interaktiv

Studentenleben live

Reggae vs. Arithmetik

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

29.08.2013

Und irgendwann gibt es diesen Moment, in dem dein Kopf schweigend „Wer hat an der Uhr gedreht?“ summt, während alles in dir weiß: Ja, verdammt, es ist wirklich schon so spät! Plötzlich kollidieren alle Objekte deines Zeitplans miteinander, obwohl vorher doch alles so logisch und kalkuliert schien, und in Gedanken versuchst du einzelne Elemente aus dem System zu verbannen.

Bei mir ging es zunächst um die Matheklausur, einen Essaywettbewerb zum Thema Zivilcourage mit einem außerordentlich hohen Preisgeld und meine Karte für ein Reggae-Festival am Chiemsee. Der Wettbewerb ließe sich wohl am einfachsten aus dem Kalender streichen, aber ich habe dafür doch schon Bücher ausgeliehen, alles fein säuberlich recherchiert und mir fast mehr Mühe gegeben als bei meiner Hausarbeit – das darf ich doch jetzt nicht halbfertig hinwerfen, nur weil der Einsendeschluss neun Tage vor der Matheklausur liegt! Letztere könnte ich ebenso leicht auf das nächste Semester verschieben, aber dann hätte ich die Vorlesungen jetzt ganz dezent umsonst besucht und dürfte mich im nächsten Semester nochmal mit allem auseinandersetzen – außerdem hatte ich mich mental schon fast darauf vorbereitet. Beim Festival dagegen überlegte ich wirklich einmal länger. Wir wurden dort als Lotsen aufgenommen und somit war es nicht nur ein Wochenende, sondern es ging um sechs Tage, die ich dafür opfern sollte. Und das, obwohl Reggae gar nicht meine favorisierte Musikrichtung ist und ich einfach nur Lust auf Festival-Feeling hatte? Hm.

Letztendlich habe ich es getan. Und ich muss sagen: Das war es wert. Falls irgendjemand von euch mal kein Geld für ein Festivalticket haben sollte, bewerbt euch als Lotsen, wirklich! Es gibt einen extra Campingplatz, Duschen- und Toilettennutzung bei der Crew, Cateringservice zu bezahlbaren Preisen, insgesamt rund 24 Stunden Arbeit, die sogar Spaß macht und flexibel eingeteilt werden kann! Ich wurde im Verkehr, am Einlass und am Infopoint eingesetzt, war wirklich witzig und selten anstrengend – habe lange nicht mehr so oft „Wer bin ich?“ gespielt.

Ich fasse zusammen: Es war 'ne tolle Zeit. Tragischerweise eben Zeit, die ich eigentlich zum Lernen gebraucht hätte. Man darf also gespannt bleiben, ob mir die Tage bis zur Mathe-Klausur noch reichen werden, um auch bei der Ergebnisvergabe noch sagen zu können, dass ich die „richtigen“ Entscheidungen getroffen habe. Immerhin zählt die Mathe-Note erstmals sogar ins Staatsexamen... Wir werden sehen!

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