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Studentenleben live

Journalistische Recherche vor Ort (Teil 6)

Nach den interessanten Gesprächen in Porto fuhr ich mit dem Zug weiter nach Braga. Per E-Mail hatte ich mit dem Pressesprecher Joao ausgemacht, mich zu melden, wenn ich in der Stadt bin. Wir verabredeten uns schließlich für ein Interview am Rande des Saisoneröffnungsspiels gegen Norwich City.

Ich hatte Schwierigkeiten, in den Pressebereich zu gelangen, weil ich zwar eine reguläre Eintrittskarte, aber keinen Presseausweis hatte. Dank meiner Überredungskünste hat es aber dann doch geklappt. So konnte ich das unterhaltsame Spiel von hier aus beobachten. Der Assistent von Joao erklärte mir, dass sein Chef während des Spiels keine Zeit haben werde auf die Tribüne zu kommen, dass ich aber danach Gelegenheit haben würde, ihn zu interviewen. Also wartete ich den Schlusspfiff und das daran anschließende, pompös inszenierte Eröffnungsspektakel ab. Doch Joao erschien immer noch nicht. Ein anderer Journalist riet mir, mit dem Fahrstuhl runter zur Pressezone zu fahren und Joao da zu suchen. Noch immer ohne Presseausweis ausgestattet, machte ich mich auf den Weg.

Zum Glück traf ich unten wieder auf Joaos Assistenten und nach der kurzen Pressekonferenz kamen wir dann endlich zum Interview. Auch der SC Braga leide unter der Krise, berichtete er mir. Viele Zuschauer blieben weg, da sie sich kein Ticket mehr leisten können, und andere Sachen schlichtweg essentieller seien als Fußball. Doch auch sein Club initiiere, ähnlich wie Academica Coimbra, eine Lebensmittel-Spenden-Aktion für Bedürftige und versuche sozial schwache Familien und Kinder von klein auf zu fördern. Dazu, ob er es nicht paradox fände, dass der Staat nahezu bankrott sei, die Vereine aber weiter Millionen ausgeben, wollte er mir leider keine Antwort geben – das war aber zu erwarten gewesen. Trotzdem hatte sich das Ausharren gelohnt und das Interview weitere interessante Einblicke geliefert.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Nov 26, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Nov 26, 2013

Studentenleben live

Eine neue Identität

Vor kurzem habe ich geheiratet und mich entschieden, den Namen meines Mannes anzunehmen. Das wollte ich eigentlich immer schon und glücklicherweise hat der Nachname meines Mannes mich auch nicht davon abgebracht. Ich weiß nicht wie ich gehandelt hätte, hätte mein Liebster etwa einen Nachnamen wie Wurster, Teufel oder Notdurft gehabt. Ich kenne wirklich sehr liebe Menschen mit uneleganten Nachnamen. Das alleine ist ja nicht schlimm, schlimmer ist die Kombination: lieber Name, uneleganter Mensch.

Ich habe vielleicht sogar etwas gewonnen habe mit meinem neuen Nachnamen. Ich muss nämlich gestehen, dass mein Mädchenname viel Potential für Wortwitze hat. Etwas wehmütig bin ich, dass meine Schwiegermutter und deren Schwiegermutter sich damals nicht durchgesetzt haben. So bin ich eben nur fast „Klug“ geworden und mit dem „Engel“ werden hats leider auch nicht geklappt.

Dennoch ist so ein neuer Name eine einschneidende Sache. In gewisser Weise verliert man seine alte Identität. Als mir das klar wurde, keimte in mir der Gedanke, dass das vielleicht die perfekte Möglichkeit ist, aus meinem ungeliebten Handyvertrag zu entkommen. Aber leider wurde diese Hoffnung enttäuscht. Ich musste feststellen, dass ein anderer Nachname nun doch nicht so viele Neuerungen mit sich bringt. Der Handyvertrag bleibt mir leider auch noch weiterhin erhalten, nur muss ich jetzt auch noch zusätzlich meine Namensänderung bescheinigen. Unzähligen Behörden muss man seine Eheschließungsurkunde schicken und zusätzlich muss auch dafür gesorgt sein, dass Freunde und Bekannte den neuen Nachnamen registrieren. Ich hatte mich schon gewundert, dass eine alte Bekannte lange nicht auf eine E-Mail von mir antwortete, die ich unter neuem Namen schrieb. Sie hat den Absender schlicht nicht erkannt.

Wobei es auch etwas Bereinigendes hat, seinen Namen zu ändern. Es ist zu hoffen, dass niemand mehr Internetbeiträge aus alten Tage mit mir in Verbindung bringt. Was die Behörden angeht, so befürchte ich allerdings, dass die NSA schon vor dem BAFÖG-Amt wusste, dass ich geheiratet habe. Es ist jedenfalls viel Papierkram und im Endeffekt ist doch nicht viel passiert. Wobei es ja gerade die kleinen Dinge sind, weswegen ich mich dafür entschieden habe, meinen Namen zu ändern. Es freut mich doch immer noch sehr, dass nun ein einziger Name an der Hausklingel dafür steht, dass mein Mann und ich zusammen gehören.

Autor: Mia  |  Rubrik: studium  |  Nov 25, 2013
Autor: Mia
Rubrik: studium
Nov 25, 2013

Studentenleben live

Journalistische Recherche vor Ort (Teil 5)

Im fußballverrückten Porto konnte ich glücklicherweise ebenfalls in einem WG-Zimmer unterkommen, in dem normalerweise eine Bekannte von mir lebt, die den Sommer aber in Deutschland verbrachte. Durch einen früheren Aufenthalt in Porto konnte ich mich zudem noch an Renato erinnern, der in einem Hostel in der Innenstadt arbeitete - passenderweise ein eingefleischter Fan des FC Porto. Als ich ihn aufsuchte und um ein Interview bat, willigte er sofort ein.

Er berichtete mir von seiner Leidenschaft für den Fußball, vom Meisterschaftstriumpf der letzten Saison, aber auch von den Problemen, die ihm die Krise gebracht hat. Nach seinem Uni-Abschluss bekam er keinen Job und seit zwei Jahren können er und seine Familie sich keine Dauerkarte mehr leisten. Trotzdem fand auch er die Gehälter der Stars nicht verwerflich. Sein Kumpel Pedro schlug in die gleiche Kerbe. Die Spieler seien die Besten, sie dürften so viel verdienen. Die Krise würde sich aus ihrer Sicht zwar schon bemerkbar machen, weniger Fans kommen zu den Spielen; der Verein allerdings kompensiere dies durch neue Marketingstrategien wie beispielsweise einen eigenen TV-Sender.

An den nächsten Tagen versuchte ich noch ein Interview mit einem Verantwortlichen des Vereins zu bekommen, erhielt aber leider nur eine Absage der PR-Abteilung. In Braga hingegen schaffte ich es, den Pressesprecher zu interviewen und zur aktuellen Situation und der Reaktion des Vereins auf die Finanzkrise zu befragen.

Wie das Treffen ablief und was er mir über die Auswirkungen der Krise erzählte, lest ihr im nächsten Blog.

Autor: Leon  |  Rubrik: studium  |  Nov 21, 2013
Autor: Leon
Rubrik: studium
Nov 21, 2013