interaktiv

Studentenleben live

Körper und Geschlecht

Autor:
Miriam

Rubrik:
studium

02.09.2013

Besonders faszinierend finde ich, was ich in meinem Studium über die Themen Körper und Geschlecht gelernt habe. Ich versuche, das mal zusammenzufassen:

Wir empfinden unseren Körper als zutiefst natürlich. Dabei ist er ebenso technisch als auch vor allem kulturell geprägt (Ekel zum Beispiel ist kulturell anerzogen und es gibt keine natürliche Sprache der Gesten, die für alle gilt).

Ein zentraler Körperdiskurs betrifft die Geschlechter. Die Unterscheidung zwischen männlich und weiblich wird universal getroffen, jedoch verfestigten sich die Geschlechtergrenzen in Europa seit der Antike zunehmend. In der Antike wurden Frauen noch als nach innen gestülpte Männer gesehen, danach wurde nach der Vier-Säfte-Lehre unterschieden, bei der die Grenzen nicht starr festgelegt waren. In der Medizin wurde bis ins 19. Jahrhundert das Geschlecht bei der Geburt anhand von Keimdrüsen bestimmt, es galt dann bis zur Volljährigkeit. Heute weiß man, dass man nicht nur den Körper mit seinen biologischen Anlagen, sondern den ganzen Mensch betrachten muss. Das wird auch dadurch deutlich, dass es beispielsweise im Englischen zwei Wörter für Geschlecht gibt: sex (biologisches Geschlecht) und gender (empfundenes/gewähltes/erzogenes Geschlecht).

Während in Europa „gender crossing“ ein bizarres Randphänomen ist, wurde es etwa in Nordamerika bei den Zuni-Indianern im 16. Jahrhundert institutionalisiert. Männer und Frauen konnten das andere Geschlecht zu Teilen oder ganz annehmen. Ebenso bei den Geschworenen Jungfrauen auf dem Balkan, die aus sozialen Gründen (beispielsweise einem fehlenden männlichen Erben in einer patriarchalischen Gesellschaft) den Habitus und die Rolle eines Mannes annehmen.

Geschlechtergrenzen sind also nicht so fest, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag, und einige Verhaltensweisen, die uns angeblich als weiblich oder männlich auszeichnen, sind nur kulturell erlernt worden.

Diesen Artikel teilen