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Studentenleben live

Ausgesperrt (Teil 2)

Verzweifelt zog ich meinen Koffer über das Wohnheimsgelände, bis ich bei der Mitbewohnerin einer Kommilitonin Licht sah. Ich hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt, wusste aber (glücklicherweise) noch ihren Namen. RRRing. Ich klingelte an der Haustür und sah aus wie ein begossener Pudel: tropfnass, bibbernd vor Kälte, mit einem riesigen Koffer im Schlepptau. Etwas verdutzt stammelte sie mir ein „Guten Abend“ entgegen, ich drückte ihr meine Sachen in die Hand und verschwand im Bad. Dann erklärte ich ihr die Situation: Schlüssel weg, Wohnung zu – und sie rettete mich. Genau eine halbe Stunde hatte sie Zeit, bis sie wieder weg musste, sie richtete ihr Bett für mich her, wünschte wohl zu ruhen und verschwand. Wahnsinn! Danke! Es dauerte einige Zeit, bis mir bewusst wurde, wo ich war und warum. Nach ein paar hastig zubereiteten Nudeln fiel ich wie tot ins Bett. Kurz hörte ich noch den tosenden Sturm vorm Fenster und freute mich über mein Glück im Unglück.

Nächster morgen, acht Uhr. „Nein, ich brauche keinen neuen Schlüssel.“ „Ist Ihr Schlüssel denn nun weg oder nicht?“ „Ja, aber…“ Nur mühsam konnte ich den Hausmeister davon überzeugen, dass ich weder einen Schlüsselverlust melden noch einen neuen Schlüssel haben wollte. Ich wollte doch nur, dass er mich in meine Wohnung ließ! Endlich hatte ich ihn so weit. Ich stürmte in den Flur und in die Küche. Und was sehe ich da? Fein säuberlich sortierte Post und meinen Schlüssel! Daneben eine Notiz: „Hallo Freunde der Sonne! War nochmal kurz da, hab die Post hochgebracht. Komme Dienstag wieder! Bis dann!“

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Oct 29, 2013
Autor: Inga
Rubrik: studium
Oct 29, 2013

Studentenleben live

Ausgesperrt

Nach zwei Monaten Sommerschule, Ferien, Eltern-Besuch, Familienfeiern und was man eben so in den Semesterferien treibt, entschloss ich mich dann doch irgendwann die Hufe zu schwingen und mich gen Heidelberg aufzumachen. Die Stadt ist für mich ein Synonym für die Qual des rigiden Bachelors, aber auch für Sonne, Berge, Neckar und Studilaune geworden.

Mein Zug war brechend voll, aber er war nur geringfügig verspätet und ich fand ein nettes Bodenplätzchen. Knapp sieben Stunden später zog ich meinen schweren Koffer durch den Innenhof des Wohnheims. Der Himmel war schon dunkel und ein Sturm zog auf. Dicke, schwere Tropfen knallten auf den Asphalt.

Mein WG-Zimmer hatte ich während meiner Abwesenheit zwischenvermietet und hoffte nun, den Haustürschlüssel wie verabredet im Briefkasten vorzufinden. Es blieb bei einer Hoffnung. Gähnende Leere strahlte mir entgegen. Sogar die Grundschicht aus Werbung und Flyern war entfernt worden. Missmutig stapfte ich die Treppe zu meiner Wohnung hoch und klingelte, in der Hoffnung, einer meiner drei Mitbewohner sei da. Fehlanzeige.

Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich gerade ein Riesenproblem hatte. Feiertags nach 20 Uhr ist kein Hausmeister erreichbar, meine Kommilitonen waren alle noch oder schon wieder unterwegs. Vier Anrufe, vier Mal erfolglos. Ich fror erbärmlich im zugigen Treppenhaus, musste mal ganz nötig auf Toilette und glaubte vor Hunger sterben zu müssen. Irgendjemand musste doch da sein! Sollte ich hier bei Unwetter etwa im offenen Holzpavillon nächtigen? Oder mir ein schweineteures Hotelzimmer nehmen?!

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Oct 28, 2013
Autor: Inga
Rubrik: studium
Oct 28, 2013

Studentenleben live

Optimiere dich (nicht)

Wer heute studiert oder eine Ausbildung macht wird feststellen, dass man nie genug machen kann. Überall werden Optimierungsprogramme angeboten, wird einem vor Augen geführt, dass man eigentlich nicht gut genug ist, um in dieser Welt neben all den Konkurrenten zu bestehen. Am besten spricht man mehrere Sprachen fließend, beherrscht perfektes Schriftdeutsch, ist sowohl Teamplayer als auch Leader, verfügt über kaufmännische Kompetenzen, macht das zehnte Praktikum, war im Ausland, engagiert sich sozial, gibt alles für den Job, hat aber eine gute Work-Life-Balance, beherrscht die volle Bandbreite der Computerprogramme, schüttelt sich eine Powerpointpräsentation aus dem Ärmel, die man noch eben mit der aktuellsten Exceltabelle bestückt, bevor man sie in die Dropbox läd, damit alle sie sofort haben – denn der optimale Mensch arbeitet zeitsparend, da er ressourcenbewusst ist.

Das gilt nicht nur für Zeit, sondern auch für Materialien und die Beanspruchung von Hilfe. In seinem Fach ist er fehlerfrei und passt sich jederzeit flexibel Neuerungen an, denn auch alles andere beherrscht er mit links. Niemals würde es ihm einfallen, unter der Last der Arbeit zusammenzubrechen, pünktlich Feierabend zu machen oder zu widersprechen. Spreche ich hier noch von einem Menschen oder von einem Roboter? Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein! Ich finde es toll, dass wir heute so viele Möglichkeiten haben, uns zu verbessern und niemand sollte nur faul auf der Couch sitzen und darauf warten, dass das Leben ihm etwas schenkt – aber wir können doch nicht ständig nach Perfektion streben. Damit machen wir uns doch kaputt, weil wir sie nie erreichen können. Und unter all den Selbstzweifeln verschütten wir im schlimmsten Fall unser kreatives Selbstfindungspotenzial. Ich hoffe, dass Perfektion nicht alles ist und es auch auf die Persönlichkeit ankommt.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Oct 28, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Oct 28, 2013