interaktiv

Studentenleben live

Ausgesperrt (Teil 2)

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

29.10.2013

Verzweifelt zog ich meinen Koffer über das Wohnheimsgelände, bis ich bei der Mitbewohnerin einer Kommilitonin Licht sah. Ich hatte nie ein Wort mit ihr gewechselt, wusste aber (glücklicherweise) noch ihren Namen. RRRing. Ich klingelte an der Haustür und sah aus wie ein begossener Pudel: tropfnass, bibbernd vor Kälte, mit einem riesigen Koffer im Schlepptau. Etwas verdutzt stammelte sie mir ein „Guten Abend“ entgegen, ich drückte ihr meine Sachen in die Hand und verschwand im Bad. Dann erklärte ich ihr die Situation: Schlüssel weg, Wohnung zu – und sie rettete mich. Genau eine halbe Stunde hatte sie Zeit, bis sie wieder weg musste, sie richtete ihr Bett für mich her, wünschte wohl zu ruhen und verschwand. Wahnsinn! Danke! Es dauerte einige Zeit, bis mir bewusst wurde, wo ich war und warum. Nach ein paar hastig zubereiteten Nudeln fiel ich wie tot ins Bett. Kurz hörte ich noch den tosenden Sturm vorm Fenster und freute mich über mein Glück im Unglück.

Nächster morgen, acht Uhr. „Nein, ich brauche keinen neuen Schlüssel.“ „Ist Ihr Schlüssel denn nun weg oder nicht?“ „Ja, aber…“ Nur mühsam konnte ich den Hausmeister davon überzeugen, dass ich weder einen Schlüsselverlust melden noch einen neuen Schlüssel haben wollte. Ich wollte doch nur, dass er mich in meine Wohnung ließ! Endlich hatte ich ihn so weit. Ich stürmte in den Flur und in die Küche. Und was sehe ich da? Fein säuberlich sortierte Post und meinen Schlüssel! Daneben eine Notiz: „Hallo Freunde der Sonne! War nochmal kurz da, hab die Post hochgebracht. Komme Dienstag wieder! Bis dann!“

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