interaktiv

Studentenleben live

Zwei Stiche, zehn Nähte

Autor:
Johannes

Rubrik:
studium

02.05.2013

Im Rahmen meines Medizinstudiums durfte ich zu Beginn Seminare wählen, die mir auch während der Vorklinik wenigstens ein bisschen ärztliches Handeln und medizinischen Bezug vermitteln sollten. Denn wenn ich ehrlich bin, merke ich nicht wirklich, dass ich Medizin studiere. Gut, Gesprächsthemen mit Kommilitonen drehen sich schon oft um medizinische Themen und auch in Anatomie lernt man etwas über den menschlichen Körper. Aber die wirklichen medizinischen Inhalte sucht man in der Vorklinik (der Abschnitt bis einschließlich des vierten Semesters) vergebens. Genau das war wohl der Grund, eben jene Seminare einzuführen: Den Leuten vor Augen zu halten, wofür sie sich durch Chemie, Physik und Biologie „quälen“.

So bin ich im Seminar „hausärztliche Versorgung“ gelandet. Gut, auf den ersten Blick scheint das wenig interessant im Vergleich zu „Neurochirurgie“ und „Herz-OP“. Aber im Gegensatz zu den Kommilitonen aus diesen Seminaren dürfen wir nicht nur zusehen, sondern eben auch Hand anlegen. In jeweils dreistündigen Seminaren haben wir Dinge wie das Abhören von Lunge und Herz, Abkratzen der Leber, Reflex-Auslösungen, Pupillen-Reflex-Untersuchungen und dergleichen mehr gelernt. Das absolute Highlight allerdings war der Besuch einer Landarzt-Praxis: Der Arzt hatte sich einen kompletten Nachmittag für uns frei genommen um uns das Blutabnehmen, EKG-Anlegen und Nähen von Wunden beizubringen. Dafür hatte die Praxis von einer benachbarten Fleischerei elf Schweinepfoten organisiert, an denen wir verschiedene Nahttechniken üben konnten. Das Equipment, sprich Fäden, Nadeln, Spritzen und Skalpelle wurden selbstverständlich gestellt, sodass wir direkt loslegen konnten. Nach einiger Zeit hatte man sich auch an die etwas andere Handhabung verschiedener Pinzetten und „Zangen“ gewöhnt, sodass die folgenden zehn Rückstichnähte doch recht fix vonstattengingen.

Anschließend ging es zur Blutabnahme. Geplant waren Zweiergruppen, letztlich lief es aber darauf hinaus, dass ich meinen Arm zweimal opfern musste (meine Venen stellten sich als ziemlich „idiotensicher“ heraus, da es fast unmöglich war, diese zu verfehlen). Glücklicherweise haben wir das all sehr gut hinbekommen, sodass keiner Schmerzen hatte. Ich finde: Das war das Highlight des Semesters!

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