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Studentenleben live

Home sweet Home

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

21.10.2013

Ich bin nun schon seit etwa einem Jahr in Ludwigsburg zu Hause. Und ich frage mich oft, wie dieser Begriff eigentlich definiert wird, Zuhause. Ist das da, wo ich die meisten Menschen kenne? Dort, wo ich mich wohlfühle? Die Stadt, in der ich am längsten war? Mein Geburtsort?

Ich bezeichne beide Zugstrecken als Heimfahrt, ich schließe nicht aus, hier auch nach dem Studium zu wohnen. Ich bezweifle sogar, jemals ganz dorthin zurückzugehen, wo ich vorher gelebt habe. Ich stehe oft mit dem falschen Schlüssel in der Hand vor der Haustür in Niedersachsen. Aber ich stelle immer in den ersten fünf Minuten eines Smalltalk-Gesprächs mit einem Fremden klar, dass ich eigentlich daher stamme, „wo man gescheit Deutsch sprechen kann“. Ein „Ich komme aus Ludwigsburg“ kommt mir nie so einfach über die Lippen, obwohl es offiziell mit einem schicken Aufkleber auf meinem Personalausweis vermerkt ist. Ich kenne nicht einmal den Namen des örtlichen Bürgermeisters und bringe es immer noch fertig, mich auf den simpelsten Wegen zu verlaufen.

Ich bin in meiner „alten Heimat“ mittlerweile in ein kleineres Zimmer umgezogen und irgendwie merke ich auch sonst, dass zu Hause eben nicht mehr zu Hause ist und ich ein bisschen eine Gastrolle spiele. Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn meine Mutter auch die Stadt verlassen würde, nachdem mein Bruder ausgezogen sein wird. Im Gespräch ist das definitiv und ich weiß nicht, ob das irgendwie die Antwort auf meine Ausgangsfrage beeinflusst. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es vielleicht wirklich schade, dass wir keinen Dialekt sprechen, mit dem sich so eine automatische Zugehörigkeit ergibt und ein Heimatgefühl ausgelöst wird.

Ist Heimat also kein Ort, sondern ein Gefühl?

Unpräzise Definitionen klingen immer am schönsten. Und ich weiß nicht, ob ich dem so zustimmen kann. Wenn Regionen in Menschen ein Identitätsgefühl auslösen, dann bin ich meistens raus. Ich kann das nicht nachvollziehen. Es gibt viele Orte, an denen ich gern bin, an denen ich mich wohlfühle und nach denen ich mich sehnen kann, aber ich würde niemals von mir behaupten, mich mit einer Stadt identifizieren zu können.

Alles in allem glaube ich, ein Zuhause kann sich an mehreren Dingen orientieren. Ich habe im Norden eins für meine Erinnerung und hier eins, das Zukunft heißt.

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