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Studentenleben live

Journalistische Recherche vor Ort (Teil 4)

Gleich die ersten Etappen auf meiner Reise waren geprägt von interessanten Gesprächen und Interviews. Von Lissabon aus, wo ich lediglich organisatorische Sachen erledigte, wie beispielsweise den Kauf einer portugiesischen SIM-Karte, reiste ich in die Studentenstadt Coimbra. Durch eine Freundin aus Deutschland, die hier ein Erasmus-Semester gemacht hatte, bekam ich Kontakt zur „Republica da Praca“, einer Studentengemeinschaft. Hier verbrachte ich die nächsten Nächte und sprach mit den Mitgliedern um Rodolfo und André (allesamt Fußballfans durch und durch) über ihre Haltung zum Thema Fußball und Finanzkrise. Beide fanden die Gehälter und Transfersummen in der Liga nicht verwerflich, vielmehr kritisierte Rodolfo die Gehälter der Politiker, die er als zu hoch empfand. Für ihn sei es auch kein Widerspruch, dass der Staat in finanziellen Schwierigkeiten steckt, die Vereine aber Millionen zur Verfügung haben.

An einem der nächsten Tage verabredete ich mich per Handy zudem mit Felipe Dinis, dem Pressesprecher des Erstligavereins Academica Coimbra. Am Rande des Trainingslagers im Küstenort Quiaios erzählte er mir von einer sehr interessanten Aktion seitens des Vereins, bei dem die Fans einmal im Jahr für ein Kilogramm gespendete Lebensmittel eine Freikarte erhalten. Die eingesammelten Lebensmittel kommen dann Bedürftigen zugute. Außerdem, so Dinis, seien der Verein und vor allem die Fans stark politisch aktiv und protestierten anlässlich des Pokalfinales 2012 gegen den harten Sparkurs des Landes. Auch Academica habe seit der Krise stark zu kämpfen, vor allem mit sinkenden Zuschauerzahlen, wie mir Dinis weiter erzählte. Der Club versuche zwar, mit Marketingaktionen und vergünstigten Tickets die Fans ins Stadion zu locken; doch das klappe nur bedingt.

Mit diesen ersten Impressionen ging es dann weiter nach Porto und Braga. Was ich hier herausfand, lest ihr dann in meinem nächsten Post.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Nov 13, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Nov 13, 2013

Studentenleben live

Kleine Flucht nach Italien

Endlich ist die Hausarbeit fertig. Ich gebe sie ab und stelle mich am nächsten Morgen an die Auffahrt zur Autobahn 38. Ich habe nur Schlafsack, ein paar Kleider, was zu essen, Landkarten und einen kleinen Sprachführer im Rucksack. Ich will nach Süditalien trampen – das sind insgesamt 1.700 Kilometer. Nach einer Viertelstunde hält ein Wagen an und nimmt mich Richtung Nürnberg mit. Kurz nach Mittag bin ich in der Nähe von München auf einer Raststätte. Mein Freund aus Marburg, mit dem ich mich hier verabredet habe, hatte nicht ganz so viel Glück und kommt zwei Stunden später an. Jetzt können wir zu zweit weiter, doch leider kommt eine erste Durststrecke. Wir fragen Hinz und Kunz, doch keiner hat Platz, fährt in die richtige Richtung, darf oder will uns mitnehmen. Dann nimmt uns endlich ein junges Paar – sie sind selber auf dem Weg nach Italien – mit und wir kommen bis Verona. Wir haben es geschafft, in einem Tag über die Alpen ins Land, wo die Zitronen wachsen, zu reisen. Eine ganz milde Luft weht hier. La Dolce Vita!

Zwischen zwei Weinreben neben einem Rosmarinstrauch und einer wuchernden Kiwipflanze breiten wir einen Poncho aus und lümmeln uns in unsere Schlafsäcke. Morgen wollen wir weiter Richtung Neapel. „Vedi Napoli e poi muori“ („Neapel sehen und sterben“) heißt das Sprichwort. Wir sind neugierig. Jetzt müssen wir Italienisch sprechen, ich kann nur ein paar Brocken. Mithilfe eines kleinen Büchleins basteln wir uns die passenden Sätze zusammen: „Miscusi signore, fahren Sie Richtung Bologna?“ „Wir machen Autostop und würden uns freuen, falls Sie uns mitnehmen.“ „Mille grazie!“ Es klappt. Ab und an treffen wir auch auf Italiener, die Französisch oder Englisch sprechen, so können wir uns gut durchschlagen und manchmal sogar unterhalten.

Autor:   |  Rubrik: studium  |  Nov 13, 2013
Autor:
Rubrik: studium
Nov 13, 2013

Studentenleben live

Wir gründen eine Konversationsgruppe

Meine Eltern wollten mir damals keinen Namen geben, den man nur in Deutschland kennt, sondern dachten sich, dass ich vielleicht später einmal viel mit Menschen aus anderen Ländern zu tun haben werde oder dass ich vielleicht eines Tages auch woanders leben würde. Und in der Tat: Mein Name ist und bleibt im Ausland sehr praktisch. Spätestens seit der Verfilmung der Titanic-Geschichte mit Kate Winslet kennt jeder Jack und … Rose (ich spreche mich allerdings ganz normal deutsch aus). Und wenn das nicht hilft, kann man meinen Namen ohne Probleme übersetzen. Auch dass Frauen nach Blumen heißen, ist in erstaunlich vielen Kulturen Tradition.

Anscheinend finden aber auch andere Deutsche meinen Namen international.

Kurz nachdem ich neu ins Wohnheim gezogen war, klingelte es an meiner Tür. Zwei Mädchen fragten mich, ob ich nicht Lust hätte als englische Muttersprachlerin Anglistikstudis in einer Konversationsgruppe zu unterstützen. Ich musste ihnen leider sagen, dass sie sich geirrt hatten und sie zogen irritiert wieder ab. Auf die Idee, dass ich Engländerin oder Amerikanerin sein könnte, war ich noch nie gekommen.

Aber es kommt noch besser: Gestern klingelte es an meiner Tür. Nichts ahnend öffnete ich und eine sympathische Frau begann mich auf Französisch anzusprechen. Leider konnte ich ihr nicht folgen, weil ich kaum Französisch verstehe. „Sind das jetzt die Zeugen Jehovas?“, dachte ich mir. Eine Freundin hatte mir erzählt, dass sie manchmal auch in die Studiwohnheime kommen. Anscheinend sind Studis oft anfällig für einen einfache, tröstende Religion. Die Frau schien meinen fragenden Blick zu verstehen und erklärte mir (diesmal auf Deutsch), dass sie Menschen für eine Französisch-Konversationsgruppe sucht und dachte, ich wäre vielleicht Französin. Ach, schon wieder ne Konversationsgruppe!

Liebe Menschen, die auch vorhaben so etwas zu gründen: Ich muss euch enttäuschen, ich kann weder Englisch noch Französisch auf Muttersprachenniveau. Also bitte klingelt nicht an meiner Tür!

Autor: Rose  |  Rubrik: studium  |  Nov 12, 2013
Autor: Rose
Rubrik: studium
Nov 12, 2013