugeworfen. Ich beneide „Tobi Tollpatsch“, weil er sich nicht so sehr beim Fangen bemühen muss wie ich als „Hannah Handball“ und bin froh, als es vorbei ist. Wie so oft frage ich mich, ob ich später auch solche Methoden in meiner Zeit als Lehrerin verwenden werde. Wie so oft komme ich zu keiner Antwort. Bis hierhin... merkwürdig, aber akzeptabel.

Als wir dann allerdings Zettel mit einem Text bekamen, den wir auswendig allein auf der Bühne zu einer bestimmten Gefühlslage darstellen sollten, war es wirklich vorbei. Ich habe nichts gegen Theater, ehrlich nicht. Aber es ist ein Unterschied, ob ich eine Rolle habe, ein Kostüm, weitere Rollen neben mir, die in dem geschriebenen Stück mitspielen, mit mir zusammen auf der Bühne interagieren, oder ob ich allein dort stehe, unverkleidet, mit einem Text, den ich seit fünf Minuten kenne und zu dem ich spontan mit meiner mickrigen schauspielerischen Fähigkeit eine Darstellung improvisiere, während alle anderen mich unentwegt anstarren. Nein, danke. Das musste dann echt nicht sein...

Und so blieb mein einziger filmreifer Auftritt letztlich das fluchtartige Verlassen der Aula mit der ebenfalls abgeschreckten Komplizin „Sarah Suppe“ und dem immer noch halbleeren Stundenplan.

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Apr 25, 2013
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Apr 25, 2013

Studentenleben live

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

Drei Wochen sind nun beinahe vergangen, seit ich in Münster gelandet bin. Ehrlich gesagt klingt das nach nicht viel, verglichen damit, wie wohl ich mich hier bereits fühle! Klar, es gibt noch so ein paar Faktoren, die mich regelmäßig daran erinnern, dass mich drei Wochen Münster noch nicht zum Westfalen werden lassen: Unter meinen Kommilitonen fallen wir vier, die wir aus Süddeutschland kommen, doch auf (vermutlich gibt’s noch mehr Süddeutsche, aber ich habe noch nicht alle 140 Kommilitonen kennengelernt): Mir war beispielsweise nicht bewusst, dass man hier das Wort „daheim“ zwar kennt, jedoch NIE gebrauchen würde. Und es kommt immer wieder zu teils lustigen Missverständnissen. So wurde mir beispielsweise gesagt, dass es doch sehr auffällig sei, dass ich aus Bayern komme, da ich so deutlich spräche! Ich, der aber aus Franken kommt, stellte mir kurz nürnbergerisches Fränkisch vor und dachte: „Naja, da muss man schon sehr, sehr wohlgesonnen sein, das als deutliche Aussprache durchgehen zu lassen!“ Ein paar Minuten später – ich hatte etwas bewusster auf mein eigenes Reden gehört – wurde mir klar, dass ich wohl tatsächlich ganz anders redete, als ich es daheim täte. Unbewusst hatte ich mich angestrengt, das lupenreinste Hochdeutsch zu sprechen, um nicht durch das ungeliebte „Fränggisch“ aufzufallen. Im Übrigen ist es eine echt schwierige Aufgabe, den Leuten begreiflich zu machen, dass in Nürnberg alles, nur kein Bayerisch gesprochen wird.

Bezüglich meiner Wohnungssituation hat sich auch einiges verändert: Mein eigentlich nur interimsweise bezogenes WG-Zimmer hat sich spontan und glücklicherweise in etwas langfristiges gewandelt. Meine Mitbewohnerin bleibt nun doch in Münster, um ins Referendariat zu gehen, sodass ich zumindest während der nächsten beiden Jahre definitiv eine Bleibe haben werde!

Das ist insofern toll, als ich mich jetzt voll aufs Studieren konzentrieren kann, ohne auf lästige WG-Castings rennen zu müssen! Wobei ich die Augen und Ohren schon offen halte, denn mittel- bzw. langfristig würde es mich doch freuen, ein etwas größeres Zimmer „daheim“ nennen zu können.

Autor: Johannes  |  Rubrik: studium  |  Apr 25, 2013
Autor: Johannes
Rubrik: studium
Apr 25, 2013

Studentenleben live

Leipzig — Hypzig

Leipzig ist kein verschlafenes Nest mehr, es ist auch nicht mehr eine einzige große Baustelle. Leipzig ist voller junger Leute, die hier studieren, eine Ausbildung machen oder kulturell was reißen wollen. Der Spiegel, die FAZ, die Süddeutsche usw. berichten inzwischen über die Stadt im Osten und bezeichnen sie schon mal als „Klein-Berlin“ oder „Paris des Ostens“. Mit ein paar Freunden rede ich inzwischen von „Hypzig“ – die Stadt ist hip und wird gehypt.

Ich persönlich habe den Eindruck, der Autoverkehr hat im letzten Jahr deutlich zugenommen. Leipzig ist nicht mehr ganz so verschlafen. Man sieht auch viele Autokennzeichen aus dem Westen. Vor dem Hauptbahnhof ist ein Graffiti: „Schwaben zurück nach Berlin“. Während die Berliner sich über die Eigenarten der zugezogenen Schwaben aufregen, fürchten wohl nun einige Leipziger, dass „die Schwaben“ jetzt auch über Leipzig „herfallen“. Vor drei Jahren, als ich hier in den Leipziger Westen zog, war es nicht schwer eine Wohnung oder ein WG-Zimmer zu finden. Inzwischen ist das nicht mehr so. Hier stehen nun keine Wohnungen mehr leer; wer Ostlandschaft sucht, muss noch weiter vom Zentrum weg ziehen. Was jetzt im Vergleich mit vielen anderen deutschen Städten nicht tragisch ist. Mit dem Fahrrad bin ich in zehn Minuten an der Uni und in fünfzehn in der Altstadt oder am Hauptbahnhof. In Frankfurt, München oder Berlin können sich diese Wohnlage nicht viele Studenten leisten, geschweige denn überhaupt eine freie Wohnung finden. Aber das ist eben der Unterschied – Leipzig entwickelt sich noch, die anderen Städte müssen schauen, wie sie ihren Stand halten können. Hier fängt man gerade erst an über Gentrifizierung zu reden. Einige, die von Leipzig nach Berlin gegangen sind, kommen nun doch wieder zurück – Leipzig ist eben Hypzig.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Apr 24, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Apr 24, 2013