interaktiv

Studentenleben live

Ferien im französischen Freizeitzentrum

Autor:
Inga

Rubrik:
studium

05.03.2014

Es heißt „Centre des Loisirs“ und ist mit keiner Kindereinrichtung, die ich jemals in Deutschland oder Tschechien kennengelernt habe, vergleichbar. Morgens um viertel vor acht öffnet das Freizeitzentrum, abends gegen halb sieben schließt es. Im Klartext heißt das: Kindergebrüll den ganzen Tag. Da ich die Kids auch in die Kantine begleitete, hatte ich einfach keine Pause.
Und ich stellte etwas Merkwürdiges fest: In Tschechien, obwohl ich die Sprache überhaupt nicht konnte, gehorchten mir die Kinder (so sie mich denn verstanden hatten) ziemlich bald. In Frankreich beherrschte ich die Sprache besser, meine Hoffnungen, dadurch die Kinder leichter zum Parieren zu bringen, erlosch jedoch rasch. Ich sagte: Auf geht’s, wir spielen ein Spiel! Antwort: Kein Bock!
Ich ging davon aus, dass das Kind sich für Aktivität A oder B entscheidet und dieser dann auch nachgehen muss. Entsprechendes versuchte ich den Kindern klarzumachen – völlig erfolglos. Wer keine Lust hatte, der machte einfach nicht mit. Bald kam ich dem Grund auf die Spur: Unter den französischen Animateuren herrschte einstimmig die Ansicht, dass man die armen Kinder zu nichts zwingen könne, es seien schließlich deren Ferien. Ich stutze. Also mal ganz abgesehen davon, dass das auch meine Ferien waren, war ich überhaupt gar nicht der gleichen Meinung! Entweder du bastelst oder du spielst mit, aber du turnst nicht wie ein Wilder durchs Zimmer, weil du auf nichts anderes Lust hast! Mein vielleicht etwas rigoroser Ansatz fruchtete überhaupt nicht. Die Kleinen kannten es einfach nicht anders. Ich musste mich dem „Laissez-faire“ beugen und das war anstrengend. Jeden Abend kam ich so gerädert nach Hause, dass ich todmüde ins Bett fiel. Wie naiv von mir etliche Bücher für meine Hausarbeit mitzunehmen. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Prof um eine Gnadenfrist zu bitten …

 

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