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Studentenleben live

Lieber das Hirn ausschalten

Letzte Woche berichtete mir meine Mitbewohnerin von einer Infoveranstaltung für zukünftige Juristinnen. Es gibt verschiedenste Aktionen, um Frauen eine Karriere schmackhaft zu machen. Denn noch immer ist es so, dass zum Beispiel in Jura circa 50 Prozent der Studierenden Frauen sind, je weiter man aber nach oben schaut (Doktorandinnen, Habilitandinnen, Professorinnen), um so weniger werden es.

Daher waren zwei Frauen aus einer Spitzenkanzlei bei der Veranstaltung zu Gast. Es ging viel um den Arbeitsalltag, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, wie viel Freizeit man hat und so weiter. Eine wichtige Frage allerdings schien noch unausgesprochen im Raum zu schweben. Wie es sich in einer Spitzenkanzlei aushalten lässt, deren Kunden nicht auf Ökobauernhöfen ihr großes Geld machen, sondern, sagen wir mal, in der Rüstungsindustrie oder mit Atomstrom. Da sich anscheinend niemand diese Frage stellte, oder sich vielleicht nicht traute, die Juristinnen auf Moral und Gewissen anzusprechen, fasste sich meine Mitbewohnerin ein Herz.

Kommt es vor, dass Sie Anfragen von Kunden kriegen, die Sie nicht vertretbar finden? Gegenfrage der Juristin: juristisch oder ethisch?
Ethisch gesehen, natürlich. Darauf die trockene, vielleicht auch resignierte, für mich aber alarmierende Antwort: Wenn man über solche Fragen in diesem Beruf nachdenken würde, könnte man ihn nicht ausüben.

Aha. Wer also in einer Spitzenkanzlei arbeiten will, muss sein Gehirn im gegebenen Fall ausschalten und stur juristisch bearbeiten, was auf seinen oder ihren Schreibtisch kommt? Und wie kann es sein, dass Menschen mit einem top Uniabschluss nie über ihr Tun reflektieren?

Ich bin mir sicher, dass sich ihr Hirn und Gewissen schon manchmal melden und sagen: Mensch, Mädel, was machst du da? Aber man kann solche Überlegungen natürlich auch unterdrücken und sich sagen: Ich mache ja wie alle anderen nur meinen Job. Schade.

 

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Jun 21, 2013
Autor: Rose
Rubrik: studium
Jun 21, 2013

Studentenleben live

200 Kilometer zur Vorlesung

Seit Anfang dieses Semesters fahre ich jeden Montag von Leipzig nach Berlin zu einer Vorlesung. An der Universität der Künste in Berlin lehrt ein Professor für Kulturphilosophie. Was er zu sagen hat, begeistert mich so sehr, dass ich die Mühen nicht scheue, für 90 bis 100 Minuten Vorlesung mindestens zwei, bis dreimal so lange unterwegs zu sein. Was er zu sagen hat, kann man nicht irgendwo nachlesen. Er bezieht sich auf ganz aktuelle Dinge, die in unserer Gesellschaft passieren. Man könnte meinen, er liest aus den Manuskripten zu seinen Büchern. Doch seine Ideen sind scheinbar noch nicht druckreif und in der Vorlesung macht er sich Gedanken über seine Gedanken – das nenne ich richtiges Philosophieren.

Er philosophiert über Google Glass (ein Miniaturcomputer, der wie eine Brille getragen wird), verschiedene Facebook-Anwendung, über die RTL-Sendung „Die Geissens“, über Bestseller wie „Shades of Grey“, über die Selbstausbeutung der „kreativen Klasse“, über die Piratenpartei und viele andere Dinge unserer alltäglichen Massen- und Medienkultur, mit der auch jemand, der Platon, Kant und Wittgenstein nicht gelesen hat, etwas anfangen kann.

Manche werfen ihm vor, zu vage und unkonkret zu sein. Doch er verteidigt sich. Gerade der Philosoph als Erkunder von unbekanntem Terrain muss wagemutig und spekulativ im Denken sein, um Neuland zu betreten. Er beansprucht, nicht die Wahrheit gefunden zu haben, aber er traut sich, Dinge zu sagen und Fragen zu stellen, die nicht unbedingt politisch korrekt sind – etwa: „Sitzt Gott nun in den Überwachungskameras?“

Auf der Hinfahrt im Zug oder im Fernbus oder mit einer Mitfahrgelegenheit lese ich dann noch einmal die Mitschriften zur vorherigen Vorlesung und auf der Rückfahrt noch einmal die neuen Notizen. Hier wird Philosophie zum Erlebnis.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Jun 20, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Jun 20, 2013

Studentenleben live

Ein Stückchen mehr Modernität könnte nicht schaden

Der Unterschied zwischen den Vorlesungen in meinen beiden Fächern Politik und Geschichte ist schon beachtlich. Nein, die fachliche Qualität der Dozenten am Historischen Institut ist durchweg gut bis hervorragend. Vielmehr ist es die technische Aufbereitung, die erhebliche Differenzen aufweist. Auf der einen Seite die Politik-Vorlesungen, die allesamt mit Powerpoint und der Online-Plattform „Moodle“ arbeiten, und auf der anderen Seite die auf den Professor und in seltenen Fällen den Overhead-Projektor beschränkten Geschichts-Vorlesungen. Diesen technischen Unterschied können zwar einige Dozenten mit ihrer lebendigen Vortragsweise auffangen, die Nachbereitung der Sitzungen fällt in Politik jedoch wesentlich einfacher, da die Vorlesungsfolien einfach im Internet abgerufen werden können.

Doch selbst dieser Weg der Wissensaufnahme ist aus meiner Sicht noch nicht ganz perfekt. Denn: Sollte man mal nicht an der Vorlesung teilgenommen haben, hat man einzig die Powerpoint-Folien als Grundlage. Was fehlt, sind die erklärenden Worte des Dozenten, der etwa ein erläuterndes Beispiel gibt oder die Erkenntnisse der Grafik XY darlegt. So gut dieser Weg der Archivierung ist, er hat eben auch seine Tücken.

Meine Idee, um das Ganze moderner und besser zu gestalten, wäre daher, die Vorlesung per Video aufzuzeichnen und die Datei dann anschließend auf die schon existierende Plattform im Netz hochzuladen. Dies bietet den Vorteil, oben genannte Erläuterungen des Professors mit in die Nachbereitung einbeziehen zu können. Technisch wäre das zu schaffen, allein der Mut zum Schritt in die Moderne müsste gewagt werden. Meine Unterstützung hätte dies allemal!

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Jun 18, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Jun 18, 2013