interaktiv

Studentenleben live

Wie alles begann

Autor:
Mia

Rubrik:
studium

08.08.2013

Als ich etwa 15 Jahre alt war, hab ich mal meinen großen Bruder in Tübingen besucht, um mir ein Bild vom Studentenleben zu machen, das er als Geisteswissenschaftler dort führte. Ziemlich angetan vom Charme kleiner WG-Küchen und geistreicher Schwafelgespräche, konnte ich es kaum abwarten, mit der Schule fertig zu werden und auch den Weg an die Hochschule einzuschlagen. Nach dem Abi war es endlich soweit und ich war schier erschlagen von den sich bietenden Möglichkeiten. Wie so viele, wusste ich nicht so genau, welches das richtige Studium für mich sein könnte. Auch wenn die Kommilitonen (auch heute noch ein sehr schwieriges Wort) meines Bruders über ganz schön kluge Sachen philosophiert haben, ging mir das hochtrabende Gerede schon beim zweiten Besuch auf den Keks. Geisteswissenschaften sollten es also nicht sein. Nachdem ich in meiner Traumberufsliste von Pharmazie über Kunst, Musik, Lehramt und Medizin doch so einiges an Ideen hatte und auch schon ein paar Ablehnungen kassiert habe musste, kam mir die Idee, aus dem ganzen Bildungszirkus auszusteigen und für sieben Monate in Kenia mehr über die Welt und mich selbst bei einem freiwilligen Projekt zu erfahren. Das war eine sehr lehrreiche Zeit, die mir einerseits zeigte, wie bunt und anders die Welt sein kann, und mich anderseits lehrte, dankbar zu sein für das Privileg, überhaupt studieren zu können. Bei derselben Gelegenheit konnte ich auch noch erleben, dass Grundschullehrerin nicht gerade der Beruf ist, für den ich gemacht bin.

Zurück in Deutschland, bin ich dann eigentlich mehr aus Zufall auf meinen jetzigen Studiengang Geoökologie gestoßen. Ich bereitete mich gerade gleichzeitig auf eine Kunstprüfung und ein Medizinpraktikum vor. Um im Falle eines Falles dann zumindest irgendwo unterzukommen bewarb ich mich auch noch breit auf viele andere Studiengänge. Bei einer dieser „Absicherungsbewerbungen“ stieß ich auf den Studiengang „Geoökologie“, und obwohl ich den dicken Studiengangführer gefühlt auswendig konnte, hatte ich das wohl übersehen. Der Wikipedia-Artikel dazu klang vielversprechend. Von dem Auswahlgespräch, zu dem ich eigentlich nur ging, um meinen guten Willen zu zeigen, kehrte ich begeistert zurück. Und nach nochmaligem in mich gehen, war dann klar, dass ich mich über eine Zusage freuen würde.

Mittlerweile studiere ich sein vier Semestern und das schon an der zweiten Uni. Ich weiß schon ziemlich viel darüber, was Geoökologen so machen, und bin überzeugt, den richtigen Studiengang gefunden zu haben. Meine Studienzeit ist bis jetzt ganz anders, als das, was ich mir damals mit 15 vorgestellt habe.

In meinem Alltag erlebe ich viel Schönes und Interessantes, aber auch weniger spannende Vorlesungen und nervige bürokratische Hürden. Mein Mitbewohner meinte einmal morgens zu mir, als ich versuchte, irgendwie schlüssig zu argumentieren, dass Regenwetter doch ein Grund sei, nicht zur Vorlesung zu gehen: „Mia, jetzt fängst du an, richtig zu studieren“. Egal wie verwerflich die Aussage war, wir führten dieses Gespräch in unserer gemütlichen WG-Küche.

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