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Studentenleben live

Abschiede

Zum Erwachsenwerden gehört es auch, immer mehr Abschiede jeglicher Form mitzumachen. Der Abschied von daheim, dem Bekannten, aber auch von Freunden und Verwandten. Von Hobbys, Vereinen, Sportarten. Beziehungen zerbrechen, Freundschaften gehen auseinander, Menschen sterben. Ich stelle mir das oft als Ast mit vielen Zweigen vor. Immer, wenn ein Abschied ansteht, ist das so als würde ein Zweig abbrechen. Früher dachte ich, dass dann an dieser Stelle etwas Neues wachsen kann (gemäß dem Motto „Jeder Abschied geht mit einem Neuanfang einher“). Heute weiß ich, dass dieser Neuanfang oft an einer ganz anderen Stelle, in einer ganz anderen Richtung zu suchen ist. Viele Zweige (Möglichkeiten, Beziehungen, Wege) bleiben abgebrochen und man schafft es nicht immer, an dieser Bruchstelle wieder glücklich zu werden. Man sollte es oft nicht einmal versuchen, da man so die Augen vor all den anderen Stellen verschließt, an denen man vielleicht sein Glück findet. Zum Erwachsenwerden gehört deshalb auch, einzusehen, dass man nicht alles erklären und wieder gut machen kann. Dass die weiße Weste, mit der wir gestartet sind, einen Fleck nach dem andern bekommt, das Holz, aus dem wir geschnitzt sind, Stück für Stück weitere Einkerbungen bekommt, um uns zu dem zu machen, was wir sind. Und wenn die Schläge zu schnell auf einmal kommen, dann geht nichts über Freunde, die zwar nicht die Antworten auf alles haben, aber immerhin gemeinsam mit einem weitergehen.

Autor: Miriam  |  Rubrik: studium  |  Dec 12, 2013
Autor: Miriam
Rubrik: studium
Dec 12, 2013

Studentenleben live

Bachelor- vs. Masterstudium

Unterscheidet sich das Masterstudium grundlegend vom Bachelorstudium? Allgemein würde ich sagen: nein. Zwar werden Vorkenntnisse vorausgesetzt, aber die wichtigsten Themen werden natürlich trotzdem umfassend wiederholt. Ich persönlich finde allerdings den Unterschied in Bezug auf den Workload sehr deutlich. Vielleicht liegt es an der Uni oder an dem Studiengang, aber ich habe nun schon mit mehreren Freunden gesprochen, die alle etwas Unterschiedliches studieren und auch andere Unis besuchen. Alle waren derselben Meinung: Im Bachelor war alles viel entspannter. Liegt es am Welpenschutz? Liegt es wirklich daran, dass sich die Professoren denken: Die kommen ja meist alle gerade frisch von der Schule oder aus der Ausbildung, da wollen wir mal nicht so hart sein? Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass der Bachelor meist sechs Semester umfasst und der Master drei bis vier? Wollen die Professoren im Master den bereits bekannten Stoff komprimiert auf höherem Level vermitteln? Auf Masterlevel sozusagen? Hört man die Professoren aus meinem Masterstudium sprechen, so wäre die Antwort: ja. Denn im Masterstudium erfolge schließlich alles auf einem Masterlevel. Man solle sich nicht mit dem Normalen zufrieden geben, sondern stattdessen nach der Extrameile streben. Nach dem Motto: Viel hilft viel. Manchmal trifft es ja zu, dieses „viel hilft viel“, aber im Moment ist mir dieses Viel einfach viel zu viel. Da bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Vorweihnachtszeit so richtig zu genießen. Aber die Weihnachtsferien sind ja schon zum Greifen nahe.

Autor: Jacqueline  |  Rubrik: studium  |  Dec 12, 2013
Autor: Jacqueline
Rubrik: studium
Dec 12, 2013

Studentenleben live

Karriere in Europa?

Die Europäische Union ist für Dolmetscher, was der Olymp für den Gott Zeus, der Mount Everest für Reinhold Messner, die Bibel für den Papst ist. Außerdem ist sie die Illusion einer steilen Karriere. Europa – das ist der Markt für Übersetzer; ohne Übersetzer und Dolmetscher würde in der Europäischen Union nichts funktionieren. Das erklärte Ziel für jeden Masterabsolventen muss die deutsche Kabine in Straßburg sein. Schon im ersten Semester wird der kleine Ersti darauf gedrillt. Vor fast drei Jahren hatte ich das erste Mal, wenn auch nur kurz, mit dem Sprachendienst der Europäischen Union zu tun. Auf einer Sprachenmesse in Berlin stellten sie sich vor, hatten eine Dolmetschkabine bereitgestellt. Otto Normalverbraucher konnte sich darin im Simultandolmetschen versuchen. Natürlich war ich Feuer und Flamme. Mich packte das Dolmetschfieber und ich begann zu träumen: Kabine, Europa, Dolmetschen. Das war meins.
Drei Jahre später hängt mir die EU zum Hals heraus, ohne dass ich jemals in Straßburg war. Dolmetschen für Europa wird propagiert. Es wird viel mehr Werbung gemacht als für die wenigen Stellen überhaupt notwendig wäre. Schon im Bachelor wird angefangen, sich gegenseitig zu zerfleischen, sich auszustechen, besser zu sein als der andere. Die Inhalte des Studiums treten in der Hintergrund, die Karriere in den Vordergrund. Im Seminar geht es nicht um Übersetzungsstrategien, es wird nicht diskutiert, sprachlich herumgefeilt, um noch einen Hauch Perfektion in die Übersetzung zu bringen. Es geht nur um die Note, nicht um das Ergebnis eines Übersetzungsprozesses, sondern um das Ergebnis eines Notenkampfs. Und das im Bachelor! Ich sollte mich besser von der EU, die für mich ein Symbol für karriereverrückte, über Leichen gehende Studenten ist, verabschieden.

Autor: Inga  |  Rubrik: studium  |  Dec 11, 2013
Autor: Inga
Rubrik: studium
Dec 11, 2013