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Studentenleben live

Wer wohl heute bei mir wohnt?

Wohnheime sind eine praktische Wohnform. Man muss sich um fast nichts kümmern: man hat eine Warmmiete, die Mülltonnen stehen einfach vor der Tür und wenn etwas kaputt ist, kann man dem Hausmeister einen Zettel in den Briefkasten werfen. Spätestens zwei Tage später kommt er dann vorbei und repariert es. Dafür muss man leider auch akzeptieren, dass viele Dinge über den eigenen Kopf hinweg entschieden werden. Jedes Mal in den Semesterferien ist es eine Überraschung, welcher ERASMUS-Studi oder Sprachschüler wohl jetzt bei uns wohnt. Es gibt ein Zimmer in unserer Fünfer-WG, das für ausländische Studierende reserviert ist. Das ist für sie natürlich eine gute Sache, so können sie vielleicht aus der ERASMUS-Blase entkommen und leichter deutsche Freunde finden. Wenn man aber in den Semesterferien länger weg war und wieder nach Hause kommt, muss man sich fragen: Wer wohl heute bei mir wohnt? Er oder sie steht nämlich unvermittelt im Flur und versucht uns in mal besserem, mal schlechterem Englisch oder auf Deutsch klarzumachen, dass er oder sie jetzt hier wohnt. Das erste Mal war ich noch überrascht, als Paco aus Spanien in das (wie ich dachte) freie Zimmer spazierte. Inzwischen nehme ich es einfach hin, dass hier ständig neue Leute einziehen. Im August stand zum Beispiel Duncin aus den USA bei mir im Gang und wollte für vier Wochen bei uns wohnen. Warum nicht? Es wird schon mit dem Hausmeister abgesprochen sein, sonst hätte er ja keinen Schlüssel für den Raum. Duncin war mit einer Gruppe anderer Amerikaner hier, um das umweltbewusste deutsche Leben kennenzulernen, mit öffentlichem Nahverkehr, Solarenergie, Mülltrennung und Pfandsystem. Erstaunlich, dass Menschen aus einem der modernsten Länder der Welt zu uns kommen, um etwas zu lernen. Manchmal kommen auch Studis, die Sprachkurse belegen, Fortbildungen machen oder Praktika absolvieren.

Die Abwechslung ist schön und es wird einem nie langweilig, aber manchmal frage ich mich, ob ich es merken würde, wenn einfach irgendjemand behaupten würde, unser neuer Mitbewohner zu sein. Wahrscheinlich nicht.

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Sep 5, 2013
Autor: Rose
Rubrik: studium
Sep 5, 2013

Studentenleben live

MMS - Mein Master-Stundenplan

Er kam heute per E-Mail. Da wir in meinem Studiengang nur sehr überschaubare 35 Studenten sind, läuft quasi alles von allein. Eine Kursregistrierung wie noch im Bachelor ist nicht nötig: Hier war der Großteil der 120 Studenten besonders scharf auf einen ganz bestimmten Kurs war und stand deshalb sogar früher auf, um sich rechtzeitig um acht Uhr morgens dafür zu registrieren – zum Glück ist es jetzt anders! Im Master „International Marketing Management“ haben alle denselben Stundenplan. Erst im zweiten Semester kann man sich für ein zusätzliches Wahlfach entscheiden. Welche genau zur Auswahl stehen, wird man dann sehen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die Einführungsveranstaltung Anfang Oktober, bei der ich nicht nur meine Kommilitonen, sondern natürlich auch die Professoren kennenlerne. Laut der Studienkoordinatorin kommen die Studenten meines Studiengangs aus Deutschland, den USA, Rumänien, Italien, Bangladesch, Indien und noch einigen anderen Länder.

Ich habe schon überlegt, mich für ein Tandem-Programm anzumelden, um meine Fremdsprachenkenntnisse ein wenig auf Vordermann zu bringen. Italienisch reizt mich sehr. Allerdings habe ich vor einigen Jahren nur einen Crash-Sprachkurs besucht. Meine Kenntnisse sind daher nicht gerade die besten. Rumänisch hätte ich jetzt fließend sprechen können, wenn ich mich damals nicht geweigert hätte, zweisprachig aufzuwachsen. Da meine Mutter 13 Jahre in Rumänien gelebt hat und auch meine Großeltern geborene Rumänen sind, wäre es eigentlich perfekt gewesen. Wenn mein Dickkopf bloß nicht gewesen wäre. Ich denke, ich entscheide mich für Französisch. Diese Sprache habe ich vier Jahre in der Schule gelernt und während meines Bachelors in einem Sprachkurs für Fortgeschrittene noch einmal aufgefrischt. Wie viel tatsächlich hängengeblieben ist, habe ich in meinem Paris-Urlaub vor einer Woche festgestellt: Es war wirklich mehr als ich dachte! Die Grammatik klappte gut, es sind nur die Vokabeln, die mich zum Grübeln brachten. Aber daran soll es ja nicht scheitern! Vokabeln kann man schließlich wieder lernen… N’est-ce pas?

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Sep 2, 2013
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Sep 2, 2013

Studentenleben live

Körper und Geschlecht

Besonders faszinierend finde ich, was ich in meinem Studium über die Themen Körper und Geschlecht gelernt habe. Ich versuche, das mal zusammenzufassen:

Wir empfinden unseren Körper als zutiefst natürlich. Dabei ist er ebenso technisch als auch vor allem kulturell geprägt (Ekel zum Beispiel ist kulturell anerzogen und es gibt keine natürliche Sprache der Gesten, die für alle gilt).

Ein zentraler Körperdiskurs betrifft die Geschlechter. Die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich wird universal getroffen, jedoch verfestigten sich die Geschlechtergrenzen in Europa seit der Antike zunehmend. In der Antike wurden Frauen noch als nach innen gestülpte Männer gesehen, danach wurde nach der Vier-Säfte-Lehre unterschieden, bei der die Grenzen nicht starr festgelegt waren. In der Medizin wurde bis ins 19. Jahrhundert das Geschlecht bei der Geburt anhand von Keimdrüsen bestimmt, es galt dann bis zur Volljährigkeit. Heute weiß man, dass man nicht nur den Körper mit seinen biologischen Anlagen, sondern den ganzen Mensch betrachten muss. Das wird auch dadurch deutlich, dass es beispielsweise im Englischen zwei Wörter für Geschlecht gibt: sex (biologisches Geschlecht) und gender (empfundenes/gewähltes/erzogenes Geschlecht).

Während in Europa „gender crossing“ ein bizarres Randphänomen ist, wurde es etwa in Nordamerika bei den Zuni-Indianern im 16. Jahrhundert institutionalisiert. Männer und Frauen konnten das andere Geschlecht zu Teilen oder ganz annehmen. Ebenso bei den Geschworenen Jungfrauen auf dem Balkan, die aus sozialen Gründen (beispielsweise einem fehlenden männlichen Erben in einer patriarchalischen Gesellschaft) den Habitus und die Rolle eines Mannes annehmen.

Geschlechtergrenzen sind also nicht so fest, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag, und einige Verhaltensweisen, die uns angeblich als weiblich oder männlich auszeichnen, sind nur kulturell erlernt worden.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Sep 2, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Sep 2, 2013