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Studentenleben live

Feldforschung in der Bahnhofsmission

Autor:
Miriam

Rubrik:
studium

13.01.2014

Im Rahmen eines Moduls konnte ich mich entscheiden, ob ich eine Gesprächsanalyse oder eine ethnografische Feldforschung durchführen möchte. Da mir Ethnologie (hierzu gehört die Feldforschung) schon immer Spaß gemacht hatte, entschied ich mich für letzteres.

Die ersten Feldforschungen (als Feld bezeichnet man den Bereich, der erforscht werden soll) fanden auf einsamen tropischen Inseln oder im Urwald statt, in Gegenden, die noch weitgehend unentdeckt waren. Europäische Forscher fuhren zu den fernen Völkern und Stämmen und lebten einige Zeit mit ihnen, lernten ihre Sprache, ihre Sitten und Gebräuche und versuchten ihre Sozialstruktur zu verstehen. Charakteristisch für eine gute Feldforschung ist dabei ihre Methode, etwa die teilnehmende Beobachtung. Das heißt, dass man die untersuchte Kultur sowohl von außen (Beobachtung) als auch von innen, aus der Sicht der Einheimischen (teilnehmend), verstehen soll. Da wir in unserem Studium nicht zu fernen Völkern reisen können und es kaum mehr unberührte Kulturen gibt, führen wir die Feldforschung vor Ort in einer Subkultur unserer Wahl durch. Ziel ist es, die sozialen Muster dieser Subkultur durch Beobachtung und Teilnahme zu erkennen und zu analysieren.

Ich führe meine Feldforschung in der Bahnhofsmission durch. Ich dachte mir, wenn ich schon in eine Subkultur eintauchen soll, dann kann ich dabei auch etwas gemeinnütziges tun. Einmal in der Woche nehme ich nun an den Aufgaben der Mitarbeiter dort teil (wir geben etwa Kaffee aus) und beobachte, wie sie ihren Arbeitsalltag und den Umgang miteinander gestalten. Abschließend werde ich aus meinen im Feld gemachten Notizen (wozu auch Beschreibungen meiner Gefühle gehören, denn ethnografische Forschung ist nicht objektiv, sondern interpretierend) eine Ethnografie erstellen, in der ich dann nicht mehr nur beschreibe, sondern Klassifikationsschemata bilde und Beziehungen der einzelnen gefundenen Kategorien untereinander auftue.

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