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Fahrradstadt Leipzig

Autor:

Rubrik:
studium

21.05.2013

Ich kenne keine andere Großstadt in Deutschland, in der so viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs sind. Gut, die Stadt ist flach und es pendeln hier bei weitem nicht so viele Leute zur Arbeit her wie etwa nach Frankfurt am Main. Auch ist die Liebe zu Fahrrädern hier auch bei älteren Semestern ziemlich ausgeprägt. Sowieso macht die Stadt viele Dinge richtig. Gerade in den letzten paar Jahren habe ich mitbekommen, wie vielerorts, aber gerade auch in der Innenstadt, einige Autoparkplätze in Fahrradstellplätze umgewandelt wurden. Statt nur einem Auto können dort nun etwa zehn Räder angeschlossen werden. Und auch dort, wo vorher keine Autos parken durften, wurden Bügel in den Boden eingelassen, an denen man ein Rad anschließen kann.

Die Uni Leipzig hat auf ihrem Campus inzwischen zwei große Fahrradgaragen, in denen zusammen fast 2.000 Räder doppelstöckig im Trockenen stehen können. Ich kenne keinen Prof, keinen Dozenten oder Doktoranden, der nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Uni käme. Im Winter steigen natürlich viele auf die Straßenbahn um, aber gut die Hälfte des Jahres wimmelt es in der Stadt nur so von Fahrradfahrern. Regelmäßig finden kleinere und größere Fahrraddemonstrationen statt, bei denen wir im großen Pulk die ein oder andere Hauptstraße entlang fahren und zeigen, wie viele wir sind. Viele dieser Hauptstraßen haben nun dicke, weiße durchgehende Streifen auf der Fahrbahn, die den Autos nur noch eine Spur lassen – und den Radfahrern die andere.

Natürlich kommen bei so vielen Rädern in der Stadt auch einige in Versuchung, und nur wenige, die hier schon etwas länger wohnen, haben immer noch ihr erstes Rad. Auch mir wurden schon zwei Räder gestohlen. Leipzig gilt als Hauptstadt der Fahrraddiebe. Bei den meisten Fahrradversicherungen muss man seine Postleitzahl angeben. Aufgrund der Diebstahlstatistiken errechnen diese dann den monatlichen Versicherungsbeitrag. Der ist hier besonders hoch. Ich würde mir gerne wieder ein gutes Rad zulegen, aber es lohnt sich einfach nicht. Jedes Schloss ist zu knacken. Und ich will mir nicht ständig Sorgen machen müssen. Trotzdem ist Fahrradfahren hier Kult und das finde ich prima!

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