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Studentenleben live

Alle wollen nach Leipzig

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Rubrik:
studium

30.08.2013

An der Uni Leipzig haben sich fürs neue Semester so viele Studenten beworben wie noch nie. Über 23.000 stehen auf der Warteliste. Auch auf mein Studienfach Kulturwissenschaften ist der Andrang hoch. Aber auch auf die KMW – Kommunikations- und Medienwissenschaften – und Psychologie. Zum ersten Mal wurde selbst für das Großfach Jura ein NC eingeführt.

Als ich nach Leipzig kam, war ich der einzige aus meinem Abi-Jahrgang, der in den Osten ging. Viele Bekannte meinten damals: „Leipzig, wo liegt denn das genau?“, oder: „Wenn Du in den Osten gehst, dann doch nach Berlin!“. Inzwischen stammen über die Hälfte der Bewerbungen aus den alten Bundesländern. Das Rektorat meint, das liege an ihrer Werbeaktion „Studieren in Fernost“, aber das glaube ich nicht. Es hat sich wahrscheinlich einfach rumgesprochen, dass Leipzig eine schöne Stadt ist, dass man hier günstig wohnen kann und kulturell und musikalisch was los ist. Das ist doch für die meisten Erstis das wichtigste.

Ja, Leipzig hat sich auch ganz schön verändert in den letzten vier Jahren. Viele Häuser wurden saniert, viele Baulücken werden gerade geschlossen. Einige Bioläden haben aufgemacht. Der neue Campus der Uni ist fast fertig. Aber wenn ich mit dem Rad mal in die etwas abgelegenen Viertel fahre, wirkt es immer noch wie eine andere Welt, da sind noch viele Leute, die vom Aufbau Ost und vom Hype um Leipzig noch nichts mitbekommen haben. Leipzig ist eben auch eine Stadt mit überproportional vielen Hartz-IV-Empfängern, großen Drogenproblemen und Fahrraddieben. Trotzdem: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“ So sprach einer der Studenten in Goethes Faust in Auerbachs Keller und so ähnlich sehe ich es auch.

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