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Studentenleben live

Bei der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach

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Rubrik:
studium

03.03.2014

Nun war mein Kommilitone Martin also am Samstag früh in Frankfurt aufgebrochen und nach mehrmaligem Umsteigen in Zug, Bahn und Bus in der Theodor-Heuss-Straße in Gummersbach angekommen. Von dem Gebäude und dem Umland hat Martin ein paar Fotos gemacht und sie mir gezeigt. Wie so viele 60er-Jahre Bauten, ist auch dieses Haus von außen ziemlich hässlich, nicht viel besser als die Plattenbauten der DDR. Einerseits finde ich es komisch, andererseits nett, dass es direkt am Stadtrand steht, neben Kuhweiden und Pferdekoppeln.

Der großzügige Parkplatz stand voller Autos und als er gerade dort ankam, stiegen zwei junge Mitbewerber aus ihrem Vehikel. Sie trugen Anzug und Krawatte – so ein Zwischending zwischen Konfirmanden, Bankangestellten und Jura-Studenten. Als er das Gebäude betrat, saßen dort – in einem großen Raum auf gemütlichen schwarzen Ledersesseln – vielleicht vierzig oder gar fünfzig andere Studenten. Alle waren ziemlich aufgebrezelt. Die Frauen erinnerten ihn an Bankangestellte im Kostüm – farblich zwischen weiß, grau, dunkelblau und schwarz. Da muss Martin mit seiner braunen Hose und seinem roten Pullover wie ein wandelnder Farbfleck gewirkt haben.

Da es bis zum Beginn des Seminars noch eine gute Stunde dauern sollte, hatte er genügend Zeit, die ausgehängten Listen mit den Seminargruppen zu studieren. In verschiedenen Räumen würden sich je drei oder vier Mitglieder der Stiftung mit je einem der Bewerber für 30 bis 50 Minuten zusammensetzen und unterhalten. Die verschiedenen Räume waren nach bekannten Leuten benannt – im wesentlichen Ökonomen wie Friedrich August von Hayek und Milton Friedmann, aber auch Soziologen wie Ralf Dahrendorf und Max Weber. Mit der Zeit kam er mit den anderen Bewerbern ins Gespräch. Einige waren ziemlich aufgeregt und unterhielten sich. Martin meinte, etwa 80 Prozent der Leute waren Jura-, BWL- oder VWL-Studenten.

Bald lernte er eine Studentin und einen Studenten kennen, die auch in seiner Gruppe waren. Er hatte mit seinem schlauen Telefon schon den einen Professor gegoogelt, mit dem sie nachher sprechen würden. Ob ihnen das wirklich etwas brachte, ist jedoch die Frage.

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