interaktiv

Studentenleben live

Von manischen Zählfreaks

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

29.07.2013

In diesem Semester ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, woher die Pädagogische Hochschule ihr Bastel-Uni-Image hat. Bisher hatte ich immer relativ anspruchsvolle Vorlesungen – Psychologie, Pädagogik, Philosophie, Sprachwissenschaft, etc. In diesem Semester standen erstmals Didaktik-Veranstaltungen auf dem Plan. Und da ging es dann los. Irgendwie merkte ich zunehmend, wie Dozenten diese typische Lehrermentalität aufwiesen und versuchten, uns Vorlesungsgegenstände schmackhaft zu machen. Allein, dass unser Mathebuch „Erlebnis Arithmetik“ heißt und wir regelmäßig „Erkundungsaufgaben“ erhalten, fand ich albern. Als eine Aufgabe im Thema Kombinatorik dann auch noch mit „Jana ist Eisfan und manischer Zählfreak“ begann, merkte ich wieder, wie lächerlich es ist zu versuchen, aus abstrakten Sachverhalten irgendwelche Anwendungsaufgaben abzuleiten. Und um studentischen Einwänden à la„Wer zählt denn bitte, wieviele Kombinationen von Eiskugeln es gibt? Man nimmt die, die man mag und fertig.“ gleich etwas entgegensetzen zu können, erfindet man dann „manische Zählfreaks“, alles klar.

In Deutschdidaktik schrieben wir währenddessen Steckbriefe über Braunbären und Maikäfer, um diese wertvolle Methode für den Unterricht in der Primarstufe noch einmal zu verinnerlichen. Highlight hier war der Kommentar unserer Dozentin: „Sie sehen hier dann, dass das Feld für den Beruf beim Braunbären nun nicht so relevant ist!“ - ich war sprachlos. Als wir irgendwann von ebendieser Dozentin eine Mail bekamen, in der wir aufgefordert wurden, zur nächsten Sitzung bitte Schere und Kleber mitzubringen, wunderte mich bereits nichts mehr.

Das Erschreckende an diesem Phänomen ist jedoch etwas ganz anderes: Ein paar meiner Kommilitonen scheinen eine solche Behandlung offensichtlich nötig zu haben. Wenn ich mitbekomme, dass manche ihre Online-Aufgaben wörtlich aus Wikipedia kopieren, obwohl es eine zur Verfügung gestellte Literaturquelle gibt, anhand derer es wirklich ein Leichtes ist, die Fragestellungen zu bearbeiten, oder wenn ich erfahre, dass es Personen gibt, die sich beschweren, wenn in einem Fach nicht exakt die Klausur vom Vorjahr, auf die sie sich vorbereitet haben, drankommt, dann kann ich einfach nur den Kopf schütteln.

Vielleicht kennen die Dozenten ihre Studierenden einfach gut genug, um zu wissen, dass ein großer Teil noch viel zu sehr Schüler ist und zu wenig Student. Ich frage mich nur immer, wie diejenigen, die schon mit der Selbstständigkeit im Studium Probleme haben, auf die Idee kommen, Lehrer werden zu wollen.

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