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Einblicke in das Kuwi-Studium — Mary Douglas

Autor:
Miriam

Rubrik:
studium

15.08.2013

Ein wichtiger Grundlagentext der Kulturwissenschaft ist für mich „Reinheit und Gefährdung“ von Mary Douglas. Darin beschreibt sie unter anderem wie kulturelle Muster uns prägen, und zeigt, dass Kultur auf Symbolen beruht. Diese ordnen alles, was wir wahrnehmen, in Kategorien ein, damit wir uns leichter orientieren können. Phänomene, die nicht in die bestehenden Ordnungssysteme passen, werden entweder als negativ oder gar nicht wahrgenommen.

So ist zum Beispiel das Empfinden von Unreinheit stets vor dem Hintergrund eines bestimmten Denkmusters zu sehen, das in uns wirkt. Sind Schuhe auf dem Tisch, reagieren wir in der Regel angeekelt. Stehen sie jedoch vor der Tür, sind sie neutral. Dass wir so empfinden, liegt daran, dass uns die Kultur gelehrt hat, in welchem Kontext Schuhe schmutzig und eklig sind und in welchem nicht. Die Schuhe sind dabei immer dieselben. Empfinden wir etwas als Schmutz, sind die Grenzen unserer inneren Ordnung übertreten worden, etwas befindet sich nicht am richtigen Platz.

Als weiteres Beispiel führt Mary Douglas die Speisegesetze des dritten und fünften Buch Mose an. Viele meinen, dass diese auf medizinische Gründe zurückzuführen sind. Die Erkenntnisse darüber entstanden aber erst nach Aufstellung der Gebote. Deshalb meint Douglas, dass es sich dabei um ein symbolisches System handelt. Untersucht man die Speisegesetze, so fällt auf, dass Tiere in Paarhufer und Nicht-Paarhufer sowie in Wiederkäuer und Nicht-Wiederkäuer eingeteilt werden. Ist ein Tier nicht eindeutig zuzuordnen, ist es nicht koscher. Schweine etwa, da sie nicht widerkäuen und trotzdem gespaltene Hufe haben. Pferde wiederum käuen zwar wieder, haben aber keine gespaltenen Hufe; sie sind damit also auch nicht koscher.

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