interaktiv

Studentenleben live

Ein westälisches Publikum

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

19.12.2013

„Bielefeld Slam 2013“. Die diesjährigen deutschsprachigen Poetry-Slam Meisterschaften, die im letzten Jahr in Mannheim und Heidelberg ein voller Erfolg gewesen waren, sollten nun im sagenhaften Bielefeld stattfinden. Nicht weit von zu Hause, in der Stadt, die es verschwörungstechnisch gar nicht gibt. Das feierten wir natürlich.
Im letzten Jahr hatte meine Schwester sich viereinhalb Stunden lang in den Zug gesetzt, um live mitzuerleben, wie die Stadthalle in Heidelberg tobte, während der Slamer auf der Bühne alles gab. Meine Erwartungen an das nördliche Revival der Veranstaltung waren dementsprechend hoch und wurden von den vortragenden Poeten auch nicht enttäuscht. Wir saßen hinten links in der Ecke, johlten und klatschten, wie es sich für einen guten Slam gehört, und stellten plötzlich fest, dass wir die einzigen waren. Es herrschte einfach Stille im Publikum. Beim Auf- und beim Abgang der Darsteller wurde höflich geklatscht, der Rest war Schweigen. Etwas schockiert von dieser Unlust schaute ich mich um. Ziemlich entnervte Gesichter ob der Randale, die aus unserer Ecke kamen. Offensichtlich war man hier nicht gewillt, den Abend zu feiern. Plötzlich war ich wieder zu Hause. Nicht in dem Zuhause, das ich mir manchmal in den buntesten Farben ausmale, wenn es in Heidelberg regnet, sondern da, wo die Leute steif auf den Stühlen sitzen und sich nicht begeistern lassen. Wo Ausgelassenheit als Frevel gilt und an Karneval die Sau rausgelassen wird, aber das auch nur im Münsterland und nicht in Ostwestfalen. Hier war ich doch nicht daheim! Und dann ignorierte ich die steifen Gesichter um mich herum und tat meinen Beifall kund, wie es sich gehörte für den größten Poetry Slam Deutschlands.

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