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Studentenleben live

Vom Tod der Elektrogeräte

Autor:
Hannah

Rubrik:
studium

25.02.2014

Alles begann vor ein paar Wochen. Ich wusste bis dahin nicht, dass irgendeine tiefergehende Beziehung zwischen meinem Computer und meinem Fernseher bestand, aber es muss sich um eine starke emotionale Bindung gehandelt haben, oder immerhin um Gruppenzwang, als beide kurz nacheinander verstarben. Der PC raffte sich zwar kurz noch einmal auf, aber es war zu spät. Ich will nicht zu dramatisch werden, aber ein bisschen erinnerte mich das Szenario durchaus an Romeo und Julia. Und wenn ich schon keinen Sinn darin sehe, dass mich beide nahezu zeitgleich verlassen mussten, dann möchte ich darin wenigstens Poesie sehen.

Ohne meinen PC bin ich wirklich aufgeschmissen. Nicht mal wegen des Internets, aber schon allein wegen meiner mühsam, liebevoll und kleinschrittig verfassten To-do-Listen. Man mag das Fanatismus nennen oder Vergessens-Paranoia, das tu ich hin und wieder ja auch selbst, aber ich brauche das einfach. In meinem Kopf ist kein Platz für Struktur und auch nicht in meinem Zimmer Ich schätze, genau darin liegt der Grund verborgen, warum ich so auf Ordnung in digitalen Dokumenten poche. Es fängt damit an, dass ich eine Datei besitze, in der ich immer etwa 15 Ideen für neue Blogartikel aufgelistet habe. Ich habe eine Liste mit Büchern, die ich noch lesen muss will sollte, weil irgendjemand, dessen Meinung mir mehr oder minder wichtig ist, sie mir empfohlen hat. Genauso ist es mit Filmen. Dann habe ich natürlich noch eine ganz klassische To-do-Liste mit banalem Zeug wie dem Putzplan, eine Liste mit meinen Zielen für das laufende Jahr, eine Liste mit bisher ungenutzten lyrischen Ergüssen, die darauf warten, in irgendein Gedicht eingeflochten zu werden, ein Dokument mit lauter Links zu literarischen Ausschreibungen, an denen ich letztendlich ohnehin nicht teilnehme, weil ich den Einsendeschluss immer verpasse.

Ich habe Menschen mit derartigen Strukturbedürfnissen eigentlich immer als besonders unsympathisch und verkrampft empfunden, aber da diese Dateien-Struktur niemals mein Denken erreicht, kann ich mich noch ganz gut aushalten. Eine Weile hatte ich sogar eine Liste über sämtliche Einkünfte und Ausgaben. Jetzt jedenfalls tue ich all die Dinge, von denen ich noch auswendig weiß, dass sie erledigt werden müssen, habe meine manuell erstellten Listen, lebe aber täglich mit dieser Angst, irgendetwas vergessen zu haben.

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