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Studentenleben live

Körper und Geschlecht

Besonders faszinierend finde ich, was ich in meinem Studium über die Themen Körper und Geschlecht gelernt habe. Ich versuche, das mal zusammenzufassen:

Wir empfinden unseren Körper als zutiefst natürlich. Dabei ist er ebenso technisch als auch vor allem kulturell geprägt (Ekel zum Beispiel ist kulturell anerzogen und es gibt keine natürliche Sprache der Gesten, die für alle gilt).

Ein zentraler Körperdiskurs betrifft die Geschlechter. Die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich wird universal getroffen, jedoch verfestigten sich die Geschlechtergrenzen in Europa seit der Antike zunehmend. In der Antike wurden Frauen noch als nach innen gestülpte Männer gesehen, danach wurde nach der Vier-Säfte-Lehre unterschieden, bei der die Grenzen nicht starr festgelegt waren. In der Medizin wurde bis ins 19. Jahrhundert das Geschlecht bei der Geburt anhand von Keimdrüsen bestimmt, es galt dann bis zur Volljährigkeit. Heute weiß man, dass man nicht nur den Körper mit seinen biologischen Anlagen, sondern den ganzen Mensch betrachten muss. Das wird auch dadurch deutlich, dass es beispielsweise im Englischen zwei Wörter für Geschlecht gibt: sex (biologisches Geschlecht) und gender (empfundenes/gewähltes/erzogenes Geschlecht).

Während in Europa „gender crossing“ ein bizarres Randphänomen ist, wurde es etwa in Nordamerika bei den Zuni-Indianern im 16. Jahrhundert institutionalisiert. Männer und Frauen konnten das andere Geschlecht zu Teilen oder ganz annehmen. Ebenso bei den Geschworenen Jungfrauen auf dem Balkan, die aus sozialen Gründen (beispielsweise einem fehlenden männlichen Erben in einer patriarchalischen Gesellschaft) den Habitus und die Rolle eines Mannes annehmen.

Geschlechtergrenzen sind also nicht so fest, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag, und einige Verhaltensweisen, die uns angeblich als weiblich oder männlich auszeichnen, sind nur kulturell erlernt worden.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Sep 2, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Sep 2, 2013

Studentenleben live

Alle wollen nach Leipzig

An der Uni Leipzig haben sich fürs neue Semester so viele Studenten beworben wie noch nie. Über 23.000 stehen auf der Warteliste. Auch auf mein Studienfach Kulturwissenschaften ist der Andrang hoch. Aber auch auf die KMW – Kommunikations- und Medienwissenschaften – und Psychologie. Zum ersten Mal wurde selbst für das Großfach Jura ein NC eingeführt.

Als ich nach Leipzig kam, war ich der einzige aus meinem Abi-Jahrgang, der in den Osten ging. Viele Bekannte meinten damals: „Leipzig, wo liegt denn das genau?“, oder: „Wenn Du in den Osten gehst, dann doch nach Berlin!“. Inzwischen stammen über die Hälfte der Bewerbungen aus den alten Bundesländern. Das Rektorat meint, das liege an ihrer Werbeaktion „Studieren in Fernost“, aber das glaube ich nicht. Es hat sich wahrscheinlich einfach rumgesprochen, dass Leipzig eine schöne Stadt ist, dass man hier günstig wohnen kann und kulturell und musikalisch was los ist. Das ist doch für die meisten Erstis das wichtigste.

Ja, Leipzig hat sich auch ganz schön verändert in den letzten vier Jahren. Viele Häuser wurden saniert, viele Baulücken werden gerade geschlossen. Einige Bioläden haben aufgemacht. Der neue Campus der Uni ist fast fertig. Aber wenn ich mit dem Rad mal in die etwas abgelegenen Viertel fahre, wirkt es immer noch wie eine andere Welt, da sind noch viele Leute, die vom Aufbau Ost und vom Hype um Leipzig noch nichts mitbekommen haben. Leipzig ist eben auch eine Stadt mit überproportional vielen Hartz-IV-Empfängern, großen Drogenproblemen und Fahrraddieben. Trotzdem: „Mein Leipzig lob ich mir! Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute.“ So sprach einer der Studenten in Goethes Faust in Auerbachs Keller und so ähnlich sehe ich es auch.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Aug 30, 2013
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Rubrik: studium
Aug 30, 2013

Studentenleben live

Reggae vs. Arithmetik

Und irgendwann gibt es diesen Moment, in dem dein Kopf schweigend „Wer hat an der Uhr gedreht?“ summt, während alles in dir weiß: Ja, verdammt, es ist wirklich schon so spät! Plötzlich kollidieren alle Objekte deines Zeitplans miteinander, obwohl vorher doch alles so logisch und kalkuliert schien, und in Gedanken versuchst du einzelne Elemente aus dem System zu verbannen.

Bei mir ging es zunächst um die Matheklausur, einen Essaywettbewerb zum Thema Zivilcourage mit einem außerordentlich hohen Preisgeld und meine Karte für ein Reggae-Festival am Chiemsee. Der Wettbewerb ließe sich wohl am einfachsten aus dem Kalender streichen, aber ich habe dafür doch schon Bücher ausgeliehen, alles fein säuberlich recherchiert und mir fast mehr Mühe gegeben als bei meiner Hausarbeit – das darf ich doch jetzt nicht halbfertig hinwerfen, nur weil der Einsendeschluss neun Tage vor der Matheklausur liegt! Letztere könnte ich ebenso leicht auf das nächste Semester verschieben, aber dann hätte ich die Vorlesungen jetzt ganz dezent umsonst besucht und dürfte mich im nächsten Semester nochmal mit allem auseinandersetzen – außerdem hatte ich mich mental schon fast darauf vorbereitet. Beim Festival dagegen überlegte ich wirklich einmal länger. Wir wurden dort als Lotsen aufgenommen und somit war es nicht nur ein Wochenende, sondern es ging um sechs Tage, die ich dafür opfern sollte. Und das, obwohl Reggae gar nicht meine favorisierte Musikrichtung ist und ich einfach nur Lust auf Festival-Feeling hatte? Hm.

Letztendlich habe ich es getan. Und ich muss sagen: Das war es wert. Falls irgendjemand von euch mal kein Geld für ein Festivalticket haben sollte, bewerbt euch als Lotsen, wirklich! Es gibt einen extra Campingplatz, Duschen- und Toilettennutzung bei der Crew, Cateringservice zu bezahlbaren Preisen, insgesamt rund 24 Stunden Arbeit, die sogar Spaß macht und flexibel eingeteilt werden kann! Ich wurde im Verkehr, am Einlass und am Infopoint eingesetzt, war wirklich witzig und selten anstrengend – habe lange nicht mehr so oft „Wer bin ich?“ gespielt.

Ich fasse zusammen: Es war 'ne tolle Zeit. Tragischerweise eben Zeit, die ich eigentlich zum Lernen gebraucht hätte. Man darf also gespannt bleiben, ob mir die Tage bis zur Mathe-Klausur noch reichen werden, um auch bei der Ergebnisvergabe noch sagen zu können, dass ich die „richtigen“ Entscheidungen getroffen habe. Immerhin zählt die Mathe-Note erstmals sogar ins Staatsexamen... Wir werden sehen!

Autor: Hannah  |  Rubrik: studium  |  Aug 29, 2013
Autor: Hannah
Rubrik: studium
Aug 29, 2013