interaktiv

Studentenleben live

Gruppenarbeit

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

05.02.2014

Ich dachte immer, dass ich sehr friedfertig bin, ein Pazifist. Kein Gutmensch, der jegliche aggressive Neigung von sich weist, aber irgendwie locker. Ich dachte, ich sei jemand, der seine Emotionen selten herauskramt und der abgesehen von engsten Familienmitgliedern mit niemandem richtig streiten kann. Ich dachte auch immer, dass sich im Studium das Thema Gruppenarbeit entspannter gestalten würde, weil jeder dazu imstande wäre, eigenverantwortlich und teamfähig zu arbeiten.

… und dann kam ich in dieses Ethikseminar, in dem wir ein Wiki erstellen und anschließend unsere gewonnenen Erkenntnisse medial und kreativ umsetzen sollten. Zunächst lief alles ganz okay. Eine leichte Skepsis lag im Raum, weil ein Gruppenmitglied gerade im Praxissemester ist und es uns doch zunehmend wunderte, dass sie wirklich so ein aufwendiges Seminar mal eben so nebenbei belegen wollte. Ein anderes Gruppenmitglied entpuppte sich kurz darauf als chronisch krank und wenn sie mal gesund war, musste sie Hausarbeiten mit ihren Dozenten besprechen, Referate vorbereiten oder Babysitten gehen. Glaubwürdigkeit monoton fallend.

Unser Dozent hatte uns bereits gesagt, dass er dieses gemeinsame Arbeiten auch immer gehasst hatte wegen dieser Menschen, die die ganze Zeit über U-Boot-mäßig abtauchen, und dennoch dieselbe Bewertung erhalten wie die produktive Fraktion. Unter anderem daher hätte er diese Arbeitsform gewählt: Im Wiki ist immer direkt nachzuvollziehen, wer wann was schreibt und damit ließen sich also auch U-Boote schnell als solche identifizieren.

Lustig fand ich vor allem, dass genau diejenigen, die sich in den Besprechungen nie blicken ließen, am Ende ankamen und sich beschwerten, dass sie nicht auf dem Laufenden sind („Wie, wir wollen das jetzt als Film machen? Ich dachte, die Sequenz soll eine Live-Theater-Szene werden!“ - „Nein, schon seit zwei Monaten nicht mehr.“) oder sich über gefällte Urteile massiv beschweren („Das geht ja mal gar nicht, dass ihr eine Mitarbeiterin der Mensa fragen wollt, ob sie den Anfang der Geschichte erzählen kann! Für PH-Studenten ist eine dieser Angestellten eben echt Kult wegen ihres lustigen Dialekts.) Mein Highlight aber: Die chronisch Kranke meinte allen Ernstes eine Woche vor der Abgabe (und bevor sie überhaupt irgendetwas für dieses Projekt getan hatte), dass ihr das Ganze irgendwie zu aufwendig wäre. Ein seltsamer Zufall, dass einem das genau dann einfällt, wenn jeder andere seinen Part schon geleistet hat...

Ich bin auf jeden Fall gespannt auf das Endergebnis, das auch schon in den nächsten Tagen präsentiert werden muss und habe zwei wichtige Dinge gelernt: Erstens – nie wieder Gruppenarbeit mit Menschen, deren Zuverlässigkeit und Arbeitsmoral ich nicht einschätzen kann. Zweitens – ich habe doch manchmal mehr Emotionen, als ich denke. ARGH!

Diesen Artikel teilen