interaktiv

Studentenleben live

Rentnertreff Möbelhaus

Autor:
Rose

Rubrik:
studium

21.08.2013

Als Studi bekommt man leider herzlich wenig davon mit, wo sich Rentner in dieser Stadt treffen.

Was macht man eigentlich, wenn man pensioniert ist und keinen Garten, Hund, oder Enkelkind hat, worum man sich kümmern kann? Das Theater ist natürlich ein Treffpunkt für graues Haar, aber dank der guten Studentenangebote sind auch immer mal wieder farbige Schöpfe zu sehen.

Seit ich letzte Woche mit meiner alten Dame (wie ich sie immer nenne) im Möbelhaus war, ist mir einiges klar geworden. Meine alte Dame habe ich über eine Vermittlungsbörse der Caritas gefunden, die einsame ältere Menschen und Freiwillige vermittelt. Seitdem besuche ich sie einmal die Woche – außer ich habe gerade viele Klausuren – und bekomme Einblick in den Alltag ganz normaler Rentner in Freiburg.

Der Rentner von heute trifft sich, um bei Möbelhäusern wie Ikea, Möbel Braun oder wie sie alle heißen, Schnitzel zu essen! Es war 11:20 Uhr und die Leute standen Schlange, um PÜNKTLICH um 11:30 Uhr ihr Schnitzel mit einem riesigen Berg Pommes und brauner Bratensoße auf ihrem Teller liegen zu haben. Wer regelmäßig im Möbelhaus gekauft hatte, hatte auch einen Gutschein nach Hause geschickt bekommen, sodass die riesige Portion nur noch drei Euro nochwas kostete. Dafür lohnt sich also der Weg bis ins Industriegebiet an den äußersten Rand der Stadt in ein doch sehr hässliches Möbelhaus, in das ich nur gehe, wenn ich wirklich dringend Möbel brauche. Für manche lohnt sich anscheinend sogar der Weg über die Grenze. Alle Durchsagen waren auch auf Französisch! Naja, warum auch nicht? Für die Möbelhäuser scheint es sich ja zu rentieren. Vielleicht nehmen die Schnitzelesser auch noch ein Kommödchen oder ein Tischchen mit nach Hause. Oder einen der unzähligen Dekoartikel, die kein Mensch braucht, liebevoll auch Staubfänger genannt.

Wir belauschten folgendes Gespräch. Sie zu ihm: „Ist das nicht schön? Das muss ich haben!“ Dabei deutete sie auf ein langes Filzband in grasgrün, an dem ein weißes Herzchen aus Ton hing. Er zu ihr: „Den Scheiß kaufst du doch jetzt nicht wirklich!“ Wie es ausgegangen ist, weiß ich nicht, denn wir wollten uns unser Eis abholen. Für einen Eisgutschein hat es nämlich auch bei unserer Kaufkraft gereicht. Sogar mit Sahne!

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